Landtagswahl Starnberger Landrat Roth gibt Seehofer die Schuld

Richtig Freude mag nicht aufkommen bei der CSU: (v. li.) Harald Schwab, Ute Eiling-Hütig, Albert Luppart (Freie Wähler), Ursula Männle und Karl Roth.

(Foto: Georgine Treybal)

Die CSU verliert zwölf Punkte auf 31,8 Prozent. Ute Eiling-Hütig verteidigt aber ihr Direktmandat knapp.

Von Astrid Becker

Der Sonntag war für Landrat Karl Roth (CSU) zunächst ein richtig schöner Tag. Mit seinen Enkeltöchtern, sechs und zweieinhalb Jahre alt, habe er einen Kürbis für Halloween geschnitzt, erzählt er. Gewählt hatte er schon zuvor, mit Briefwahl. "Den Tag mit meiner Familie zu verbringen, war mir wichtiger." Als er um 18.15 Uhr im Großen Sitzungssaal des Landratsamts zur allgemeinen Wahlparty eintrifft, überziehen aber bereits Sorgenfalten seine Stirn. Die ersten Prognosen, die seiner Partei Verluste von mehr als zwölf Prozentpunkten bescheinigen, geben einem CSUler wohl auch kaum Grund zur Freude. Diese soll sich auch im weiteren Verlauf des Abends nicht einstellen.

Die CSU schneidet in fast allen Gemeinden mit kaum mehr als 30 Prozent der Stimmen weitaus schlechter ab als bei der Landtagswahl 2013, in der sie ein Gesamtergebnis von 43,9 Prozent im Landkreis erreichte. Die CSU-Direktkandidatin Ute Eiling-Hütig wird zwar ein Mandat erringen, dennoch erreicht auch sie in keiner einzigen Gemeinde mehr ihr Ergebnis von 2013 in Höhe von insgesamt 40,8 Prozent. Über sich selbst und warum sie mit ihren Themen diesmal offenbar beim Wähler nicht so gepunktet hat, spricht sie nicht. Wohl aber über das schlechte Abschneiden ihrer Partei, das sie als mangelhafte Kommunikation wertet: "Wir sind mit den Themen, die wir besetzen, nicht so rausgekommen." Was das für die Partei in Zukunft bedeutet, welche Koalitionspartner in Frage für sie persönlich Frage kämen, darüber will sie nicht reden: "Dazu sage ich nichts." Sie deutet aber bereits an, dass sie mit dem guten Ergebnis der Grünen "nicht so glücklich" ist.

Landrat Karl Roth findet deutlichere Worte, nicht in der Frage, welche Koalitionspartner er sich wünschen würde, wohl aber wenn es um das Gesamtergebnis seiner Partei geht. Die Hauptverantwortung für das Debakel sieht er in "Berlin", wie er sagt: "Das konnten wir an der Basis nicht mehr wettmachen." Die Entscheidung, den umstrittenen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen zum Staatssekretär zu befördern, "konnte doch kein Mensch verstehen". Warum CSU-Bundesinnenminister Horst Seehofer Kanzlerin Angela Merkel "dauernd in den Rücken" falle, habe niemand in der Partei gefallen. Erschüttert wirkt er, wenn es um das Gesamtergebnis der AfD geht: "Ich hoffe, dass wir wenigstens im Landkreis unter dem Bayernergebnis liegen."

Der Wunsch wird ihm erfüllt: Die AfD erreicht im Landkreis in keiner Gemeinde den zweistelligen Bereich. In Andechs zum Beispiel, der Gemeinde, aus der neben Roth auch Vizelandrat Georg Scheitz kommt: "Ich bin jetzt mal auf die Gesichter gespannt, die sich dahinter verbergen. Die haben sich ja bisher nie gezeigt." Er hatte selbst für den Landtag kandidiert, war aber nur auf Listenplatz 41 gelandet. Chancen, ein Mandat zu ergattern, sieht er nicht, aber "das war mal eine interessante Erfahrung". Dennoch sieht er das Ergebnis als positiver an als erwartet: "Heute morgen habe ich noch eine Whatsapp mit 32 Prozent bekommen." Kreisrat Harald Schwab, der für die CSU wieder in den Bezirkstag will, äußert sich ähnlich: "Ist doch besser als gedacht."