Leserbriefe„Grünen-Bashing ist halt schick“

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Zu „Ein bitterer Tag für Oberpfaffenhofen“ vom 18. Oktober und dem dazugehörigen Leserbrief „Kurzsichtige grüne Blockierer“ von Erwin Haydn vom 9. November:

Auch ich finde die politische Entscheidung schlecht, die Firma Lilium nicht mit Fördermitteln (weiterhin) zu unterstützen. Ich meine aber, bei der Kritik daran sollten die Fakten mit der Wahrheit übereinstimmen. 

1. Herrn Habeck augenzwinkernd eine Mitschuld zu geben, weil er Norddeutscher ist und die Firma Lilium in Bayern sitzt, hat Verschwörungsniveau. Mehrfach konnte man in der SZ lesen, dass sich Habeck für eine weitere Förderung eingesetzt hat; er war eben nicht dagegen, wie Herr Haydn ihm unterstellt. Allerdings liegt die Entscheidung gar nicht in seinen Händen, auch schon deshalb ist es Unsinn, ihn hier hineinzuziehen. 

2. Die Entscheidung über Fördermittel fällt im Haushaltsausschuss. Dieser hat 46 Mitglieder, ihm gehören alle Parteien gemäß ihrer Fraktionsstärke an, auch AfD, BSW, die Linke. Selbst wenn die Grünen also gegen eine weitere Förderung gestimmt haben, wäre dies nicht ausschlaggebend. Es müssen zahlreiche andere Parteienvertreter ebenfalls die Zustimmung verweigert haben. Aber Grünen-Bashing ist zurzeit schick, Markus Söder macht es täglich vor. Wenn sich mehr als zwei Dutzend Personen gegen etwas aussprechen wie hier, werden garantiert nur die Grünen unter ihnen beschimpft.

 3. Gar nicht erwähnt Herr Haydn eine weitere entscheidende Ablehnungstatsache. Der Freistaat Bayern hat seine Zustimmung an die des Bundes geknüpft. Dies ist besonders geschickt, denn damit kann man im Falle der Ablehnung mit dem Finger auf andere zeigen, obwohl man ja (angeblich) so sehr dafür ist. Wenn Bayern von den Lilium-Flugtaxis überzeugt ist, warum übernimmt es dann nicht die vom Bund fehlenden 50 Millionen Euro? Dies ist doch ein lächerlicher Betrag angesichts der Wirtschaftsstärke Bayerns. Offensichtlich ist man wohl doch nicht so überzeugt?

4. Schließlich noch eine Antwort auf Herrn Haydns Frage, ob die Meyer-Werft ein erfolgreich geführtes Unternehmen (gewesen) ist. Ja, offensichtlich, denn es ist einer der Weltmarktführer in seiner Branche.

Bernd Lüders, Gauting

„Ich bin schockiert ob dieser Ignoranz“

Zu „Das ist die Architektur, die wir wollen“ vom 6. November:

Auf den ersten Blick schmeichelt der Hotelentwurf am Pöckinger Seeufer scheinbar allen Entscheidern. So aufgelockert und hinter den historisierenden Pfahlneubauten am Ufer „verdeckt“, dass 100 Zimmer sich in nichts aufzulösen scheinen. Selbst ein Verkehrsgutachter ist dank einer 120 Auto fassende Tiefgarage begeistert. Keinen Einfluss wird dieser dimensions- und beispiellose Neubau auf das Badechaos haben? Damit der zusätzliche Verkehr in den Griff zu bekommen ist, braucht man dann aber ein Pöckinger Parkleitsystem.

Der Neubau in lieblicher Holzoptik, so nachhaltig und mit Natursteinsockel so wertbeständig, lässt einen schnell mal übersehen, dass auf dem Grund schon ein 100-jähriges Gebäude steht, statt 100 Zimmer nur mit 20 Zimmern, aber mit einer Bausubstanz und darin verbautem CO₂, das auch mit einer noch so nachwachsenden Architektur bei Weitem nicht mehr ausgeglichen werden kann.

Was ist an einem 20-Zimmer-Hotel nicht rentabel zu führen? Seit Jahren steht es leer, wie eine ganze Reihe von Ortsbild prägenden Gebäuden in Pöcking. Aber, ach ja, der Gemeinderat will ja in der Champions-League mitspielen. Lage, Lage, Lage ist nicht nur beim Investor, sondern auch bei den Gemeindevertretern offensichtlich die herrschende Triebfeder. Ob es da noch auf die fast Verdoppelung der Eingriffsfläche auf 5400 Quadratmeter ankommt, ist beim offensichtlich nicht mehr vorhandenen Naturverständnis auch schon egal. Ich bin schockiert ob dieser Ignoranz!

Robert Philipp, Pöcking

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