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Lockerung der Corona-Beschränkungen:"Komm nur! Schön, dass Du wieder da bist"

Am ersten Schultag nach zwei Monaten begrüßt Kraillings Grundschulleiterin Alexandra Helfrich alle Viertklässler persönlich. Manche Kinder wirken verunsichert.

Von Carolin Fries

Camilla weiß nicht so recht, ob sie einfach hineingehen soll in das Schulhaus. Die Zehnjährige zögert, rückt ihren Mundschutz zurecht. "Komm nur! Schön, dass Du wieder da bist", ruft Schulleiterin Alexandra Helfrich das Mädchen. Die Rektorin steht im Eingangsbereich und empfängt an diesem Montag jedes Kind persönlich. Das Szenario gleicht einem Schulstart nach sechs Wochen Sommerferien, mit dem Unterschied, dass Bayerns Viertklässler seit acht Wochen nicht mehr in der Schule waren. Sie wirken mitunter verunsichert wie Erstklässler. "Sie hat Angst vor dem Abstand halten", erklärt Camillas Mutter Renate Dotzel die Zurückhaltung ihrer Tochter.

Alexandra Helfrich versucht, den Kindern die Angst gleich an der Tür zu nehmen. "So eine schicke Maske!", sagt sie etwa und lotst die Viertklässler sogleich die Treppe hinauf in ihre Klassenzimmer. "Nicht in die Garderobe", ruft sie, dort sei es zu eng. Ein Einbahnstraßensystem hat sich die Rektorin zusammen mit dem Kollegium überlegt, um Begegnungen der Kinder im Schulhaus auf das Nötigste zu beschränken, in den Toilettenräumen wurden den Klassen einzelne Kabinen zugewiesen und entsprechend gekennzeichnet. Überall im Schulhaus hängen Piktogramme, die die Hygieneregeln veranschaulichen, rot-weiße Klebebänder am Boden markieren die einzuhaltenden Abstände. Auf Absperrbänder habe man bewusst verzichtet, "weniger ist manchmal mehr", sagt Helfrich. "Wir wollen das lieber mit Reden klarmachen."

Die etwa 75 Viertklässler hat die Kraillinger Grundschule in Gruppen aufgeteilt. Aus jeder der drei Klassen kommt die eine Hälfte von acht bis 10.20 Uhr, danach die andere Hälfte. "Den Lehrkräften war es wichtig, selbst alle Kinder wieder zu unterrichten." Auch wenn das bedeutet, mit dem Unterricht nach drei Stunden wieder von vorne anzufangen. Ani freut sich auf ihre Lehrerin, "weil die besser erklären kann", wie die Neunjährige sagt.

Schade findet sie aber, dass sich der Unterricht auf die Kernfächer Mathematik, Deutsch und Heimat- und Sachkunde beschränken soll. "Ich hätte so gern mal wieder Handarbeit, da haben wir immer so schöne Sachen gemacht." Helfrich verspricht, dass es pädagogische Freiräume für fachübergreifenden Unterricht gibt - ein bisschen Basteln sollte zwischendurch also drin sein. Anis Mutter Nadja Eising ist erleichtert, dass ihre Tochter wieder in die Schule kann. Alleinerziehend mit zwei Kindern und einem Job habe sie sich zuletzt "ständig vierteilen" müssen, wie sie erzählt. Renate Dotzel, die noch einen Neuntklässler zu Hause hat, stimmt zu: "Es ist heftig."

Auch Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux begleitet an diesem Morgen seinen Sohn Alexander zur Schule. "Klar ist Unsicherheit da. Aber die Freude überwiegt", sagt er. Auch bei Kilian, der an diesem Montag Geburtstag hat und mit einem Ständchen in der Schule empfangen wird. "Wir freuen uns sehr, wieder Kinder in der Schule zu haben. Es war schon sehr einsam", sagt Helfrich. Von kommender Woche an dürfen auch die Erstklässler wieder in die Schule.

© SZ vom 12.05.2020

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