Freizeit:Badegelände am Wörthsee wird umgestaltet

Seefeld  Pilsensee Kioskserie 'Zur Wurzn'

Andrea Heudecker in ihrem ersten Kiosk am Pilsensee: Eine Saison hat sie danach am Wörthsee Pommes und Süßigkeiten verkauft.

(Foto: Nila Thiel)

Der Kiosk in Oberndorf soll durch einen Neubau ersetzt werden, der Pächterin Andrea Heudecker ist gekündigt worden.

Von Michaeel Berzl

Unter hohen Bäumen steht der kleine Kiosk im Badegelände Oberndorf am Wörthsee. Fast die gesamte Liegewiese lässt sich von hier aus überblicken. Im vergangenen Sommer herrschte oft Hochbetrieb an dem Verkaufsstand, den Andrea Heudecker gepachtet hat. "Das war für uns immer ein Treffpunkt, eine gesellige Runde", schwärmt Wolfgang Niemann aus Seefeld. Bei gutem Wetter war der 80-jährige Rentner zusammen mit seiner Frau fast jeden Tag dort.

Der nächsten Saison blickt er mit Sorgen entgegen: Der Vertrag mit der bisherigen Pächterin ist gekündigt, der Kiosk soll abgerissen werden, um einem Neubau zu weichen. Wer dort künftig Getränke und Brotzeiten verkauft, ist offen. "Wir würden gerne weitermachen, aber die wollen uns nicht mehr, die wollen ein anderes Konzept", glaubt Andrea Heudecker. Nach der Modernisierung soll der Kiosk neu ausgeschrieben werden, berichtet Armin Elbs, Geschäftsführer in der Unternehmensverwaltung von Hans-Caspar Graf zu Toerring-Jettenbach im Seefelder Schloss. Dann könnten auch andere Bewerber zum Zug kommen.

Es ist ein Abschied im Streit, gegen sie liege eine Klage vor, sagt die 45-Jährige, die den Kiosk noch nicht leer geräumt hat. Verpächter ist das Gräfliche Hofbrauhaus mit Sitz in Freising. Geschäftsführer Jürgen Charrois bestätigte am Freitag, dass die Kündigung angefochten wurde, betont aber: "Wir versuchen noch, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen."

Im April habe sie die Kündigung erhalten, bis Ende September sollte sie weichen, sagt die bisherige Kioskbetreiberin. Doch so schnell gehe das nicht, zumal es nicht einfach sei, einen Platz zu finden, um die Einrichtung unterzustellen. Die Familie Heudecker hat den Kiosk im Oberndorfer Badegelände in der dritten Generation geführt. Andrea Heudecker hatte zuvor den Kiosk am Badeplatz "Zur Wurzn" am Pilsensee und ist dann an den Wörthsee gekommen, wo schon ihre Mutter und davor ihre Oma Bier und Limo, Süßigkeiten und Brotzeiten verkauft hatten.

Wie es nach einem Umbau weitergeht, ist offen. Der Neubau sei dringend, heißt es im Rentamt Toerrings, in dessen Privateigentum sich Pilsen- und Wörthsee befinden. Planungen und Vorbereitungen liefen bereits, berichtet Elbs. In der kommenden Woche finde deswegen eine Besprechung im Rathaus in Inning statt, an der Vertreter der Gemeinde, des Erholungsflächenvereins, des Rentamts und der Brauerei teilnehmen. Die Zeit drängt jedenfalls, wenn zum Beginn der neuen Saison ein neuer Verkaufsstand fertig sein soll. Fünf Monate sind es noch bis Ostern.

Wörthsee Badegelände Oberndorf, Kiosk

Nun ist der Vertrag von Heudecker gekündigt.

(Foto: Georgine Treybal)

Vor allem die Toiletten in dem Altbau aus den Siebzigerjahren entsprechen so gar nicht mehr den heutigen Standards. Zudem reichen die bisher vorhandenen sanitären Anlagen bei großem Andrang im Sommer, wenn sich mehrere Tausend Badegäste auf der Wiese tummeln, gar nicht mehr aus. Daher gehört zu den Überlegungen im Zuge eines Neubaus auch, einen am Kanal angeschlossenen Container mit weiteren Toiletten in der Nähe des Seeufers aufzustellen. Ein Architekt sei bereits beauftragt. "Wir sputen uns. Zurzeit sind wir in der finalen Phase", sagte Elbs.

Das gesamte, etwa sieben Hektar große Gelände im Südwesten des Wörthsees mit einer weitläufigen Wiese mit alten Bäumen und drei weit in den See hineinreichenden Badestegen gehört der gräflichen Unternehmensverwaltung und ist bisher verpachtet an den gemeinnützigen Verein zur Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete in den Landkreisen um München. Landrat Stefan Frey ist dort einer von zwei stellvertretenden Vorsitzenden. Es habe schon Beschwerden über den schlechten Zustand der sanitären Anlagen gegeben, berichtete er. Geprüft werde auch, ob das Baurecht die Errichtung einer dritten Toilettenanlage zulasse.

Gerade laufen die Gespräche über die weitere Verpachtung des Erholungsgeländes. Der bisherige Vertrag läuft ebenfalls Ende dieses Jahres aus. Laut Elbs soll er aber verlängert werden; da herrsche im Prinzip Einigkeit unter allen Beteiligten. Landrat Frey bestätigt das.

So kann das Seefelder Ehepaar Niemann davon ausgehen, dass der Badebetrieb dort auch im nächsten Jahr weitergeht und an Gerüchten über anderweitige Nutzungen nichts dran ist. Erst in der vergangenen Woche war der Rentner zuletzt dort beim Schwimmen; da hatte das Wasser nur noch 15 Grad.

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