Rekord-Temperaturen Direktoren kündigen hitzefrei an

Manfred Jahreis freut sich darauf, seine Schüler heimschicken zu dürfen: "Zur Schulzeit gehört hitzefrei wie die erste Liebe und das Spicken."

(Foto: Arlet Ulfers)

Mehr als 32 Grad und pauken? Das wollen einige Schulleiter den Kindern nicht zumuten, manche pochen aber auf Unterricht.

Von Carolin Fries

Für Manfred Jahreis gehört die Hitze zum Sommer dazu. Und nicht nur das: "Zur Schulzeit gehört hitzefrei wie die erste Liebe und das Spicken", sagt der Direktor der Gautinger Realschule. Deshalb schrecken ihn die für die kommenden Tage angekündigten Höchsttemperaturen kein bisschen. Jahreis hat seine Schüler und deren Eltern bereits am Montag darüber informiert, dass der Unterricht an diesem Mittwoch sowie am Donnerstag früher endet. Auf seinem Elternbrief sind drei breit lachende Sonnen mit dunklen Brillen zu sehen, die einen Zettel nach oben halten, darauf nur ein Wort: Hitzefrei.

Tatsächlich obliegt es allein der Schulleitung, ob es hitzefrei gibt oder nicht. Auch wenn sich der Mythos seit Jahren hält, dass der Direktor in seinem Büro ein Thermometer hat, welches die 30-Grad-Marke knacken muss, bevor er die schwitzenden Schülerschar von ihrem Übel erlöst: "Eine gesetzliche Regelung gibt es nicht", sagt Julia Kuntz, Sprecherin des Kultusministeriums. Die Schulleitung habe räumliche Gegebenheiten ebenso zu berücksichtigen wie die Konstitution der Schüler und Lehrer. In einer Klosterschule hinter dicken Gemäuern gäbe es deshalb womöglich nie hitzefrei, im verglasten Gymnasium indes gleich mehrmals in den Sommerwochen.

Einen statistischen Überblick hat das Ministerium nicht, lediglich einen Eindruck. Und demnach sind Schulleiter wie Manfred Jahreis seltene Exemplare. Dass dieser auf Grundlage der Wettervorhersage bereits bis Freitag hitzefrei unterschrieben hat, sei "gewiss die Ausnahme".

Im Landkreis nicht: Auch am Tutzinger Gymnasium entfällt am Mittwoch und Donnerstag der Nachmittagsunterricht. Direktor Bruno Habersetzer habe bereits am Montag "bedenkliche 30 Grad" in den Klassenräumen gemessen, erzählt er. Er hält es für gesundheitsgefährdend, die Schüler bei diesen Temperaturen am Nachmittag zu unterrichten, womöglich noch in Sport. Doch er prüfe genau. Im Jahrhundertsommer 2018 sagt er, habe er kein einziges Mal hitzefrei gegeben. Damals sei es zwar heiß gewesen, aber nie extrem.

Sylke Wischnevsky hält nicht viel von hitzefrei, zudem könne man die Schüler heutzutage nicht einfach spontan nach Hause schicken und müsse auch bei Unterrichtsausfall eine Betreuung bereit stellen. Deshalb entfalle maximal einmal der Wahlunterricht. "Wir haben hier noch vollen Betrieb", sagt sie. In den kommenden Wochen stünden Schulaufgaben an, die Vorbereitungszeit sei deshalb wichtig. Lediglich für Donnerstagnachmittag hat sie den Schülern in dieser Woche frei gegeben. Ganz unkompliziert per Durchsage, denn auch wenn die Schüler gewöhnlich t die ein oder andere mündliche Information vergessen: "Das merken sie sich."

Nicht nur am Gautinger Gymnasium müssen die Schüler an diesem Mittwoch mittags schwitzen. Bis zum regulären Unterrichtsschluss müssen auch die knapp 620 Grundschüler in Gauting in der Schule bleiben - allein aus bürokratischen Gründen. Denn noch hätten nicht alle Kinder den Elternbrief unterschrieben abgegeben, welcher die Betreuung für diesen Fall regelt. Doch Sekretärin Isabelle Oestereich ist guter Hoffnung, dass es noch hitzefreie Tage für die Erst- bis Viertklässler geben wird. "Wir entscheiden das tagesaktuell."

"Hitzefrei gibt's nicht", sagt indes die stellvertretende Schulleiterin der Benedictus-Realschule in Tutzing Karin Zwick-Chwaszcza. Momentan seien die Klassenräume noch kühl. Ob sich das bei den angesagten Temperaturen noch ändern kann? "Abwarten", sagt die Schulleiterin knapp.

Ob Hitze oder nicht: Kein Auskommen gibt es für die insgesamt 412 Zehntklässler an den Realschulen im Landkreis, für die an diesem Mittwoch die Abschlussprüfungen im Fach Deutsch beginnen. Am Donnerstag folgt Französisch, am Freitag Englisch. Manfred Jahreis will die Turnhalle frühmorgens noch einmal durchlüften. "Und um 12 Uhr ist es vorbei", sagt er. Ein paar Minuten früher als für den Rest der Schüler.