SZ-AdventskalenderSchlaganfall auf dem Motorrad

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Mühsame Fortschritte: João F. zusammen mit seiner Lebensgefährtin Magda P., im Hintergrund ihre Kinder.
Mühsame Fortschritte: João F. zusammen mit seiner Lebensgefährtin Magda P., im Hintergrund ihre Kinder. Nila Thiel

João F. verunglückt 2018 auf der Autobahn, er leidet heute noch an den Folgen. Seine Frau kümmert sich um ihn und die drei Kinder. Die Familie könnte einen Wäschetrockner und ein neues Bett gebrauchen.

Von Christine Setzwein, Starnberg

Allein die Vorstellung, auf dem Motorrad einen Schlaganfall zu erleiden, ist ein Albtraum. João F. hat diesen Albtraum erlebt. Der heute 40-Jährige hatte einen Freund besucht und war auf seiner Maschine unterwegs nach Hause zu seiner Familie, als er plötzlich nur noch Blitze vor Augen hatte. Den Stau vor ihm auf der Autobahn sah er noch. Sein einziger Gedanke: Niemand anderer sollte zu Schaden kommen, also versuchte er noch auszuweichen. Der Sturz war nicht zu vermeiden. Mit Folgen, an denen er heute noch, zwei Jahre später, leidet.

Seine Frau Magda P. erinnert sich gut an diesen Sommer 2018: der Motorradunfall ihres Lebensgefährten, bei dem er sich bis auf eine alle Rippen brach, die halbseitige Lähmung nach dem Schlaganfall. Eine Woche nach dem Unfall kam Töchterchen Matilde zur Welt, zwei Wochen später begann für Sohn David die Schule. Und dann war ja auch noch Jorge da, der damals Vierjährige (alle Namen der Kinder geändert). Sieben Monate war João F. im Krankenhaus, davon drei Monate auf der Intensivstation. Magda P., Reinigungskraft in einer Klinik, konnte und kann nicht zur Arbeit, die um fünf Uhr morgens beginnt. Sie muss die drei Kinder versorgen und ihren Mann zur Logopädin und zur Physio- und Ergotherapie fahren. Auch wenn er Fortschritte macht, kann er noch nicht selber Auto fahren. Seine linke Körperhälfte ist immer noch beeinträchtigt. Ob João F. jemals wieder als Koch arbeiten kann, weiß niemand. "Er kann nicht lange stehen", sagt Magda P. Sie möchte auf alle Fälle im September wieder zur Arbeit.

Bis dahin muss die Familie sparen. Für Weihnachten hat sie für jedes Kind Wäsche gekauft und je ein Spielzeug. Mehr ist nicht drin. Seit einigen Wochen ist der Wäschetrockner kaputt, die Eltern könnten ein neues Bett gebrauchen, damit Vater João besser aufstehen kann.

"Ich versuche, stark und fröhlich zu sein", sagt Magda P., aber wenn sie alleine ist, "zieht mich das schon runter."

© SZ vom 30.12.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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