Landtagswahl im Landkreis Starnberg Die Ja-Sagerin

Vor 25 Jahren, am Tag ihrer Hochzeit, verspricht Britta Hundesrügge einem Freund, für die FDP politisch aktiv zu werden. Seither geht es für die Rundfunkjournalistin aus Gauting steil bergauf. Jetzt will sie in den Landtag.

Von Otto Fritscher, Gauting

Wenn Britta Hundesrügge in diesen Tagen in ein Geschäft geht, dann meist nicht, um dort einzukaufen. Im Gegenteil, sie will - wenn man dies so sagen darf - etwas verkaufen: ihre politische Botschaft. "Grüß Gott, ich bin die Landtagskandidatin der FDP hier im Stimmkreis Starnberg", stellt sie sich vor - und oft geht anfängliches Staunen über den Spontanbesuch in eine lebhafte Diskussion über. Starnberg, Herrsching, Seefeld - dort hat sie die Geschäftswelt auf ihrer Wahlkampftour schon abgeklappert, andere Orte kommen in den 14 Tagen bis zum Wahltag am 14. Oktober noch dran.

Hundesrügge hat Platz sechs auf der oberbayerischen FDP-Liste ergattert - und rechnet sich gute Chancen aus, in den Landtag einzuziehen, "wenn die FDP rund sechs Prozent schafft". Die 51-jährige Gautingerin hat gegenüber Kandidaten aus anderen bayerischen Stimmkreisen den Vorteil, dass der Landkreis Starnberg seit jeher eine Hochburg der Liberalen ist. Und da Erst- und Zweitstimme addiert werden, kann sie von einer guten Zweit-Stimmenbasis ausgehen.

"Ich will dann auf jeden Fall in den Landtagsausschuss für Bildung", kündigt Hundesrügge an. Und es ist auch klar, dass sie die FDP in einer Koalition mit der CSU in Regierungsverantwortung bringen möchte. Ob da ein Posten auf der Regierungsbank für sie denkbar wäre? Sie sagt dazu nichts, hält es selbst aber wohl für gut möglich. Klare Kante zeigt Hundesrügge auf die Frage, ob sie es besser mit Merkel oder Seehofer könnte. Sie schüttelt den Kopf und sagt: "Mit keinem von beiden." Die Menschen seien auf einen Neuanfang aus, das spüre sie immer wieder, wenn sie an der S-Bahn morgens um sechs Flyer verteilt - "das fällt mir um diese Zeit besonders schwer" - oder wenn sie an Infoständen mit den Menschen ins Gespräch kommt.

Zu den Lieblingsplätzen von Britta Hundesrügge gehören die Seen in der Region. Hier findet die FDP-Politikerin die nötige Kraft. "Wasser inspiriert und belebt mich", sagt sie.

(Foto: Nila Thiel)

Reden, etwas zuspitzen, aber auch etwas auf den Punkt zu bringen, das ist eine der Stärken von Britta Hundesrügge. Sicherlich kommt ihr dabei auch die Arbeit als Fernseh- und Rundfunkjournalistin - live auf Sendung und in der Redaktionsstube - zugute. Bei Antenne Bayern ist sie fast täglich zu hören, angestellt ist sie beim Evangelischen Presseverband in Bayern. Auch auf München-TV ist die Gautingerin ab und an zu sehen. Ihre Hauptthemen: Kirche und Bildung.

Hundesrügge, eine gebürtige Göttingerin, ist in einem liberalen Elternhaus aufgewachsen, auch die Nähe zur evangelisch-lutherischen Kirche wurde ihr sozusagen in die Wiege gelegt. Studiert hat Hundesrügge in Köln, Sport, Publizistik und Politik. Selbst aktiv war sie beim Tennis und beim Volleyball. "Ich habe nur Sportarten gemacht, in denen es Sieger und Verlierer, aber kein Unentschieden gibt", erklärt sie. Es gewinne eben meist der Bessere - und dass sie zu diesen Besseren gehören will, ist klar.

