Illegale Autorennen: Raser werden bestraft

Possenhofen: Ferdinand-von-Miller Str

Mit abgefahrenen Reifen und viel zu hoher Geschwindigkeit sind die jungen Männer in die scharfe Rechtskurve beim "Steg 1" in Possenhofen gefahren. Dort kam es dann zum folgenschweren Unfall.

(Foto: Nila Thiel)

Starnberger Gericht sieht die Schuld zweier junger Männer an einer Kollision mit vier Verletzten in Possenhofen als erwiesen an - und verurteilt sie.

Von Christian Deussing

Der 59-jährige Autofahrer hatte keine Chance, dem entkommenden Raser in der Kurve der Seeuferstraße in Possenhofen auszuweichen und den Frontalzusammenstoß zu verhindern. Das Autoheck des jungen Feldafingers war in einer Rechtskurve kurz vor dem "Steg 1" bei zu hoher Geschwindigkeit ausgebrochen, als er die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Bei dem Unfall, der sich mittags am 1. November vergangenen Jahres ereignet hatte, waren vier Menschen teilweise schwer verletzt worden - darunter auch der damals 19-jährige Verursacher. Der Feldafinger wurde am Dienstag vom Jugendgericht Starnberg wegen eines illegalen Autorennens und fahrlässiger Körperverletzung zu einem Freizeitarrest, 80 Sozialstunden und zwölf Monaten Führerscheinsperre verurteilt.

Mit gemeinnütziger Arbeit und einjähriger Führerscheinsperre wurde auch sein Cousin bestraft. Der 19-jährige Mitangeklagte, der vorausgefahren war, hatte am Unfalltag in Richtung Feldafing plötzlich sein Auto beschleunigt. Richter Ralf Jehle sah es als erwiesen an, dass der Starnberger seinen Verwandten abhängen wollte und sich dieser sich auf den Wettbewerb eingelassen habe.

Sie seien wie "Geschosse" auf der Fahrbahn unterwegs gewesen und hätten "Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer konkret in Gefahr gebracht", sagte der Richter. Er betonte, dass die Kollision auch tödlich hätte enden können. Laut Gutachter war der Fahrer mit abgefahrenen Reifen und etwa 84 Stundenkilometern statt den erlaubten 60 in die Kurve gefahren.

"Das erste Auto raste noch knapp vorbei, das zweite kam Sekunden später im 90-Grad-Winkel komplett auf unserer Spur auf uns zu", erinnerte sich die 58-jährige Beifahrerin an die Szene. Die Pöckingerin wurde erheblich verletzt und im Wrack neben der Leitplanke eingeklemmt. Auch ihr heute 60-jähriger Lebensgefährte, der am Steuer gesessen hatte, wurde verletzt. Beide traten im Prozess als Nebenkläger auf. Zudem sagte ein Münchner Autofahrer aus, der mit seinem Baby nur mit viel Glück einem Zusammenstoß entgangen war. "Die fuhren quer mit den Hinterrädern auf meiner Spur", berichtete der 33-jährige Familienvater. Der Ingenieur vermutete, dass die Angeklagten mit einem bestimmten Fahrmanöver den jeweils anderen übertreffen wollten. Seine Ehefrau war vorneweg gefahren und erinnerte sich in der Verhandlung unter Tränen an die Situation. Sie habe reflexartig ihr Auto nach rechts gelenkt, einen Knall gehört und im Rückspiegel ihren Mann zuerst nicht mehr gesehen. "Ich dachte an das Schlimmste", sagte die Frau.

Schwer verletzt wurde auch der damals 15-jährige Beifahrer des Unfallfahrers, der sich nach eigenen Angaben nicht mehr an den Crash erinnern konnte. Der Jugendliche gab vor Gericht an, dass der Fahrer ihm kurz vorher noch gesagt habe: "Ich werde nicht aufgeben." Für die Staatsanwältin war dies ein klares Indiz dafür, dass der Feldafinger seinen Cousin einholen wollte. Überdies bedürfe es keiner vorherigen Absprache, um ein Autorennen ausführen. Beide Angeklagten bestritten es. Die Strafverfolgerin verwies auch auf die Aussage eines Anwohners, der Wochen vor dem Unfall beobachtet habe, wie die selben Autos an einem Wendehammer in Feldafing mit quietschenden Driftübungen aufgefallen seien. Dagegen konnten die Verteidiger keine Anhaltspunkte für ein Autorennen erkennen. Das Fahrverhalten sei zwar enorm gefährlich gewesen, doch sein Mandant habe die "Situation falsch eingeschätzt", sagte der Anwalt des Verursachers, der sich bei den Opfern reumütig entschuldigte.

© SZ vom 11.11.2020
Zur SZ-Startseite
Drogen-Skandal weitet sich aus - Ermittlungen gegen 21 Polizisten

Garmischer Autobahn
:Neue Hinweise nach mutmaßlich illegalem Rennen auf der A95

Die bis zu zwölf Sportwagen sollen in Murnau abgefahren und mit quietschenden Reifen in Richtung Großweil gerast sein. Dabei sind sie offenbar gefilmt worden.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB