Gerade mal wieder "Speed" angeschaut. Ein wahnsinnig spannender Thriller mit Sandra Bullock und Keanu Reeves, in dem es um einen mit Sprengstoff bepackten Linienbus geht, der nicht langsamer als 50 Meilen pro Stunde fahren darf, sonst fliegt er in die Luft. Aber das nur am Rande. Hier geht es um 30 Kilometer pro Stunde. Maximum, sonst blitzt's.
Seit dieser Woche auch auf der Hanfelder Straße in Starnberg. Oft geht es dort ohnehin nicht schneller, seit neuestem ist die Geschwindigkeitsbeschränkung in Kraft. Als "besonders erfreulich" hebt die Stadt in dem Zusammenhang hervor, dass das Limit "zu den Nachtzeiten und darüber hinaus zu den Tageszeiten gilt". Also immer, das ist ein wenig umständlich formuliert, ist aber im Ergebnis doch übersichtlich.
Denn, obacht liebe Leut', das ist keinesfalls überall der Fall. Höchste Konzentration ist erforderlich bei einer Reise mit dem Kraftfahrzeug durchs Fünfseenland und das Würmtal. Augen auf, heißt es da. Auf der Germeringer Straße in Gauting etwa gilt streckenweise Tempo 30 in der Zeit von Montag bis Freitag, jeweils von 7 bis 17 Uhr. Sonst nicht. Das hat weniger mit den Arbeitszeiten der Leute zu tun, welche die Radarfallen aufstellen, als mit den Unterrichtszeiten in den dort ansässigen Schulen. An Perchting wiederum ist man wahnsinnig schnell vorbei, da merkt man erst, dass da ein Ort am Weg war, wenn der hässliche Brief von der Verkehrsüberwachung kommt.
In Krailling sind auf dem frisch gepflasterten Drei-Millionen-Euro-Parkplatz in der Ortsmitte nur gemächliche 20 Sachen zulässig. Tückisch wird es auf der Weiterfahrt: In Planegg und Gräfelfing sind phasenweise höchstens 30 erlaubt, mal von 6 bis 22 Uhr, mal von 22 bis 6 Uhr, also ganz anders als in Starnberg unterschiedlich zu Tages- und Nachtzeiten. Wer es lieber nachts oder am Tag langsam hat, weiß ich nicht auswendig. Am besten schaut ihr selbst nach oder dreht an der Starnberger Landkreisgrenze schnell wieder um.
Aber mir reicht's eh mit der Autofahrerei, wo doch der Lenker eines Kraftwagens bald ein ähnlich angestaubtes Image hat wie der meist schnauzbärtige Marlboro-Mann in der Zigarettenwerbung, irgendwo zwischen Fingernägel kauen und Kesselfleisch mit Blut- und Leberwurst. Wie so eine schlechte Angewohnheit, bei der man sich besser nicht erwischen lässt. Wer Eindruck schinden will, knallt lieber nicht mehr seinen Jaguar-Schlüssel auf den Tresen, sondern schiebt verträumt den Fahrradcomputer des E-Bikes auf den Tisch.
Mir reicht's, am Freitag war Weltfahrradtag, und ich steig' jetzt auch aufs Radl um. Die 30 Stundenkilometer, die am Hanfelder Berg noch erlaubt sind, schaff ich damit locker. Bergab jedenfalls, glaubt EUER NEPOMUK.