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Landkreis Starnberg:Rezepte gefälscht: Physiotherapeut muss ins Gefängnis

Der 39-Jährige hat nach Überzeugung des Amtsgerichts in den Verordnungen etwa Fangopackungen eigenhändig ergänzt und so die Krankenkassen um 17.400 Euro betrogen.

Bis zuletzt zeigte sich der Physiotherapeut trotz eindeutiger Beweislast uneinsichtig und leugnete auch am zweiten Prozesstag, Rezepte mit zusätzlichen Anwendungen, Unterschriften und Arztstempeln verfälscht zu haben. Dabei waren der Anklage zufolge Fango- und Doppelbehandlungen sowie komplexe Therapien abgerechnet worden, die nicht zur Diagnose passten. Das Amtsgericht Starnberg sah es am Montag nach weiteren belastenden Aussagen von Medizinern und einer Arzthelferin als erwiesen an, dass der Angeklagte in 55 Fällen Krankenkassen in Höhe von 17 400 Euro betrogen und Urkunden gefälscht hat. Der 39-jährige Therapeut aus dem westlichen Landkreis wurde deshalb zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt.

Der Staatsanwalt hatte eine zweieinhalbjährige Gefängnisstrafe gefordert, während der Verteidiger wegen "erheblicher Zweifel" an der Schuld seines Mandanten einen Freispruch verlangte. Dagegen war Richterin Christine Conrad überzeugt, dass nur der Physiotherapeut als Täter in Frage kommen könnte, weil er als Praxisinhaber für die eingereichten Abrechnungen zwischen 2012 und 2015 verantwortlich gewesen sei. Dabei habe er sein Verdienst deutlich aufgebessert, so die Richterin.

Erst nach dem Anruf einer Ärztin, die sich über nachträglich handschriftlich geänderte Verordnungen gewundert hatte, hörten die Manipulationen auf. Auch dieses Indiz spreche Bände, betonte die Richterin, weil der Angeklagte durch das Telefonat gewarnt worden sei. Denn eine Krankenkasse hatte inzwischen wegen "Unstimmigkeiten" auf den Rezepten Verdacht geschöpft und bei Medizinern nachgefragt.

So auch bei einem Nervenarzt, ob er etwas an den Verordnungen für einen Patienten verändert habe. Als der 48-jährige Zeuge im Frühjahr 2015 sein Rezept daraufhin überprüfte, bemerkte er die unzulässigen Manipulationen und erstattete wegen Urkundenfälschung eine Strafanzeige bei der Polizei. Deren Ermittler konfrontierten weitere Ärzte mit den offenkundig verfälschten Rezepten, darunter 39 Verschreibungen eines Orthopäden. "Der Stempel sah komisch aus, so einen haben wir gar nicht", sagte der 55-jährige Arzt im Prozess. Der Zeuge erinnerte sich zudem daran, dass bei einigen Stempeln Telefon- und Faxnummern nicht gestimmt hätten. "Das war eigentümlich".

Vernommen wurde überdies die Ex-Freundin des Angeklagten, mit der er bis Ende 2011 die Therapie-Praxis geführt hatte. Auch die 33-jährige Physiotherapeutin war damals kurzzeitig bei der Kripo in Verdacht geraten. Sie beteuerte jedoch in der Verhandlung erneut, dass ihr "nichts aufgefallen" sei und sie nichts an Rezepten verändert habe. Die Frau würdigte ihren früheren Partner keines Blickes.