"Wer kennt Elsbeeren?", fragt Judith Clever die Kinder, die sich im Grünsinker Wald in einem Halbkreis um sie versammelt haben. Aus der Klasse 3 b der Weßlinger Grundschule recken sich viele Hände in die Höhe. Clever, die Projektmanagerin der Initiative Zukunftswald am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Fürstenfeldbruck, erstaunt das Fachwissen keineswegs. Zwar ist die Elsbeere ein sehr seltener Baum und vielen Landkreisbürgern gänzlich unbekannt, nicht aber den Weßlingern. Hier gibt es etliche alte Exemplare dieses "Zukunftsbaums", der so genannt wird, weil er die Klimaerwärmung überstehen könnte. Die Bäume vertragen nämlich Trockenheit und höhere Temperaturen recht gut, sind aber auch an Spätfröste und Minusgrade gewöhnt. Das macht ihren Genpool für Nachpflanzungen so wertvoll. Im Weßlinger Wald oberhalb des Pfarrstadels werden regelmäßig die Samen der alten Bäume gesammelt. Sie gehören neben Bereichen an Ammer- und Pilsensee zum einzigen bayerischen Bestand südlich der Donau.
Seit wenigen Tagen sind nun 21 Bäume neu hinzu gekommen. "Das Saatgut haben wir im Fünfseenland geerntet und in der Baumschule gezogen", erklärt Clever. Gemeinsam mit der Försterin, ihrem Kollegen Sebastian Winter und Klassenlehrerin Melanie Lehner durften die Drittklässler die neuen Bäume an einem hellen Platz pflanzen. Elsbeeren benötigen nämlich viel Sonne. Oft werden sie von den wesentlich schneller wachsenden Buchen überwuchert und sterben dann wegen Lichtmangels ab. Um den Bestand zu bewahren, muss regelmäßig ausgelichtet werden, weiß die Försterin.
Im Landkreis sollen 125 Flächen mit jeweils zehn bis 100 Bäumchen bepflanzt werden
Für die Pflanzaktion gibt es kurze Spaten und Arbeitshandschuhe für die Kinder. Damit werden Pflanzlöcher ausgehoben und die Setzlinge vorsichtig eingegraben. Anschließend falten die Kinder Schutzhüllen, mit denen die Bäumchen ummantelt werden. "Damit die Rehe sie nicht auffressen", weiß ein Mädchen. An den dünnen Stängeln sind einige Knospen zu erkennen, die eine schmackhafte Mahlzeit abgegeben hätten. "Vielleicht sind eure Bäumchen Nachkommen von den alten Weßlinger Elsbeeren", rätselt Winter. In den nächsten Monaten wollen die Kinder ihre Bäume besuchen, um zu sehen, ob sie anwachsen. Auch die Förster werden die Anpflanzung - eine von 125 Flächen mit jeweils zehn bis 100 Bäumen - kontrollieren.
Wann er die ersten Beeren naschen könnte, will ein Junge wissen. Die bräunlichen Beeren sind vitaminreich und können roh verzehrt werden. Damit wird er bis zum Abitur oder dem Ende der Berufsausbildung warten müssen, sagt Clever. Erst in zwei bis drei Jahren kommen zumindest die Schutzhüllen weg. Dann aber wird man bereits das bunte Farbenspiel der Blätter im Herbst genießen können. "Sie sind rot, orange und gelb", weiß ein Kind. Nach den Osterferien steht das Thema "Wald" auf dem Lehrplan. Dann wird Melanie Lehner den Kindern mehr über die Elsbeere berichten.
Für die Förster ist der Arbeitstag nach der Pflanzaktion nicht zu Ende. Im Auto lagern noch weitere Setzlinge, die darauf warteten, eingepflanzt zu werden. Ein Jahr der zweijährigen Projektphase sei vorbei, sagt Clever. Am Schluss sollen stabile Bestände der "schönen Else", wie die Bäume auch genannt werden, in den Wäldern des Landkreises stehen
