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130 Jahre alte Bäume:Die Lindenallee in Seeshaupt ist gerettet - vorerst

Seeshaupt, Lindenallee

An diesem Montag haben Daniel Esche und Erk Brudi die Linden noch einmal unter die Lupe genommen. Eine akute Verkehrsgefährdung ginge nicht von den Bäumen aus, sie raten zu pflegerischen Eingriffen in den Kronen.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Naturschutzbehörde hält die Fällung aller Bäume bei Seeseiten für "nicht vertretbar".

Die Lindenallee von Seeseiten zum Schloss Seeseiten bekommt zumindest noch eine Gnadenfrist. Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Weilheim stellt in einer Empfehlung fest, dass die bis zu 130 Jahre alten Bäume keineswegs alle gefällt werden müssen, sondern erst einmal von Totholz befreit und bei Ausfällen eventuell durch Neupflanzungen ersetzt werden könnten.

Ein erstes Gutachten hatte bekanntlich die sofortige Fällung aller 26 Linden angeraten, Bürgermeister Michael Bernwieser (PfB) hatte in der Gemeinderatssitzung Anfang Februar angekündigt, dass die Bäume noch vor der Schonfrist am 1. März fallen sollten.

Der Ortsgestaltungs- und Verschönerungsverein sowie der Bund Naturschutz wollten das so nicht akzeptieren, sie gaben ein zweites Gutachten in Auftrag. Dieses wies auch auf die Höhlen und Spalten in den alten Bäumen hin, die als Biotope für Vögel, Insekten und Fledermäuse wertvoll sind. Auf Drängen Bernwiesers wurde die erste oberflächliche Prüfung vom Boden aus noch einmal durch eine intensivere Untersuchung der Kronen ergänzt.

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Nun aber halte es auch die Untere Naturschutzbehörde für "nicht gerechtfertigt und vertretbar, die gesamte Allee zu fällen", zitierte Bernwieser in der jüngsten Gemeinderatssitzung aus der achtseitigen Stellungnahme von Matthias Hett, Abteilungsleiter für Naturschutz am Landratsamt. Die Behörde rät, die artenschutzrechtliche Bedeutung der Bäume den Sommer über noch einmal einzeln zu untersuchen, wenn sie Tieren als Biotope dienen. Bei entsprechender Wetterlage müsse die Allee gegebenenfalls vorsichtshalber gesperrt werden, heißt es in der Stellungnahme. Drei Linden könnten sofort gefällt werden, drei weitere sind bereits rechtens entfernt worden.

Im Gemeinderat übte Vizebürgermeister Max Amon (CSU) Selbstkritik: "Es hätte von uns ein Aufschrei kommen" und eine zweite Meinung eingeholt werden müssen. Bernwieser und die gleichfalls betroffene Finck'sche Schlossverwaltung fürchten vor allem eine strafrechtliche Haftung bei Unfällen. Die Linden seien ihm zwar auch "lieb und teuer", sagt der Bürgermeister, aber am Ende habe er den schwarzen Peter. Jetzt warte er erst einmal auf den offiziellen Bescheid, der am Donnerstag vom Landratsamt verschickt wurde.

Dessen ungeachtet hat die Gemeinde bereits vor Tagen an die Landrätin Andrea Jochner-Weiß geschrieben und rechtliche Schritte angekündigt, falls dem Fällantrag nicht stattgegeben werde. Für Bernwieser ist das Datum 1. März nicht entscheidend: Bei Gefahr in Verzug sei eine Fällung jederzeit möglich - falls der Naturschutz zustimmt.

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