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Landratswahl in Starnberg:Konzilianter Vermittler

Stefan Frey strebt nach Kompromissen. Er sieht sich mehr der Sache als der CSU-Linie verpflichtet.

Da zoffen sich zwei Gemeinden seit Monaten um das geplante Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz. Gauting braucht die Gewerbesteuer, Gilching will die Rodung vieler Hektar verhindern. Bis CSU-Landratskandidat Stefan Frey völlig überraschend einen Kompromiss vorlegt, dem sich keine der beiden Seiten verschließen kann: Bisschen kleiner planen und die Bebauung versetzen, lautet das Signal an die klammen Gautinger. Keine Bäume abholzen, heißt die Botschaft an die besorgten Gilchinger. Bei der Podiumsdiskussion ausgerechnet der Gegner-Initiative "Pro Bannwald" erntet er dafür sogar Applaus - und landet einen Coup im Wahlkampf.

Frey hat es geschafft, eine ganz konkrete Idee mit dem Profil zu verknüpfen, mit dem er im Wahlkampf wirbt. Zuhören, vermitteln und ausgleichen. "Politik lebt vom Kompromiss", sagt Frey. Selbst Starnbergs Bürgermeisterin Eva John als seine große Gegenspielerin im Stadtrat attestierte ihm bei allen Differenzen jüngst einen guten, sachlichen Austausch. Der Starnberger geht als Favorit in die Wahl. Frey lobt die Lebensqualität und die Vorzüge des Landkreises, stellt die Erfolge heraus. Der scheidende CSU-Landrat Karl Roth hat ihn vor einem Jahr als seinen Wunschnachfolger auf den Schild gehoben. Seitdem befindet sich der Kandidat im Wahlkampf. Das bedeutet im Schnitt zwei zusätzliche Termine am Tag - und das jeden Tag. Oft steht er morgens schon um sechs Uhr an einem der S-Bahnhöfe im Landkreis, um seine Broschüren zu verteilen. Dann schnell zur Arbeit - der 44-jährige Jurist leitet das Referat für Grundsatzfragen im Innenministerium - und gleich danach weitere Vorstellungen bei Vereinen und Besuche von Abendveranstaltungen. Nur freitags in der Früh steht er weiter als Schülerlotse an der Weilheimer Straße, die auch seine eigenen Kinder passieren müssen.

Andechs Klostergasthof CSU

Stefan Frey, der den Landratsposten bei der CSU halten will, nimmt seine Frau Ismene und seine Kinder Carla, Clemens und Marco mit auf's Bild.

(Foto: Georgine Treybal)

Mit seiner Ehefrau Ismene hat er drei Kinder: Marco, 9, Clemens, 7, und Carla, 4. Das Familienleben gilt es neben dem Beruf und dem immer dichter getakteten Wahlkampf ebenfalls zu organisieren. Ismene Frey arbeitet als Amtsrichterin. Als die Kinder kürzlich mit der Grippe daheimbleiben mussten, teilten sich die Freys die Betreuungstage je zur Hälfte auf. Frey ist Mitglied der katholischen Kirchenverwaltung und spielt Geige im Kirchenorchester.

So wie seine Ehefrau und die Kinder tauchen auch Freys Eltern in seinen Wahlkampfbroschüren auf. Denn sein Vater Heinrich blickt auf das Amt zurück, dass Sohn Stefan erst erobern muss. Vor Roth war Heinrich Frey von 1996 bis 2008 Starnberger Landrat. So ein Stammbaum kann sich als Bürde erweisen, doch Stefan Frey sagt, er habe nur lobende Worte zu hören bekommen, auch von Leuten, die nicht der CSU angehören. "Viele sagen, dass sie meinen Vater noch kennen", sagt Frey. "Darauf bin ich sehr stolz." Sein Bruder Martin sitzt seit 2014 im Kreistag. Und in die politischen Fußstapfen seiner Mutter ist er bereits getreten. Barbara Frey saß von 1984 bis 2014 im Starnberger Stadtrat - bis zu der Wahl, bei der Stefan Frey ein Mandat errang. Dort gilt der Tunnelbefürworter als seriöser und akribischer Sacharbeiter.

SZ-Podium

Wer wird Landrat von Starnberg? Der Kreis steht vor großen Herausforderungen: Energiewende, neues Gymnasium in Herrsching und mehr günstiger Wohnraum. Die Wahl verspricht einen spannenden Ausgang, da Amtsinhaber Karl Roth (CSU) nicht mehr antritt. Bei der SZ-Podiumsdiskussion können Sie die Kandidaten Stefan Frey (CSU), Martina Neubauer (Grüne), Christiane Kern (SPD), Matthias Vilsmayer (Freie Wähler) und Cédric Muth (FDP) kennenlernen - und zwar am Donnerstag, 20. Februar, im Gautinger Bosco (Oberer Kirchenweg 1). Schicken Sie uns Ihre Fragen an die Kandidaten per E-Mail an lkr-starnberg@sueddeutsche.de. Beginn der SZ-Podiumsdiskussion ist um 19.30 Uhr, Einlass ist von 19 Uhr an. SZ

Die Sache ist ihm wichtiger als irgendwelche Linien. In seinem Wahlkampfheft posiert er ganz selbstverständlich auf einem Dach mit Solaranlage und düst mit dem Fahrrad durch die Starnberger Innenstadt - während etwa die Münchner CSU einen unmissverständlichen Anti-Fahrrad-Wahlkampf fährt. Freys Umweltbekenntnis mag mit seiner starken Konkurrentin der Grünen zu tun haben. Was seine Chancen angeht, gibt er sich bescheiden. "Optimistisch" sei er, die Wahl zu gewinnen und Landrat zu werden. Die Bürger wolle er überzeugen. "Dafür tue ich alles."

© SZ vom 17.02.2020
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