Landtagswahl im Landkreis Starnberg Hinter den Kulissen 

Abstimmungsleiter Holger Albertzarth hat den kompletten Ablauf bereits mit erfundenen Ergebnissen für alle Gemeinden durchgespielt. 108 000 Bürger dürfen jeweils vier Kreuzchen machen

Von Michael Berzl, Starnberg

Im Test ist die Landtagswahl schon gelaufen. Aus den Rathäusern im Fünfseenland hat Holger Albertzarth, der als Wahlleiter im Starnberger Landratsamt für die Koordination zuständig ist, Ergebnisse geliefert bekommen. Die letzten Daten sind am Dienstag eingelaufen. Es sind erst einmal nur frei erfundene Fantasiezahlen, aber damit kann er ausprobieren, ob die Übermittlung der Daten funktioniert, ob die Zahl der Wahllokale in den einzelnen Kommunen mit der auf seinem Rechner übereinstimmt, ob die Weiterleitung an den Wahlkreisleiter bei der Bezirksregierung klappt. Bis jetzt gab es beim Probelauf keine Panne. "Technisch hat alles funktioniert", sagt Albertzarth der nach der Bundestagswahl nun für die zweite Abstimmung federführend zuständig ist. Am Sonntag wird es ernst.

Im Stimmkreis 129, zu dem außer dem gesamten Landkreis Starnberg auch die Gemeinden Bernried und Seeshaupt im Landkreis Weilheim gehören, sind insgesamt etwa 108 000 Wähler aufgerufen, über die Zusammensetzung des künftigen Landtags und des Bezirkstags zu entscheiden. Insgesamt 178 Wahllokale wurden von den Gemeinden gemeldet. Das sind vor allem organisatorische Einheiten, die nur so groß sein sollen, dass die eingeteilten Helfer das Auszählen bewältigen können. Von 8 bis 18 Uhr sind die Wahllokale geöffnet; danach beginnt für sie eine mühsame Kleinarbeit.

Die Stimmzettel für Landtag und Bezirk sind diesmal besonders groß, die Auswahl unter Listen und Kandidaten umfangreich. Bei der vorherigen Landtagswahl im Jahr 2013 waren es noch zwölf Listen, jetzt sind es 17. Insgesamt vier Kreuze können die Wähler machen: Mit der Erststimme entscheiden sie sich für je einen Direktkandidaten für den Bezirkstag und den Landtag, mit der Zweitstimme für eine Partei oder Gruppierung. Auf den großen Zetteln dürfen sie ihr Kreuz auch neben dem Namen der Partei oder Gruppierung machen, obwohl dort kein Kreis dafür vorgesehen ist. Es können stattdessen aber auch einzelne Namen von Bewerbern angekreuzt werden, womit diese Kandidaten eine bessere Chance auf ein Mandat haben.

Entsprechend mühsam ist das Auszählen. Das Landratsamt rechnet bis 21.30 Uhr mit einem vorläufigen Ergebnis für die Landtagswahl. Wie sich der Bezirkstag zusammensetzt, stellt sich erst Anfang der kommenden Woche heraus. In jedem Wahllokal gibt es einen Wahlvorstand mit Stellvertreter, einen Schriftführer mit Stellvertreter und Beisitzer. Außerdem werden sogenannte Prüfteams gebildet, die sich nach der Abstimmung die Niederschriften und zweifelhafte Stimmzettel noch einmal genau anschauen müssen. Was sie dabei zu beachten haben, lernen sie an diesem Donnerstag bei einer Schulung im Landratsamt. Am 18. Oktober tagt dann der Stimmkreisausschuss, der das amtliche Endergebnis feststellt.

Für Notfälle lagern dort zwei Paletten mit Reserve-Wahlzetteln. Insgesamt 115 000 Stück hat Albertzarth angefordert. Das würde sogar ausreichen, um eine der kleineren Gemeinden komplett neu zu beliefern. Beim Druck hat es diesmal keine Panne gegeben. Alle 619 Namen waren richtig geschrieben. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Herbst mussten die Zettel wegen eines falschen Namens neu gedruckt werden.