Wörthsee:Bürgerentscheid gegen Supermarkt

Wörthsee: Kuckuckstrasse - Protest gegen bevorstehende Waldrodung

An der Kuckuckstraße haben Anwohner bereits im November gegen die bevorstehende Fällung von Bäumen protestiert.

(Foto: Nila Thiel)

Gemeinderat kontert mit einem Ratsbegehren, in dem er die Frage nach einem Nahversorger mit dem genossenschaftlichen Wohnbauprojekt "Am Teilsrain" koppelt.

Von Christine Setzwein

Die Fragen sind kompliziert formuliert, aber worum es geht, ist ganz einfach: Wollen die Wörthseer einen Lebensmittelmarkt auf dem Areal "Am Teilsrain" oder nicht? Wenn ja, bekommen sie einen Vollsortimenter mit 20 Appartements und 60 Genossenschaftswohnungen. Wenn nicht, bekommen sie gar nichts. Entschieden wird darüber am 21. März. Dann stehen das Bürgerbegehren "Nein danke zu einem Vollsortimenter nördlich 'Zum Kuckucksheim'" und das Ratsbegehren "Ja zu Wohnungen für alle Generationen und Einkommensgruppen sowie einem der Nahversorgung dienenden Vollsortimenter nördlich 'Zum Kuckucksheim'" zur Wahl. Bis zum Bürgerentscheid ruht das Bebauungsplanverfahren.

In der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend, die auch von Vertretern der Bürgerinitiative "Rettet den Kuckuckswald" (BI) verfolgt und kommentiert wurde - wurde rege diskutiert. Bürgermeisterin Christel Muggenthal erinnerte daran, dass über einen zweiten Vollsortimenter für Wörthsee debattiert wird, seit Tengelmann seine Filiale im Frühjahr 2013 schloss. Der Dorfladen, der von der BI wieder ins Gespräch gebracht wird, sei ja leider gescheitert. Viele Standorte seien geprüft worden, als einzig geeigneter sei die Fläche an der Straße "Zum Kuckucksheim" übrig geblieben - in der Mitte der drei Ortsteile. Erst dann kamen die Pläne für genossenschaftlichen Wohnbau, für Seniorenwohnungen auf dem Kirchengelände und ein neues Kinderhaus. Insgesamt entstehen rund um den Supermarkt 150 neue Wohnungen. Es wäre ein "Schildbürgerstreich", die Menschen, die dort einziehen, nicht auch zu versorgen, sagte Dirk Bödicker (Wörthsee-Aktiv, WA).

Wörthsee

So kann man sich den geplanten Lebensmittelmarkt an der Wörthseer Kuckuckstraße vorstellen.

(Foto: Gemeinde Wörthsee/oh)

Die BI sieht das anders. Ihr ist der geplante Markt zu groß und zu nah am bestehenden Edeka. Sie befürchtet mehr Verkehr an der ohnehin stark befahrenen Etterschlager Straße, wehrt sich aber vor allem gegen die Fällung von etwa der Hälfte der Buchen, die der geplanten Zufahrt zu Supermarkt und Genossenschaftswohnungen im Weg stehen. Mitte Dezember, kurz vor Ende des Planungsprozesses, begann die BI Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu sammeln mit dem Ziel, den Nahversorger zu kippen. Etwa 850 Wörthseer - von 4160 Wahlberechtigten - haben unterzeichnet, das Bürgerbegehren wurde für zulässig erklärt.

Gegen das Ratsbegehren sprachen sich nur drei Gemeinderäte aus: Robert Wihan (Freie Wähler), Gerald Grobbel und Veronika Wihan (Grüne). Ihre Ablehnung erklärten sie mit der Größe des Vollsortimenters und der Koppelung von Nahversorger und Genossenschaftswohnungen. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Das Wort "Erpressung" (Veronika Wihan) fiel.

Jakob Aumiller (CSU) hatte Probleme mit der Bezeichnung "Kuckuckswald". Es handle sich an der Straße um Bäume, die sich natürlich ausgesät hätten, und nicht um einen Wald. Philip Fleischmann (CSU) sagte, er sei "stinksauer" über die BI, weil sie unter dem Vorwand "Rettet den Kuckuckswald" ein seit Jahren geplantes Konzept zu Fall bringen wolle. Vize-Bürgermeister Josef Kraus (CSU) empfindet es als "Unverschämtheit", wie Geld und Zeit weggeworfen worden sei, würde das Projekt scheitern. Thomas Bernhard (FW) erinnerte an die Ersatzpflanzung am Ziegelstadel, die wesentlich größer und hochwertiger sei als die Buchen an der Kuckuckstraße.

Peter Hopmann (WA) erwartet keineswegs mehr Verkehr auf der Etterschlager Straße, werde doch die Kreuzung Etterschlager Straße/Zum Kuckucksheim verkehrsberuhigt durch Tempo 30 und einer Querungshilfe. Er sei "entsetzt" darüber, sagte Hopmann, dass Kollegen das Ratsbegehren überhaupt ablehnten.

Bürgermeisterin Christel Muggenthal begründete das Ratsbegehren damit, dass es sich bei Vollsortimenter und Wohnbebauung um ein Gesamtkonzept handle, das der Gemeinderat in vielen Jahren entwickelt und geplant habe. Es sei das gute Recht der Gemeinderäte, ihre Arbeit bewerten zu lassen.

© SZ vom 22.01.2021
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Kommentar
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Seit fast acht Jahren diskutiert und plant der Gemeinderat einen zweiten Supermarkt im Ort. Dass er sich die Arbeit nicht kaputt machen lassen will, ist verständlich

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