Landtagswahl im Landkreis Starnberg Die Gestalterin

Anne Franke möchte politisch mitmischen. Für die Grünen sitzt die 63-Jährige bereits im Starnberger Kreistag und im Gautinger Gemeinderat.

Von Sabine Bader

Landtagsabgeordnete Anne Franke.

(Foto: Nila Thiel)

Anne Franke will gestallten - sowohl in ihrer Arbeit als Grafik-Designerin als auch in der Politik. Auch in der katholischen Kirchengemeinde wollte sie etwas bewirken. Sie leitete eine Jugendgruppe und brachte sich in die Gemeindearbeit ein. Als sie aber merkte, dass die Zeit für Veränderungen noch nicht reif ist, wie etwa die Abschaffung des Zölibats oder die Chancengleichheit von Frau und Mann, zog sie die Konsequenzen. "Ich fand das alles so rückständig", sagt sie. Franke trat aus der Kirche aus und bei den Grünen ein.

Das war 1982. Es war die Zeit, in der das Waldsterben bekannt wurde und Friedensdemos gegen die Aufstellung der Pershing-II-Raketen stattfanden. Bei den Grünen lohnt sich das Engagement, da ist sie sich sicher. Darum möchte sie auch wieder in den Landtag. Dort war sie schon einmal, von August 2010 bis 2013, damals rückte sie für den verstorbenen Sepp Daxenberger nach. Sie vertrat ihre Fraktion im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und im Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten. 2013 verpasste Franke den Wiedereinzug in den Landtag. An ihre Arbeit von 2013 möchte sie jetzt anknüpfen.

Das Häuschen im Gautinger Ortsteil Stockdorf, in dem Anne Franke mit ihrem Pflegesohn lebt, ist aus den 1980er-Jahren. Es ist nicht besonders groß. An der rechten Seite ist ein Atelier angebaut. Der Garten wirkt verwunschen. Bäume und Büsche haben sich dort während des schönen Sommers mächtig breitgemacht. Und auch Frankes drei Apfelbäume haben es in diesem Jahr besonders gut gemeint mit ihrer Besitzerin und stellen deren Kreativität in Sachen Rezepte auf die Probe. Gleich rechts im Haus geht es ins Atelier. Und da sind sie wieder: die Bäume. Um Bäume dreht sich auch auf Frankes Leinwänden eine ganze Menge. Viele von ihnen wirken gebeutelt von Wind, Wetter und vom Leben. "Wilde Bäume", nennt sie sie. Die stilisierten Menschen, die sie darüber hinaus noch malt, sehen dagegen auffallend brav aus, geschäftig, fast ziellos rennen sie durchs Leben. Auf vielen Bildern schützen sie sich mit bunten Schirmen - ob vor Sonne oder Regen, wird nicht klar.

SZ-Grafik

(Foto: )

Die beiden Töchter, 31 und 26 Jahre alt, sind aus dem Haus. Die eine lebt in München, die andere in Germering. Franke ist geschieden. 2015, als der Andrang an Flüchtlingen so groß war, hat sich die heute 63-Jährige dafür entschieden, einen Flüchtling aufzunehmen. "Das Haus alleine zu bewohnen, wäre nach meiner Ansicht eine Verschwendung von Wohnraum." So kam der heute 15-Jährige Amir Moradi aus Afghanistan zu ihr. Amir besucht die Mittelschule in Gauting und ist im Sportverein. Er kam als sogenannter unbegleiteter Flüchtlinge. "Anfangs fiel ihm das Einleben schon recht schwer", erinnert sich Franke. Nun tut er sich leichter.

Anne Franke ist kein besonders ernster Mensch, aber ein ernsthafter. Man hat den Eindruck, dass sie alles, was sie anpackt, mit großem Ernst macht. Egal, ob in ihrer Arbeit als Grafik-Designerin, beim Illustrieren von Büchern oder in der Politik. Vom Grafik-Design und vom Illustrieren kann sie, wie sie sagt, leben. Zu ihren Kunden zählen der Bayerische Rundfunk (BR) und das Kulturreferat München sowie Verlage, Werbeagenturen, Auftraggeber von Landart-Objekten. Sie gibt zudem Mal- und Zeichenkurse und macht Ausstellungen.

Sollte Franke wieder in den Landtag einziehen, wird die künstlerische Tätigkeit für sie hintanstehen. Dann dreht sich erneut alles um Abgeordneten-Arbeit. Und Franke weiß, was auf sie zukäme. "Im Landtag hat man mehr, als einen Achtstundentag", erinnert sie sich. Im Prinzip sei sie jeden Tag beschäftigt gewesen - auch am Wochenende mit Vorträgen oder Auswärtsterminen. Darum fährt sie momentan beruflich auch zweigleisig: Sie hat mit anderen Künstlern eine Ausstellung für November in Stockdorf in Vorbereitung. Sollte sie gewählt werden, werde sie die absagen.

Entweder – oder

- Starnberger See oder Ammersee?

Ich bin gerne an allen Seen: Im Sommer mehr am Starnberger und Ammersee und im Winter häufig am Pilsensee zum Schlittschuhlaufen.

- Frühaufsteher oder Nachtmensch?

Ich bin sicher kein Frühaufsteher und auch kein richtiger Nachtmensch, eher ein Tagmensch.

- Klassik oder Rock?

Am liebsten mag ich Jazz, aber auch echt gerne Klassik.

- Sushi oder Surhaxe?

Surhaxe auf keinen Fall, Sushi schon ab und an. Aber am liebsten esse ich mediterrane Küche.

- Wiesn oder Wald?

Ich gehe zwar auch ganz gern mal aufs Oktoberfest, aber lieber bin ich schon im Wald. bad

Auch die Arbeit in den Gemeinde- und Kreisgremien erfordere einiges an Vorbereitungszeit. Seit 2002 ist Franke Kreisrätin im Landkreis Starnberg und Gemeinderätin in Gauting. Manchmal habe man da einen ganzen Packen an Bauanträgen, die es vorab durchzuarbeiten gelte. Darum findet sie auch, dass Gemeinderäte besser entlohnt werden müssten. "Sie sollten einfach mehr Geld kriegen." Der Unterschied zu den Abgeordnetendiäten sei zu groß, findet sie. Franke legt generell Wert auf einen ordentlichen Umgangston in Sitzungen. "Ich würde nie jemanden unter der Gürtellinie angreifen," sagt sie. "Ich versuche, sachlich zu punkten." Im Landtag gehe es in dieser Hinsicht geordneter zu, als in so manchem Gemeinde- oder Stadtrat.

Die 63-Jährige würde gerne wieder politisch mitmischen im Landtag. Apropos mitmischen: "Das tun die Grünen ohnehin schon seit vielen Jahren", sagt sie. Die CSU lehne zwar oft Anträge der Grünen in Bausch und Bogen ab, um denselben Antrag dann leicht modifiziert nach einer Schamfrist selbst zu stellen und zu beschließen. "Der Atomausstieg wäre nicht gegangen, hätten wir den Boden dafür nicht 30 Jahre lang bereitet", sagt sie. Überhaupt sei der Landkreis Starnberg ein besonders gutes Pflaster für die Grünen. Darum rechnet sie sich auch Chancen aus.