Klinik-Entscheid in Seefeld:Naturschützer geben nicht auf

Herrsching Privatklinik Schindelbeck

Nach dem Bürgerentscheid für den Standort in Seefeld bleibt der Ausbau der Klinik in Herrsching im Rennen, verspricht Landrat Stefan Frey.

(Foto: Nila Thiel)

Während sich der Starnberger Landrat und die Kliniken über das Votum für Hechendorf freuen, wollen die Standortgegner weiterhin für eine Alternativlösung in Herrsching kämpfen.

Von Astrid Becker

Robert Schindlbeck hat ein paar Tage Urlaub hinter sich: "Ich wollte an diesem Wochenende nicht da sein. Jetzt bin ich heilfroh, dass der ganze Spuk vorüber ist", sagt er am Montag. Er meint damit den Bürgerentscheid vom Sonntag in Seefeld über einen nun möglichen Standort für eine neue Klinik im Landschaftsschutzgebiet im Ortsteil Hechendorf. Denn letztlich barg dieser auch eine Entscheidung in sich, wie es mit der mittlerweile landkreiseigenen Schindlbeck-Klinik in Herrsching weitergeht, die sein Vater gegründet hatte, dessen Lebenswerk er gern bewahrt sehen wollte - ebenso wie die Naturschützer, die gegen einen möglichen Standort in Hechendorf im Landschaftsschutzgebiet vehement gekämpft hatten, nun zumindest im Entscheid verloren haben, aber nicht aufgeben wollen

Bei 3703 abgegebenen (und fünf für ungültig erklärten) Stimmen haben sich genau 2200 Bürger, also 59,5 Prozent, dafür ausgesprochen, dass die Gemeinde die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Neubau eines Krankenhauses auf einer Fläche östlich des neuen Friedhofes an der Bahnhofstraße schaffen darf. Die Wahlbeteiligung lag bei 67 Prozent, so das offizielle Endergebnis.

Was bei den Naturschützern von der Bürgerinitiative Eichenallee, den örtlichen Grünen und dem Bund Naturschutz im Kreis (BN) Bedauern hervorrief, aber auch erneuten Kampfgeist, löst bei den Befürwortern, allen voran Landrat Stefan Frey (CSU) und Klinikchef Thomas Weiler, große Freude aus: Die Bürger hätten die Chance genutzt, die "Voraussetzung für eine moderne Hochleistungsklinik mit den medizinischen Abteilungen Chirurgie, Innere Medizin, HNO und Hämodialyse zu schaffen und damit die optimale Versorgung des westlichen Landkreises in Zukunft zu sichern", erklärt Weiler am Montag. Auch Landrat Frey, zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der Starnberger Kliniken-Holding, wertet das Votum als "starkes Zeichen, dass den Bürgerinnen und Bürgern im westlichen Landkreis eine gute Gesundheitsvorsorge vor Ort wirklich am Herzen liegt". In Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Fachbehörden soll der Standort nun genau planungsrechtlich geprüft werden - parallel zu Herrsching, wo die "Option eines Klinikbaus" weiterhin "mit Hochdruck geprüft" werde, wie die Kliniken am Montag mitteilen. Frey zeigte sich aber "sehr froh, nun auch mit einer Alternative in Seefeld planen zu können".

Die Naturschützer befürchten nun offenbar, dass die Alternative Herrsching nicht zum Zug kommen könnte. "Wir werden das genau beobachten und alle Hebel in Bewegung zu setzen, um einen Bau zwischen "zwei Flora-Fauna-Habitat-Strängen" zu verhindern", sagt BN-Kreisvorsitzende Günter Schorn. "Wir sind Träger der öffentlichen Belange und müssen gehört werden", warnt er. Zudem soll die Fläche nach einem ersten Gutachten, das der BN in Auftrag gegeben hatte, weiter ökologisch untersucht werden.

Schorn kündigt an, auch auf Landesebene gegen die Pläne "zu Felde zu ziehen", wie er sagt: "Die wissen nicht, worauf sie sich eingelassen haben." In Zeiten des Klimawandels werde das Vorhaben schwer durchzusetzen sein. So werde sich der regionale Planungsverband gegen Flächenfraß auf diesem Grünzug wehren. "Da will sich niemand den Vorwurf gefallen lassen: Ihr redet nur und tut nichts."

Vor diesem Hintergrund übt er auch herbe Kritik am Landrat: "Glaubt er allen Ernstes, es kommt gut an, wenn er mit der Haltung, mich juckt der Klimawandel nicht, daher kommt?" Er gebe den Befürwortern nur einen guten Rat, bei der angekündigte Prüfung der Herrschinger Schindlbeck-Klinik - "nicht mit falschen Karten zu spielen". Robert Schindlbeck würde es so wohl kaum formulieren. Aber auch er hofft auf eines, wie er sagt: "Dass Wort gehalten wird, bei all dem, was man nun darüber sagt."

© SZ vom 29.06.2021
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