Gesundheit im Landkreis Starnberg:Herrsching und seine neue Klinik

In Herrschings Norden soll die Klinik entstehen

Hier im Norden von Herrsching steht nun ausreichend Fläche für einen Klinikneubau im westlichen Landkreis Starnberg zur Verfügung.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Landkreis Starnberg könnte nun doch in Herrsching ein neues Krankenhaus bauen - auf dem Areal an der Seefelder Straße, auf dem einst ein Gymnasium entstehen sollte. Anders als damals sind die Grundstücksverhandlungen erfolgreich verlaufen.

Von Astrid Becker

Zuletzt war es ruhig geworden in der teilweise recht hitzigen Debatte um einen möglichen Standort für eine neue Klinik im westlichen Landkreis. Sogar verdächtig still. Doch nun wartet Landrat Stefan Frey mit einer Überraschung auf: Ein neues Krankenhaus könnte nun doch in Herrsching an der Seefelder Straße gebaut werden - ausgerechnet auf dem Areal also, das einst für das neue Gymnasium Herrsching vorgesehen war, für das damals aber sämtliche Grundstücksverhandlungen gescheitert waren. Das hat sich nun offenbar geändert. Wie Frey der SZ auf Anfrage bestätigt, sind die Grundstücksverhandlungen dort erfolgreich verlaufen. "Per Handschlag" habe man sich bereits geeinigt, es fehle allerdings noch ein unterschriebener Kaufvertrag.

Konkret geht es um eine Fläche von knapp 8000 Quadratmeter, ausreichend, wie Frey sagt, um zusammen mit den Grundstücken, die die Gemeinde Herrsching dort besitzt - insgesamt etwa 18 000 Quadratmeter - einen Klinikneubau zu realisieren. Dass Frey nun mit ganz anderen Verhandlungsergebnissen als beim Gymnasium aufwarten kann, dürfte mehrere Gründe haben: Der Landkreis braucht für eine Klinik weniger Fläche als für eine Schule und damit auch weniger Verträge mit Grundstückseigentümern. Zudem darf er auch etwas besser bezahlen als damals. Rund 70 Euro pro Quadratmeter waren seinerzeit von der Kommunalaufsicht vorgegeben. Dem Vernehmen nach ging es nun um einen Preis von "unter 200" pro Quadratmeter, also um deutlich mehr. Anders als beim Gymnasium sei es auch nicht mehr um "Kopplungsgeschäfte" gegangen. Das heißt, die Forderung mancher Eigentümer damals, nur gegen Baurecht zu verkaufen, habe diesmal keine Rolle gespielt, so Frey. Über weitere Gesprächsinhalte wollte er sich aber nicht äußern. "Das war vertraulich."

Mit dieser Wendung zeichnet sich ein Neubau an der Seefelder Straße in Herrsching immer deutlicher ab, auch wenn der Starnberger Klinikchef Thomas Weiler noch recht zurückhaltend auf die neuesten Verhandlungsergebnisse reagiert: "Ich glaube das erst, wenn es einen notariell beurkundeten Vertrag gibt." Dennoch: Die Entscheidung für einen Neubau dort dürfte die bestmögliche Alternative sein.

Ein ebenfalls dafür vorgesehenes Areal südlich des Friedhofs in Hechendorf liegt mitten im Landschaftsschutzgebiet. Und Naturschützer - etwa die Bürgerinitiative Eichenallee (BI) um Ortwin Gentz, der im Gemeinderat in der gemeinsamen Fraktion mit den Grünen sitzt, und der Bund Naturschutz im Kreis - hatten mit vielen Mitteln gegen eine mögliche Versiegelung der ökologisch wertvoller Flächen und Flora-Fauna-Habitate gekämpft: etwa mit einer Online-Petition. Zudem hatten sie, nachdem sich nach einem Ratsbegehren im Sommer die Mehrheit der Bürger für einen Bau dort ausgesprochen hatte - einen Planungsstopp für Seefeld gefordert und dabei auch die Unterstützung vom Fraktionschef der Landtags-Grünen, Ludwig Hartmann, erhalten.

Gesundheit im Landkreis Starnberg: Sollten in Herrsching eine neue Klinik entstehen, stellt sich auch die Frage, was dann mit dem Areal der jetzigen Schindlbeck-Klinik geschehen könnte.

Sollten in Herrsching eine neue Klinik entstehen, stellt sich auch die Frage, was dann mit dem Areal der jetzigen Schindlbeck-Klinik geschehen könnte.

(Foto: Arlet Ulfers)

Auch Landrat Stefan Frey waren die Probleme mit diesem Standort bewusst. Er selbst klang skeptisch, wenn es um die Realisierbarkeit ging: Der Kreistag müsse schließlich über die Herausnahme des Areals aus dem Landschaftsschutz entscheiden. Und das, so sagte er des Öfteren, dürfte "nicht einfach werden". Um die Gesundheitsversorgung im westlichen Landkreis zu sichern, für die wegen der Fördergelder auch erheblicher Zeitdruck besteht, hatte er stets auf mehrere Alternativstandorte gepocht - und daher auch die Grundstücksverhandlungen für die Seefelder Straße in Herrsching nicht aufgegeben. Priorität hatte aber stets auch der Ausbau der Schindlbeck-Klinik, weil dies ohnehin vom letzten Entscheider in dieser Angelegenheit, dem Gesundheitsministerium, so vorgegeben ist.

Dieses, so ist nun von Frey zu erfahren, habe sich mittlerweile gemeldet: "Wir sind nun aufgefordert worden, zu prüfen, ob eine Klink mit 10 000 bis 16 000 Quadratmetern und rund 200 Betten auf dem Schindlbeck-Grundstück machbar wäre." Es wird demnach also ein Planer mit der Studie dazu beauftragt werden, dessen Ergebnisse dann wieder dem Gesundheitsministerium vorgelegt werden müssen. Ein Parallelverfahren, das jedoch nach dem jetzigen Baurecht dort kaum Aussicht auf Erfolg haben dürfte.

Mit der Zustimmung des Herrschinger Gemeinderats zu einem Neubau an der Seefelder Straße kann Frey aber wohl rechnen: Die Nachricht von dem neuen Grundstücksdeal sei "sehr positiv" aufgenommen worden, wie Bürgermeister Christian Schiller auf Anfrage sagte. Was künftig aber mit der Schindlbeck-Klinik geschehen könnte, ist noch völlig offen. Frey kündigte an, darüber nur im Einvernehmen mit der Gemeinde zu entscheiden.

In Seefeld hingegen dürfte die Begeisterung nicht ganz so groß gewesen sein. Laut Bürgermeister Klaus Kögel gibt es noch immer "einige, die sich eine Klinik in der Gemeinde wünschen." Ihm selbst gehe es allerdings nur um eines: "Die Gesundheitsversorgung im westlichen Landkreis zu erhalten."

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