LeserbriefeSelbstkritik statt Windkraft-Lamento

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Zu „Windrad-Planung gestoppt“ vom 21. September und zum Interview mit dem Starnberger Landrat Stefan Frey vom 2./3. Oktober:

Angesichts der lauten Klagelieder über das Scheitern der Windkraftplanungen in Gautings Wäldern geht das Positive an dieser Entwicklung völlig unter: Die Aufgabe dieser Planungen ist eine gute Nachricht für den Schutz und den Erhalt unserer Wälder und des Grüngürtels im Süden von München.

Statt mit den Fingern auf andere zu zeigen, sollten sich die Verantwortlichen, auch der Landkreis Starnberg, selbstkritisch fragen, warum die luftfahrtrechtlichen Fragen nicht vor dem Start des Projekts geklärt worden sind. Wie viel Geld des Steuerzahlers sowie Mühe, Aufwand und Nerven in der Bürgerschaft hätten dadurch vermieden werden können. Außerdem zeigt sich, dass dem gebetsmühlenartig vorgetragenen Ziel, der Landkreis Starnberg und die Gemeinden müssten auf Teufel komm’ raus bis 2035 auf ihrem eigenen Gebiet den Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien beziehen, eine völlig unrealistische Vorstellung von lokaler Autarkie zugrunde liegt.

Überträgt man dieses Modell auf eine Millionenstadt wie München, zeigt sich, wie unsinnig das ist, da wohl niemand ernsthaft behaupten würde, München könnte die Stromversorgung für seine Bürger auf eigener Flur sicherstellen und zu diesem Zweck etwa im Englischen Garten Windräder aufzustellen. Die Stadtwerke München haben dies schon lange erkannt und beteiligen sich an Offshore-Windparks und anderen Erneuerbaren-Energien-Anlagen außerhalb des Stadtgebiets, um den Vorgaben der Energiewende gerecht zu werden.

Die Kommunen im Landkreis Starnberg sollten sich daran ein Beispiel nehmen und sich auf die machbaren Möglichkeiten wie Photovoltaikparks, Biomassekraftwerke und Geothermie konzentrieren. Statt hier zu lamentieren und Verantwortung hin- und herzuschieben, sollten die Verantwortlichen die aktuelle Situation als Chance begreifen, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürger zukunftsfähige Projekte und Ausbauziele für erneuerbare Energien zu erarbeiten. Im Übrigen wird aufgrund des europäischen Stromverbunds und des immer enger geknüpften deutschen Stromnetzes auch in Zukunft kein Betrieb im Landkreis ohne ausreichende Stromversorgung bleiben.

Martin Zeil, Staatsminister a.D., Gauting

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