Landtagswahl im Landkreis Starnberg SPD bläst Trübsal, Freie Wähler jubeln

Die Sozialdemokraten landen mit acht Prozent fast schon in der Bedeutungslosigkeit. Die FDP holt mehr als neun Prozent, erlebt aber auf Landesebene eine Hängepartie.

Nur die Liberalen halten im Stimmkreis Starnberg einigermaßen ihre Position, die SPD schneidet noch deutlich schlechter ab als landesweit. Und die Freien Wähler freuen sich schon mal aufs Mitregieren. Ein Stimmungsbild abseits des Wahlsiegers Grüne und der CSU.

SPD

Christiane Kern spielt mit dem Anhänger ihrer Kette. Der Glücksbringer, ein Herz von Tiffanys, hat es für die Direktkandidatin der SPD nicht richten können. Knapp acht Prozent (Stand 22.45 Uhr) - "es ist erschreckend." Die 44 Jahre alte Polizeihauptkommissarin aus München hatte sich vorgenommen, ein ähnliches Ergebnis wie Tim Weidner vor fünf Jahren im Starnberger Stimmkreis zu holen, der 16,1 Prozent der Erststimmen erhielt - und schaffte nicht einmal die Hälfte. "Es tut mir leid", entschuldigt sie sich. Sie erklärt die persönliche Schlappe als Fortsetzung des landesweiten SPD-Debakels - und doch trifft es sie auch persönlich. "Ich habe von Anfang an alles gegeben, man investiert da viel Zeit." Und dann nur 6,2 Prozent der Erststimmen aus Andechs, 7,7 Prozent in Wörthsee, immerhin 12,5 Prozent in Iffeldorf. "So schlecht hätte ich das nicht erwartet." Die Menschen hätten sie überall positiv aufgenommen, die Genossen seien unglaublich aufgeschlossen gewesen. Woran es gelegen hat? Christiane Kern zuckt mit den Schultern. Am Mittwoch will sich der Kreisvorstand zur Analyse treffen. Die Kreisvorsitzende Julia Ney ist am Wahlabend familiär verhindert, Vorstandsmitglied Andreas Schöpf spricht von einer "Katastrophe, da müssen wir nicht drumrumreden". Doch er betont: "Die Kandidatin war gut." Auch Marion Koppelmann aus dem Kreisvorstand findet eine positive Perspektive: "Wir sind Sozialdemokraten mit grünem Herzen. Insofern können wir uns mitfreuen." Sie sieht jetzt die Bayern-SPD in der Pflicht: "Das schlechte Ergebnis auf die Bundespolitik zu schieben, wäre zu wenig." Christiane Kern leert ihr Weinglas. Die Wahlparty der SPD in München, zu der man sie eingeladen hat, wird sie wohl sausen lassen. "Morgen gehe ich ganz normal wieder in die Arbeit." Ihre Sekretärin hat angekündigt, ihr einen Kuchen mitzubringen, ganz gleich wie die Ergebnisse ausfallen. "Ich nehm ihn zum Trösten."

FDP

Ziemlich erkältet sitzt FDP-Kandidatin Britta Hundesrügge mit ihrem Mann Thomas im Starnberger Landratsamt, um die Auszählung der Stimmen zu verfolgen. "Ich bleibe bis zum Schluss, bis das Ergebnis feststeht. Jetzt will ich schon wissen, wie ich abgeschnitten habe", hat sie sich vorgenommen. Darum harrt sie aus, ehe sie zur Wahlparty im "Schloss" in München weiterzieht.

Traurige Gesichter bei der SPD: Die Kandidatin Christiane Kern (Mitte) muss mit ihren Parteifreunden ein Debakel mitansehen.

(Foto: Georgine Treybal)

Es ist eine Zitterpartie, die noch bis Dienstag dauern kann, für die 51-jährige Journalistin und ihren Parteifreund Martin Zeil, der ebenfalls aus Gauting kommt, aber im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau kandidiert. Beide haben die Chance, in den Landtag einzuziehen, aber noch lange nicht die Gewissheit. Das Ergebnis der Liberalen liegt lange bei fünf Prozent, sodass auch spät am Sonntagabend nicht sicher ist, ob es reicht. Aber Hundesrügge ist schon nach der ersten Hochrechnung nach Schließung der Wahllokale zuversichtlich. "Die Briefwähler werden uns reinhieven. Da waren wir schon immer besonders stark". Selbst wenn es für die FDP reicht, ist noch offen, ob es auch für Hundesrügge und Zeil reicht. Da hängt viel davon ab, wem die Wähler ihre Zweitstimme gegeben haben. "Ich bin auch schon mal mit 4,9 Prozent ins Bett gegangen und mit 5,2 aufgewacht. Das war 1990. Es gibt alles", erzählt der ehemalige Wirtschaftsminister Zeil, der mit Parteifreunden in einem Lokal in Weilheim feierte. Auch Zeil hätte sich für seine Partei ein besseres Ergebnis erhofft. "Das hätte ich nicht gedacht, dass es noch so knapp wird", sagte er am Sonntagabend. Er vermutet die gescheiterten Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl als einen der Gründe für das Abschneiden. Bis Dienstagmittag, so glaubt er, hat er Gewissheit, ob er wieder Landtagsabgeordneter wird oder nicht. "Es ist noch alles drin".

