Zu "Seniorentreff sucht Sponsoren" vom 15. März:
Der Seniorentreff Starnberg steuert auf eine existenzielle Krise zu, weil die Stadt Starnberg und die Diözese Augsburg ihre finanzielle Unterstützung zurückfahren. Nach 35 Jahren, in denen der Seniorentreff Starnberg mit viel Engagement und Herzblut (insbesondere durch den scheidenden Leiter Helmut Kilian) zum - laut Aussage des Starnberger Caritas-Vorsitzenden Jan-Peter Schacht - einzigartigen "Leuchtturmprojekt in Bayern" gemacht wurde, droht das Aus.
Was soll geschehen zur Lösung des Problems?
Als erfolgversprechendstes Modell wurde bei der Veranstaltung am 13. März zur aktuellen Lage des Seniorentreffs die "Option 1" vorgestellt - eine Umstrukturierung: Der Seniorentreff begibt sich weitgehend unter das Dach der Caritas. Diese soll beispielsweise in die Räume des Seniorentreffs einziehen - wegen der Synergieeffekte unter anderem beim Personal.
Das Wort "Synergieeffekte" lässt bei mir alle Alarmglocken läuten. In der Regel bedeutet es, dass Abstriche zu erwarten sind - meist beim schwächeren Partner. Es steht zu befürchten, dass mit der Zeit leider, leider beim Seniorentreff weiter der Rotstift angesetzt werden muss, zum Beispiel zugunsten anderer Betätigungsfelder der Caritas.
Des Weiteren begab sich Jan-Peter Schacht auf Spendensammlung. Dass er als Vertreter der Caritas beim Spendensammeln nicht sehr erfolgreich war, wundert nicht. Man denke nur an das schlechte Ansehen der katholischen Kirche wegen ihres Umgangs mit den Missbrauchsfällen. Zigtausende Kirchenaustritte lassen keine erhöhte Spendenbereitschaft an einen kirchlichen Verein erwarten. Wenn das Überleben des Seniorentreffs aber von Spenden abhängt, sollte somit die Trägerschaft der Caritas prinzipiell überdacht werden. Die Finanzierung muss ohnehin auf eine breitere Basis gestellt werden.
Zunächst stellt sich die Frage, welcher Stellenwert dem Seniorentreff Starnberg in Stadt und Landkreis eingeräumt wird. In den nächsten Jahren wird wegen des demografischen Wandels (Babyboomer gehen in den Ruhestand) der Bedarf an Angeboten für ältere Menschen immens steigen. Soziale Kontakte sind das einzig wirksame Mittel gegen Einsamkeit. An der Notwendigkeit einer solchen Einrichtung kann also kein Zweifel bestehen. Deshalb darf Starnberg sich glücklich schätzen, dass es bereits den gut funktionierenden Seniorentreff gibt.
Bei 40 Prozent Teilnehmern aus dem Landkreis Starnberg erscheint eine Beteiligung des Landkreises und seiner Gemeinden zwingend. Stadt und Landkreis Starnberg zusammen sollten sich federführend hinter den Seniorentreff Starnberg stellen - der Name ist Programm! Landrat, Bürgermeister sämtlicher Gemeinden, Stadträte, Kreisräte und Landtagsabgeordnete des Landkreises gemeinsam sollten es unter Nutzung ihrer Netzwerke schaffen, eine gesunde finanzielle Grundlage für diese immer wichtiger werdende Einrichtung - einmalig in Bayern - zu finden. Unternehmer, Mäzene, sonstige Millionäre - alle dürfen durch Spenden mithelfen, bis die Zeiten wieder einfacher werden. Die älteren Menschen werden es ihnen danken.
Roland Balling, Andechs
Die Stadt braucht ein Controlling
Zur laufenden Berichterstattung über die Haushaltsberatungen in Starnberg:
Die in der jetzigen Form vorliegende Streichliste der Stadt Starnberg für die künftigen Haushalte ist von einer Ausgewogenheit ungefähr so weit entfernt wie der TSV 1860 München vom Gewinn der Champions League.
Dazu im Einzelnen.
1. Die Erhöhung der Hundesteuer um 20 Euro ist ein Witz. Mindestens das Doppelte wäre angemessen angesichts der Verschmutzungen. Ich hege zudem den Verdacht, dass es eine Menge von Bürgern gibt, die ihre Hunde überhaupt nicht anmelden. Damit wäre der Tatbestand von Steuerhinterziehung erfüllt.
2. Die soziale Komponente bei den Gebühren von Musikschule, Kindergärten und Kitas fehlt völlig. Geringverdiener müssen entlastet und Gutverdiener müssen belastet werden.
3. Die Stadt Starnberg und der See sind ein beliebtes Fremdenverkehrsziel, auch, wenn das viele vielleicht nicht wahrhaben wollen. Bereits über 50 Kommunen haben in Deutschland eine "Bettensteuer" eingeführt - und es werden immer mehr. Deshalb sollte diese auch für Starnberg in Erwägung gezogen werden.
4. Bei der Stadt fehlt ein operatives Controlling mit Einschränkungen völlig. Gerade in einer Kommune wie Starnberg ergeben sich die vielfältigsten Einsatzformen, um Fehlentwicklungen gegebenenfalls aufzudecken und zu verhindern.
Jochen Ebner, Starnberg
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