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Wörthsee:Kinderskelett entdeckt

Wörthsee

Das Skelett eines Buben hat Archäologe Thomas Neumann in Steinebach geborgen. Es könnte seit 2500 Jahren in der Erde gelegen haben.

(Foto: Neumann/oh)

Bei Ausgrabungen in Wörthsee finden Archäologen Überreste eines Buben aus der Hallstattzeit oder Latènezeit.

Von Christine Setzwein

Solch ein Fund ist auch für Archäologen nicht alltäglich: Bei Ausgrabungen auf einem Acker in Steinebach wurde ein kleines Skelett entdeckt. Laut Landesamt für Denkmalpflege könnte es aus der Hallstattzeit - etwa 800 bis 450 vor Christus - oder der darauffolgenden Latènezeit - 450 bis etwa 15 vor Christus - stammen. Ein Urteil darüber, wie alt es genau ist, könne erst nach einer genaueren Untersuchung der Funde gefällt werden, teilt eine Sprecherin mit.

Die Grabungsarbeiten, mit denen die beauftragte Münchner Firma "Neumann Excavations & Technologies" Anfang Dezember begonnen hatte, waren witterungsbedingt schon ins Stocken geraten, als die Archäologen auf das Skelett stießen. Es lag auf dem Rücken. Die Knochen befanden sich in einem stark durchwurzelten Bereich und waren teilweise so stark gebrochen, dass sie die Archäologen zunächst für Speiseabfälle hielten. Aber nachdem sie begonnen hatten, sie freizulegen, war bereits nach wenigen Zentimetern klar, dass es sich um eine Körperbestattung handeln musste. Wie das Landesamt mitteilt, lag der Schädel in der nach Südwest-Nordost orientierten Grube im Nordosten. Neben dem Skelett wurden die Reste dreier Gefäße sowie mehrere Eisenobjekte gefunden. Metallobjekte und Keramik "sprechen für eine eisenzeitlich, eventuell noch hallstattzeitliche Bestattung". Frühere Ausgrabungen datieren allerdings latènezeitlich, so das Landesamt. Die Knochen scheinen zum Teil umgelagert, die Gefäße alt gebrochen beziehungsweise abrasiert worden zu sein. "Erosion sowie Ackerbau haben ihre Spuren hinterlassen."

Im Rathaus Wörthsee sind keltische Fundstücke früherer Ausgrabungen verwahrt, wie Fragmente blauer Glasringe.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Monika Ofer konnte sich das Skelett anschauen, als es noch in der Erde lag. Für sie war das ein ganz besonderes Erlebnis. Die Wörthseer Historikerin war von Anfang an dabei, als Anfang der 2000er Jahre die Suche nach Keltenfunden im Ortsteil Steinebach begann. Bei dem Fund am Kuckucksheim handle es sich um die erste Erdbestattung, die in der Gemeinde ausgegraben wurde. Ofer hatte auch Gelegenheit, mit der Anthropologin zu sprechen. Bei dem Skelett soll es sich um die Überreste eines sechs-bis zwölfjährigen Jungen handeln. Er sei sehr sorgfältig bestattet worden, voll bekleidet, mit Fibeln und Glasarmreifen geschmückt. Auch Essen habe man ihm ins Grab gelegt. "Man weiß wenig über die Erdbestattungen aus dieser Zeit", sagt Ofer. Umso wichtiger seien Funde wie dieser. Um das Alter des Skeletts genau einschätzen zu können, müssten aber Tonscherben und "Trachtenschmuck" genau untersucht werden. Trachtenschmuck? "Ja, genau wie heute unterlagen damals Kleidung und Schmuck der verschiedenen Stämme auch unterschiedlichen Moden", weiß die Historikerin.

Archäologe Thomas Neumann sagt, dass die drei stark korrodierten Eisenobjekte, die im Oberkörperbereich des Toten lagen, vorerst keine genauere Aussage erlaubten. Es handle sich wahrscheinlich um Trachtbestandteile. Die Beigabengefäße seien nur in Resten erhalten und allgemein der Eisenzeit zuzuordnen. "In der Grabgrube fand sich außerdem ein Tierknochen, der auf eine Fleischbeigabe schließen lässt."

Wörthsee Kukuckstraße, archeologische Ausgrabungen.

Thomas Neumann.

(Foto: Georgine Treybal)

Eine Ausstellung der Fundstücke in Wörthsee irgendwann wäre schön, meint Monika Ofer. Ein paar Relikte von früheren Ausgrabungen sind im Rathaus verwahrt, neben dem Rathaus steht der "Kelten-Pavillon", der über keltische Religion und Glasherstellung informiert und zeigt, wie es in einem keltischen Haushalt ausgesehen haben könnte. Historikerin Ofer begann mit ihren Begehungen auf den Äckern im Süden Steinebachs, nachdem ihr ein Anwohner Scherben gezeigt hatte, die er beim Umgraben in seinem Garten gefunden hatte. Dass der Fund bedeutend war, war ihr sofort klar. Schon am nächsten Tag begutachtete sie den nächstgelegenen Acker - und entdeckte eine wunderschöne Fibel. In der Folge holten Ofer, Christel Muggenthal und Martina Jursch kistenweise Tonscherben, Münzen, Fibeln, Bronzestücke und Teile von Glasschmuck aus dem Boden, die sie an das Landesamt für Denkmalpflege weiterleiteten und die dort als bedeutend eingestuft wurden. Steinebach gilt heute als die drittgrößte Kelten-Metropole Bayerns.

Die Ausgrabungen am Kuckucksheim, die noch nicht abgeschlossen sind, wurden vom Landratsamt angeordnet, weil dort ein neuer Supermarkt geplant ist und eventuelle historische Funde gesichert und für die Nachwelt erhalten werden sollen. Der Baubeginn verschiebt sich aber. Am 21. März stimmen die Wörthseer in einem Bürgerentscheid darüber ab, ob sie dort einen Vollsortimenter in dieser Größe wollen.

© SZ vom 03.02.2021
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