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Freizeit und Gastronomie:Die Karibik am Pilsensee

Pilsensee Kiosk, Pächter Otmar Walch

Bisserl 80er, bisserl Karibik: Otmar Walch hat den Kiosk während des Lockdowns mit viel Eigenleistung komplett saniert. Nun locken zehn Tonnen Sand, Liegestühle - und natürlich aufblasbare Flamingos.

(Foto: Georgine Treybal)

Otmar Walch hat den Kiosk "Zur Wurzn" zum "Lieblingsplatz" verwandelt. Nicht nur die Dekoration soll ein ganz neues Strandgefühl vermitteln.

Von Patrizia Steipe

Bevor der Gast in den Liegestuhl sinkt, warnt Otmar Walch: "Vorsicht, wenn Sie mal sitzen, dann stehen Sie so schnell nicht mehr auf." Der Gastronom, der seit 2012 mit seiner Frau Elisabeth den Gasthof zur Post in Herrsching betreibt, hat die ehemalige "Wurzn" übernommen, den Kiosk am Ostufer des Pilsensees. Und er hat recht.

Der Kiosk liegt auf einer leichten Anhöhe über dem Wasser. Von hier aus hat man einen grandiosen Blick auf den Pilsensee, der mal in karibischem Grün erstrahlt oder von einem der spektakulären Sonnenuntergänge in rotes Licht getaucht wird. Ab und an sieht man am gegenüberliegenden Ufer eine S-Bahn durch die grüne Landschaft und die wie Spielzeughäuschen wirkenden Häuser und die Kirche von Hechendorf fahren. "Sieht aus wie bei einer Modelleisenbahn", schwärmt Walch. Schwimmer und Stand-up-Paddler ziehen vorbei. "Der See ist meistens spiegelglatt und hat nur wenige Wellen", sagt Walch.

Der in Graz geborene Gastronom lebt seit 1982 in Deutschland und hatte in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Jobs in der Gastronomie. Deswegen ist er in seiner Branche sehr gut vernetzt. Es war auch ein Lieferant, der ihm den Tipp gegeben hatte, dass die Wurzn frei wird. Der Erholungsflächenverein als Eigentümer habe sich aus mehreren Bewerbern dann für ihn entschieden, freut sich Walch.

Seinem Arbeitsplatz hat der Wirt ein neues Image verpasst. Statt Wurstsalat und Obazdn in der Wurzn, verspricht er karibisches Flair am "Lieblingsplatz", wie der Kiosk jetzt heißt. Er hätte ihn auch "Niemandsland" nennen können, denn der Kiosk hat keine Adresse. "Es gibt zwar zwei, aber die stimmen beide nicht", so Walch. Pilsensee 40 sei die Adresse des Campingplatzes und Seefelder Straße 106 gehöre zu einem Anwesen weiter oben. "Bei der Telekom sind wir jetzt als Seefelder Straße 0 gelistet", erklärt er.

Den Kiosk hat er während des Lockdowns mit viel Eigenleistung komplett saniert. Dunkel sei alles gewesen und völlig veraltet. Die Elektrik aus den 70er-Jahren wurde erneuert, ein Fenster spendet jetzt Tageslicht im Kiosk. Der Außenanstrich strahlt in hellem Rosa und Mintgrün. Das soll Assoziationen an die 80er-Jahre, an Florida oder die Karibik wecken. Wo früher die Streicheltiere der ehemaligen Pächterin ihre Gehege hatten, verbreiten jetzt zehn Tonnen Sand, Liegestühle und aufblasbare Flamingos Beachfeeling. Mit Surfbrettern soll das Ambiente noch komplettiert werden.

Bereits in der Früh kann man den Tag am See mit Kaffee und dem selbstgemachten Käsekuchen der Postwirtin beginnen. Mittags verbringen neben den Badegästen auch Handwerker ihre Pause am See. Neben Pommes, Currywurst und Eis am Stiel plant Walch, das Angebot mit mediterranen Spezialitäten zu erweitern. Er denkt an gegrilltes Gemüse, Hummus, Schinken mit Oliven und guten Wein, für den er erst noch einen Klimaschrank kaufen möchte. Besonders praktisch ist, dass der Gasthof zur Post "drei Kilometer und drei Minuten" entfernt ist. So können Gerichte in der dortigen Küche zubereitet werden. Auch für Feste und Veranstaltungen, für die er bereits Anfragen bekommen hat, könnten die Post-Küche und der Gasthof als Ausweichmöglichkeit bei schlechtem Wetter genutzt werden, überlegt Walch. Es gibt Augustiner-Bier und Saftschorlen der Münchner Firma "Eizbach". "Die Rosenlimonade kann man perfekt mit Prosecco mischen", sagt Walch.

Neben dem Kiosk wurde auch die etwa 8000 Quadratmeter große Liegewiese vom Erholungsflächenverein saniert. Die Herrschinger Landschaftsarchitektin Monika Treiber hat die Stufen in den See neu gestaltet, die kleinen Eisentreppen entlang des Ufers befestigt, es gibt sogar ein Geländer in das Wasser und ein neuer Rasen wurde angesät. Derzeit werden noch die Toiletten saniert. Über deren Zustand hatten sich die Badegäste bereits seit langem beschwert.

Der Kiosk "Lieblingsplatz" ist bei schönem Wetter täglich von der Früh bis zum Sonnenuntergang geöffnet. Parken kann man am Parkplatz neben der Staatsstraße nach Herrsching. Zum See führt eine Fußgängerunterführung.

© SZ vom 19.06.2021
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