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Gastronomie in der Coronakrise:Protest mit Plumeau

Mit Betten und gedeckten Tischen fordert Gabi Thyssen vom "Ammerseehotel" in Herrsching eine eine Perspektive für die Branche.

(Foto: Arlet Ulfers)

Wirte und Hoteliers im Landkreis beteiligen sich an der Aktion des Hotel- und Gaststättenverbands. Mit gedeckten Tischen und einem Bett auf dem Steg weisen sie auf die verzweifelte Lage der Branche hin, die immer noch im Lockdown ist.

Von Astrid Becker und Leonie Daumer

Friseure, Baumärkte, Kosmetiksalons und Blumenläden - sie alle dürfen seit Montag wieder aufmachen. Für Hotels und Gaststätten ist noch kein konkreter Termin in Sicht, auch wenn der bayerische Ministerpräsident Markus Söder mittlerweile von Öffnungsperspektiven spricht. Wirten und Hoteliers im Landkreis Starnberg sowie der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (GWT) geht das nicht weit genug: Sie haben sich am Montag deshalb an der bundesweiten Protestaktion des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) beteiligt.

Anton Aumiller und seine Mutter Claudia (Dehoga) vom "Jakl-Hof" in Wörthsee setzen sich für ein Umdenken ein.

(Foto: Arlet Ulfers)

Mit gedeckten Tischen und einem auf den Steg drapierten Bett wiesen sie auf die ihren Angaben nach verzweifelte Lage der Branche hin, die seit Ausbruch der Pandemie insgesamt ein halbes Jahr im Lockdown sei und unter enormen Einnahmeeinbußen zu leiden habe. Am Hotel "La Villa" in Niederpöcking stehen deshalb Direktorin Margarete Schultes, Claudia Aumiller, die Vorsitzende der Dehoga-Kreisstelle Starnberg, Barbara Lindinger vom Sepperlwirt in Seefeld und der Geschäftsführer der GWT, Christoph Winkelkötter, vor einem leeren, gedeckten Tisch. Zermürbt seien sie alle, vom Warten und davon, dass sie immer wieder enttäuscht würden.

Claudia Aumüller hat am Wochenende noch Plakate im Landkreis ausgefahren, um möglichst viele Gastronomen zum Mitmachen zu animieren. Sie sagt: "Wir schweben seit Monaten in der Luft. Dabei sehe ich überhaupt kein Problem darin, wenigstens die Außengastronomie und Hotels zu öffnen." Schließlich seien das bewiesenermaßen keine Pandemietreiber. Sie beruft sich auf entsprechende Veröffentlichungen durch das Robert-Koch-Institut, das der Branche dies bereits Ende Oktober 2020 bescheinigte, nur kurz also vor dem nächsten Lockdown, der für Wirte und Hoteliers bis jetzt andauert. Die Hygienekonzepte, die man schon im vergangenen Jahr erarbeitet habe, funktionierten, sagt Aumiller. Trotzdem mussten Schultes, Aumiller und Lindinger ihre Mitarbeiter vor mehr als drei Monaten in Kurzarbeit schicken - das Geld dafür vom Arbeitsamt komme schleppend, ebenso wie die Überbrückungshilfen, heißt es von der Dehoga-Kreisvorsitzenden. Ihre Reserven seien längst aufgebraucht und die Hilfen für November erst vergangene Woche angekommen.

Margarete Schultes vom "La Villa" in Niederpöcking (v.li.) mit Barbara Lindinger vom "Sepperlwirt" in Meiling und Christoph Winkelkötter (GWT) möchten ebenfalls ein Zeichen setzen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Um eine Kreditaufnahme seien alle drei nicht herumgekommen. Jetzt hoffen sie auf eine "klare Perspektive", so Margarete Schultes. "Wenn wir wissen, wann wir was machen dürfen, dann sind wir schon glücklich."Denn die Nachfrage nach Event-Buchungen für den Sommer sei groß. Man brauche deshalb einen "Fahrplan zur Orientierung". Schließlich hingen an den Buchungen nicht nur die Gastronomen, erklärt Margarete Schultes, sondern auch der Metzger, der Gemüsehändler und der Bauer, bei dem man einkaufe. Alle paar Wochen den Gastronomie-Betrieb hoch- und wieder runterzufahren, sei deshalb für jeden ein "echter Rückschlag, moralisch und finanziell". Doch das von der Politik bis Februar versprochene Gastronomiekonzept bleibe bisher aus.

Christoph Winkelkötter, der im Dialog mit Kreistag und Landesregierung ist, erklärt: "Es geht uns um Verlässlichkeit und Kommunikation, das hat auch was mit der Akzeptanz zu tun." Die Gastronomie und Hotellerie hätten sich in der Vergangenheit als vorbildlich bewiesen, die Sehnsucht der Menschen danach sei vor allem im Fünfseenland groß. "Wir sind ein Gemischtwarenladen", sagt er. "Die Menschen kommen für Tagungen, Urlaube und Messen, das ist Teil unserer Region." Claudia Aumiller fordert deshalb: "Wenn vergleichbare Branchen wie der Einzelhandel wieder öffnen dürfen, muss es auch im Gastgewerbe wieder losgehen." Denn man wolle, wie Margarete Schultes sagt, vor allem zeigen: Wir sind bereit.

Darum geht es auch Gabriele Thyssen, die in Herrsching das "Ammerseehotel" betreibt. Sie hat eine regelrechte Suite auf ihrem Hotelsteg aufgebaut, mit Bett und gedecktem Tisch. Sie zeigt zwar Verständnis für den "strengen Söder-Kurs" und rechnet damit, Gäste frühestens nach den Osterferien wieder bewirten zu können. Aber es wäre, so sagt sie auch, "bei uns für viele eine Erleichterung, wenn wir zumindest im Freien wieder aufsperren könnten."

© SZ vom 02.03.2021
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