Zuerst verliebte sich der Kunststudent Gerd Eisenblätter in ihr unglaublich lautes Lachen, das durch die Gänge der Akademie schallte. Und erst dann in die lebenslustige junge Frau mit den feuerroten Haaren, die er ein paar Jahre später heiratete. Jetzt, mehr als drei Jahrzehnte nach ihrem viel zu frühen Tod, sollen die Bilder der Malerin Holle Eisenblätter noch einmal Freude bereiten und zwar gleich im doppelten Sinn: An diesem Wochenende werden knapp hundert ihrer schönsten Gemälde im Kurparkschlösschen in Herrsching zu sehen sein. Wenn es nach Gerd Eisenblätter und seinen beiden Kindern geht, dann sollen sie alle einen neuen Besitzer finden. Wer ein Bild erwerben will, muss dafür einen bestimmten Betrag an eine soziale Institution in Herrsching spenden.
„Es war Zeit, dass die Bilder endlich an die Luft kommen und noch einmal gewürdigt werden“, sagt Nikolaus Eisenblätter, der den künstlerischen Nachlass seiner Mutter viele Jahre lang in seinem Herrschinger Wohnhaus aufbewahrt hatte. Als das Bilderlager wegen eines Umbaus geräumt werden musste, entstand in der Familie die Idee einer Ausstellung.
Bevor die insgesamt 300 Bilder in ein Interimsquartier umzogen, erstellte Katrin Eisenblätter zusammen mit ihrem Vater ein Werkverzeichnis. Sie nahmen jedes Bild in die Hand und fotografierten es. „Wir waren so begeistert, dass wir sie zuerst gar nicht mehr hergeben wollten“, sagt Katrin Eisenblätter, „aber dann haben wir uns entschieden, unsere Freude mit möglichst vielen Menschen zu teilen.“ Schon jetzt sei er geradezu überwältigt von der positiven Resonanz, ergänzt ihr Bruder. Als er in Herrsching Einladungen und Plakate für die Ausstellung verteilte, habe er viele Menschen getroffen, die sich noch gut an seine 1992 verstorbene Mutter erinnern können.
Gerd und Holle Eisenblätter lebten von 1972 an mit ihren beiden Kindern in einem kleinen Haus an der Strittholzstraße in Herrsching. Holle Eisenblätter, 1940 in Wien geboren, war Mitglied im Künstlerkreis Ammersee und in der Münchner Künstlervereinigung Gedok. Von Ende der Siebzigerjahre an war sie in zahlreichen Ausstellungen in der Region vertreten. Über die Malkurse für Kinder in Herrsching ist sie auch bei ihren Schülern, die heute längst erwachsen sind, in bester Erinnerung geblieben. Und vielleicht hat auch der eine oder andere Herrschinger noch das Bild von der Künstlerin vor Augen, die bei schönem Wetter losradelte, die Staffelei ans Fahrrad gebundenen und die Malutensilien in einem Korb auf dem Gepäckträger, um direkt in der Natur zu malen.


Es sind vor allem Landschaften, die das Werk von Holle Eisenblätter bestimmen. Direkt und spontan setzte sie ihre Eindrücke ins Bild. Ihr Pinselduktus war großzügig und dynamisch, ihr Umgang mit Farbe wurde im Laufe der Jahre immer freier. Und auch wenn man bestimmte Landschaftsausschnitte aus ihren Bildern genau verorten kann, so ging es der Malerin doch nie darum, das Gesehene einfach abzubilden, vielmehr wollte sie ihr eigenes Erleben sichtbar machen.
Holle Eisenblätter reagierte extrem stark auf Orte: So malte sie etwa in den Jahren, in denen sie ihr Atelier in einer alten Mühle direkt am Herrschinger Seeufer hatte, eine Serie von Bildern, auf denen nur die Wasserfläche, die Wellen oder das Eis zu verschiedenen Jahreszeiten zu sehen sind. Auch auf zahlreichen Reisen nach Italien, Spanien, Griechenland oder Marokko, entstanden kleine Bilder, in denen es nicht um Perspektive, nicht um Licht und Schatten, sondern um Fläche und Farbe, vor allem aber um besondere Stimmungen und um die wohlgeordnete Harmonie der Natur geht. Und schließlich schaffte Holle Eisenblätter sich in manchen Bildern auch ein ganz eigenes Arkadien: imaginäre Landschaften und ideale Orte, an denen es heller ist als in ihrem zuletzt von einer schweren Krankheit überschatteten Leben.
Das Ausstellungswochenende soll ein freudiges Zusammenkommen werden: Sowohl zur Eröffnung am Freitagabend als auch am Samstagabend und am Sonntagnachmittag wird es Live-Musik geben. Und am Ende sollen die freundlichen Bilder von Holle Eisenblätter noch einmal Gutes tun, wenn die Verkaufserlöse an die Herrschinger Insel, an die Indienhilfe, an Promoting Africa und an das „Café Bla Bla“ gehen.
Die Ausstellung wird am Freitag, 11. April, um 17 Uhr mit Musik von Nicole Komarek eröffnet. Am Samstag ist sie von 14 bis 20 Uhr zu sehen, von 19 Uhr an ist Ricardo Volkert mit Liedern und Gitarrenstücken aus Spanien zu hören. Am Sonntag ist von 11 bis 18 Uhr geöffnet, von 13 Uhr an gibt es Musik von Franz Roidl und Martin Heß. Der letzte Ausstellungstag ist Montag, 14. April, von 11 bis 16 Uhr.

