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Pandemiebekämpfung im Landkreis Starnberg:Spritze, Kaffee und Gummibärchen

Herrsching, Impfen mit Seeblick

Trotz schlechter Witterung bis zum späten Nachmittag stehen die Menschen in Herrsching am Seeufer geduldig Schlange, bis sie ihre Impfung - Biontech oder Johnson & Johnson - bekommen.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Aktion "Impfen to go" in Gilching und in Herrsching ist ein Erfolg, mehr als 280 Menschen - darunter viele Jugendliche - lassen sich auch vom schlechten Wetter nicht abhalten. Landrat Stefan Frey kündigt weitere Impfaktionen ohne vorherige Terminvergabe im Landkreis an.

Von Astrid Becker

Die ersten Impfwilligen kommen bereits um neun Uhr morgens, zwei Stunden später, dem eigentlichen Start von "Impfen to go" an der Herrschinger Seepromenade, stehen etwa 70 Menschen Schlange, um sich die erste oder zweite Spritze verabreichen zu lassen. Es ist Sonntag, und das Wetter trüb. Immer wieder fällt Regen vom Himmel. Doch davon lässt sich niemand hier abschrecken: Geduldig warten die Menschen, bis sie an die Reihe kommen, darunter eine ganze Reihe Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18 Jahren. Von Helfern des Bayerischen Roten Kreuzes werden die Wartenden mit frischem Kaffee und Gummibärchen versorgt.

Auch Landrat Stefan Frey ist in Herrsching, um sich selbst ein Bild zu machen, wie die mobile Impfaktion ohne Terminvergabe funktioniert. "Angesichts des Wetters habe ich echt befürchtet, dass alles buchstäblich ins Wasser fällt", sagt er. Doch nun wirkt Frey entspannt und zufrieden: "Es freut mich, zu sehen, wie viele gekommen sind. Man merkt, dass es schon Sinn macht, das Impfen zu den Leuten zu bringen." Es soll noch mehr derartige Aktionen im Landkreis geben, kündigt er an - auch in der Kreisstadt: "Ich versuche, die Kreissparkasse dazu zu bringen, ihr Foyer zur Verfügung zu stellen, da ist man nicht so wetterabhängig."

Bereits am Samstag hatten sich 130 Menschen auf dem Gilchinger Marktplatz immunisieren lassen - bei noch trüberer Wetterlage. Weitere 30 verwies das BRK an die Impfzentren: "Wir wollten die Lage etwas entspannen", erzählt die Gautinger Impfzentrumsleiterin, Nicole Scheibenpflug. Der Andrang junger Menschen, für die das "Impfen to go" vor allem gedacht war, hielt sich dort jedoch in Grenzen: "Es waren vielleicht 15", sagt sie. "Das Ambiente mit Seeblick zieht einfach mehr." Scheibenpflug hat viel zu tun diesen Sonntag, sie arbeitet an der Registrierung der Impfwilligen. Als nächstes kommt ein einwöchiger Sondereinsatz im Kriseninterventionsteam in Rheinland-Pfalz: Montag wird sie zusammen mit zwei weiteren Helfern aus dem Landkreis nach Ahrweiler in Rheinland-Pfalz aufbrechen, wo das Unwetter unvorstellbare Verwüstungen angerichtet hat.

Mit dem Verlauf am Sonntag in Herrsching zeigt sich Scheibenpflug sehr zufrieden: Bis 16 Uhr wurden rund 150 Menschen immunisiert, darunter etwa 50 bis 60 Kinder und Jugendliche, aber auch ältere Menschen: "Einer war sogar über 70. Ihn hatten lange Zweifel geplagt, ob er sich impfen lassen soll", erzählt ein Helfer. Ein Ehepaar aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck war bislang nicht zum Zug gekommen: "Wir sind Gruppe vier gewesen, das fand bei unserem Hausarzt bisher keine Berücksichtigung", berichten sie. Dann hätten sie von der Aktion am Ammersee erfahren: "Wir sind ganz spontan hergefahren." Landrat Frey findet es gut, dass auch Ortsfremde gekommen sind: "Es ist einfach so: jede Impfung zählt." Das zeigen auch die Inzidenzen vom Wochenende: Am Samstag war der Wert auf über 25 gestiegen, am Sonntag lag er knapp darunter.

© SZ vom 19.07.2021
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