In ihrer politischen Laufbahn, die gerade mal zehn Jahre alt ist, hat Hundesrügge bislang selten Niederlagen einstecken müssen. Die schmerzhafteste war wohl, dass sie den Einzug in den Bundestag bei der Wahl im Jahr 2016 nicht geschafft hat. Die Platzierung auf der Liste war einfach zu schlecht. Ansonsten lief alles glatt: Ortsvorsitzende der FDP in Gauting, Einzug in den Gemeinderat und Kreistag 2014, FDP-Kreisvorsitzende seit gut drei Jahren.

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Seit 2008 ist Hundesrügge fest in der Politik engagiert - zuerst habe sie Familie mit Ehemann und drei Kindern, Beruf und Haushalt unter einen Hut bringen müssen. Und allerlei Elterninitiativen gegründet und belebt. Aber sie hat das versprochene Engagement in der Politik nie aus den Augen verloren. Es gab nämlich, und das war 1993, einen Tag im Leben der Britta Hundesrügge, an dem sie gleich zwei Mal bei wichtigen Entscheidungen "Ja" gesagt hat. Natürlich bei der Heirat mit ihrem Mann Thomas, der sich in der Politik zurückhält, aber ebenfalls eine liberale Einstellung hat, wie Hundesrügge betont. Und dann war da jener gute Freund der Familie und FDP-Politiker, der Hundesrügge mit seinem Auto zur Hochzeit vor das Standesamt fuhr. "Er hat gesagt, dass er mich nicht eher aussteigen lässt, bis ich ihm verspreche, dass ich politisch aktiv werde", erzählt Hundesrügge. Für welche Partei, das war ohnehin klar. Sie sieht sich auf der Linie der ehemaligen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, also "liberal-liberal" und nicht "liberal-konservativ".

Und sie legt Wert auf ein offenes Haus und einen offenen Umgang auch in der politischen Kommunikation. "Ich beantworte jede E-Mail", sagt sie. Mit ihren drei Kindern - zwei Söhnen und einer Tochter, alle um die zwanzig - lebt sie "wie in einer WG", sagt sie. Einen festen Platz im Tageslauf hat ein gemeinsames Frühstück, oder wenn dies nicht möglich ist, ein Brunch am Nachmittag. Abends ist sie dann vor den Wahlen meist unterwegs, bei Infoveranstaltungen oder Parteiversammlungen.

Fast immer kommt sie farbenfroh und schick gekleidet daher. "Ja, ich hab' einen Schrank voller Kleider", sagt sie, "ich mag Farben, und nicht so gerne schwarz." Was aber durchaus nicht politisch gemeint sei, schiebt sie lachend nach. Auch gute Manieren sind ihre wichtig, etwa "jemanden ausreden zu lassen". Hundesrügge weiß sich aber kräftig zu wehren, wenn ihr jemand unerwünschterweise ins Wort fällt.

Und sie hat gezeigt, dass sie ehrgeizig und beharrlich ist: Dem ehemaligen bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil, quasi ein Nachbar in Gauting, hat sie mit ihrem selbstsicheren Auftreten schnell klar gemacht, "dass wir nach der verlorenen Landtagswahl 2013 neue Gesichter brauchen." Zeil indes hat sich in der Politik zurückgemeldet und das Direktmandat der FDP im benachbarten Stimmkreis Weilheim-Schongau übernommen. Und dann war da noch die Geschichte mit jenem Jungliberalen, der eigentlich Direktkandidat im Landkreis Starnberg werden sollte. Auch diesem soll schnell bewusst geworden sein, dass er es lieber nicht auf eine Kampfkandidatur ankommen lassen sollte. "Wir haben im Kreisverband in der letzten Zeit alle Posten einmütig besetzt", sagt Hundesrügge, und es bleibt offen, ob sie sich damit selbst meint. Das Wort hat nun aber erst einmal der Wähler.