Süddeutsche Zeitung

Landratswahl in Starnberg:Einsatz im Spagat

Polizistin Christiane Kern kämpft für die SPD um jede Stimme.

Sie geht mit Genossen zum Wandern, stellt sich an Infostände, diskutiert auf Podien und Veranstaltungen, fährt in aller Herrgottsfrüh von Starnberg nach Herrsching, um dort in klirrender Kälte am S-Bahnhof um jede Stimme zu kämpfen. Um dann ein paar Stunden später ein Interview mit dem oberbayerischen SPD-Bezirksvorsitzenden Florian Ritter zu lesen, in dem er von einer schwierigen Situation spricht und davon, dass der SPD traditionelle Wählerschichten weggebrochen seien und die Partei das bisher nicht wettmachen konnte. Wozu also das Ganze?

Diese Frage stellt sich für Christiane Kern nicht. Sonst würde sie nicht als Landratskandidatin der SPD im Landkreis Starnberg antreten und sich auch nicht um ein Stadtrats- und Kreistagsmandat bewerben. "Ich gebe nicht auf", sagt die 47-Jährige. Was zum einen an ihrem Willen liege, etwas zu bewegen, zum anderen an den engagierten SPDlern, die es allerdings in diesem Landkreis mit seinen vielen wohlhabenden und anspruchsvollen Bürgern immer etwas schwerer haben als andere.

In diesem Landkreis lebt nun auch Kern. Er hat es ihr angetan, seitdem sie hier 2018 von der SPD zur Landtagskandidatin gekürt worden war. In Starnberg sei es gemütlicher und entspannter als in München, wo sie vorher gewohnt hat, sagt sie. Und die Region um den Starnberger See und Ammersee erinnert sie an ihre Heimat. Denn geboren und aufgewachsen ist Kern im Berchtesgadener Land, im malerischen Rupertiwinkel. Sie mag bayerisches Brauchtum, Bier und ab und zu eine Currywurst.

Das Bodenständige ist ihr geblieben. Sie sei eher still, kein klassischer Menschenfänger, sagen Genossen - aber absolut verlässlich, und habe das Herz auf dem rechten Fleck. Seit sie als eine der ersten Frauen die Ausbildung im uniformierten Polizeidienst absolvieren durfte, ist Christiane Kern Polizistin mit Leib und Seele. Von Beginn an engagierte sie sich in der Gewerkschaft der Polizei für Gleichberechtigung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Heute arbeitet sie als Polizeihauptkommissarin im bayerischen Innenministerium. Vor sieben Jahren ist sie in die SPD eingetreten.

Natürlich muss sie sich als Landratskandidatin für günstigen Wohnraum einsetzen, für den Wirtschaftsstandort Fünfseenland, der gleichzeitig Naherholungsgebiet ist. Ein Spagat, den sie bewältigen möchte. Sie setzt sich - als begeisterte Radlerin - für den Ausbau der Fahrradwege und des Öffentlichen Personennahverkehrs ein. Sie fordert, dass Müllentsorgung und Wasserversorgung und kommunale Krankenhäuser in regionaler Hand bleiben.

Wenn sie nur ein Thema nennen dürfte, das ihr am meisten am Herzen liegt, dann das: "Jeder, vom Kind bis zum alten Menschen, soll sich im Landkreis Starnberg wohlfühlen. Jeder soll gut und sicher hier leben können - unabhängig vom Einkommen."

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Quelle:
SZ vom 17.02.2020
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