Die Freien Wähler haben allen Grund zum Jubeln. Sie dürfen sich darauf einstellen, künftig mitzuregieren.

(Foto: Georgine Treybal)

Wenn es klappt mit einem Mandat im Maximilianeum, will Britta Hundesrügge ihre Sitze im Gautinger Gemeinderat und im Starnberger Kreistag behalten. "Diese Bodenständigkeit ist wichtig", findet sie. So habe sie zum Beispiel die Probleme mit den Zuschussrichtlinien im Kindergartengesetz schon als Kommunalpolitikerin kennengelernt. Ihr Parteifreund Wolfgang Weber-Guskar aus Tutzing sitzt bei ihr mit am Tisch, er ist ebenfalls zuversichtlich, dass seine Partei die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Weber-Guskar ist auch Bezirkstagskandidat, er hofft, dass die Auszählung der Briefwähler-Stimmen die Liberalen wieder in den Landtag bringt. Was ihn ärgert: das zweistellige Ergebnis der AfD: Es sei "unglaublich", dass diese nur emotional agierende Partei so viele Stimmen erhalte, sagt er.

Freie Wähler

Albert Luppart, Kandidat der Freien Wähler für den Bezirkstag, wirkt schon recht früh aufgekratzt und vor allem zufrieden. "Das ist ein tolles Ergebnis und eine Bestätigung der Landespolitik unserer Gruppierung", sagt der Pöckinger am frühen Wahlabend und nippt an seinem Glas Wein. Als Beispiel für den Einsatz der FW nennt er das G 9, die Abschaffung der Studiengebühren und das Thema Straßenausbausatzung. Er gönne zwar den Grünen den Erfolg, doch eine stabile Regierung gebe es nur in einer Koalition der Freien Wähler mit der CSU, findet Luppart. "Denn wir sind inhaltlich am dichtesten an dieser Partei dran."

Bayernpartei

Am Tisch vor der Leinwand sitzt Rupert Pfänder, Direktkandidat der Bayernpartei aus Machtlfing, er scheint guter Dinge zu sein. Er weiß, dass er keine Chance hat, hofft jedoch, auf drei Prozent zu kommen und so stark wie die Linken zu werden - zumindest im Stimmkreis Starnberg. Christian Pfänder aus Erling, das zur Gemeinde Andechs gehört und den einzigen Ortsverband im Landkreis der Bayernpartei stellt, wirkt ein wenig enttäuscht: Mehr als drei Prozent habe er für seine Partei schon erwartet, sagt er.

Linke

Einen Tisch weiter sitzt Bernhard Feilzer, der Direktkandidat der Linken. Der Gilchinger hat vergebens gehofft, dass es diesmal seine Partei in Bayern endlich schafft, ins Maximilianeum einzuziehen. Auch als schon abzusehen ist, dass es wieder nicht reicht, bei Werten weit unter fünf Prozent, gibt er die Hoffnung nicht auf. Das werde schon noch, wenn die große Städte ausgezählt sind. Doch es reicht am Ende nicht. Es hätten sich offenbar auch bisherige SPD-Wähler für die Grünen entschieden, glaubt Feilzer. Immerhin kann er sich trösten, dass das Ergebnis diesmal besser ausgefallen ist als bei der vorherigen Landtagswahl. Seine Partei kommt nach Auszählung aller Stimmbezirken diesmal auf 2,4 Prozent der Gesamtstimmen.

AfD

Das Ergebnis der AfD liegt im Stimmkreis weit unter den landesweiten Zahlen. Zuletzt sind es 6,6 Prozent, in Bayern sind es mehr als zehn Prozent. Für eine Stellungnahme ist weder der Direktkandidat Klaus Radtke aus Starnberg noch der Kreisvorsitzende Martin Hebner aus Dießen zu erreichen.