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Corona im Landkreis Starnberg:Heimat in der Krise

Krailling: Johanna Schwarz - Kraillinger Geschichten

Johanna Schwarz hat die Auswirkungen der Corona-Krise auf ihren Heimatort beleuchtet.

(Foto: Nila Thiel)

Fernsehredakteurin Johanna Schwarz hat vier Kurzfilme über ihren Wohnort Krailling gedreht, die nun auf Youtube zu sehen sind.

Von einer Imagekampagne möchte Rudolph Haux nicht sprechen, doch: "Krailling muss sichtbarer werden", sagt der Bürgermeister. Sowohl von Gewerbetreibenden als auch von Kitas, die händeringend nach Personal suchen, bekomme er immer wieder die Rückmeldung: "Die Leute kennen München, Gauting und Starnberg, aber nicht Krailling." Das soll sich nun mit vier Filmen ändern, die vom Leben und Arbeiten in Krailling erzählen. Die Gemeinde zeigt diese auf Youtube sowie in den sozialen Netzwerken und dem regionalen Streamingdienst OLAtv.de. Ende April ist der erste von vier Teilen online gegangen und wurde seither knapp 2000 Mal angeklickt. "Das ist ein schöner Erfolg", sagt Haux.

Die Idee für die Filme hatte Johanna Schwarz. Die 34-Jahre alte TV-Redakteurin ist in Krailling aufgewachsen und lebt seit 2015 mit Mann und Tochter Paula wieder hier. Im Februar ist sie aus der Elternzeit gestartet, hat freiberuflich erste Projekte übernommen. Dann kam Corona, und "es ging gar nichts mehr". Sie blieb mit dem eineinhalb Jahre alten Kind zuhause, "ich kam wochenlang nicht aus Krailling heraus", erzählt sie. Dabei habe sie gemerkt, dass es in der unmittelbaren Umgebung alles gibt, was sie zum Leben braucht. Viel aufregender aber fand sie, was alles neu entstand in der Krise. "Es gab so viel Positives." Bei ihren Spaziergängen hörte sie von einer 84 Jahre alten Frau, die Schutzmasken für die Bewohner des Altenheims näht, und von einem Verein, der Tablets für Senioren sammelte, damit diese ihre Verwandtschaft zumindest auf dem Bildschirm sehen können. Schließlich richtete die Gemeinde eine Drive-in-Teststation ein, und Schwarz fragte sich: Was passiert dort, wer nimmt die Abstriche, wie viele Menschen kommen täglich? In den Nachrichten verfolgte die Kraillingerin die Entwicklung der Pandemie auf der Welt, in Deutschland und Bayern. Niemand aber informierte sie, wie die Lage in Krailling war in unmittelbarer Nähe der Webasto-Zentrale, wo Ende Januar die ersten deutschen Coronavirus-Fälle auftauchten. Schwarz wollte informieren, und zwar auf ihre Art - in Bildern.

Im Rathaus war man sofort aufgeschlossen, "da haben wir natürlich zugegriffen", sagt Haux. An zwei Drehtagen nach Ostern besuchte Schwarz zusammen mit Azubis der Mediaschool Bayern den Bürgermeister, Alt-Bürgermeisterin Christine Borst, Vereine, eine Firma im Gewerbegebiet KIM, einen Wirt und einen Arzt. "Es war toll, wie alle mitgemacht haben", erzählt Schwarz. Die Bedingungen waren freilich für alle neu und ungewohnt. Das Mikro steckte in einer Plastiktüte, alle Mitarbeiter trugen Schutzmasken, jeder hielt Abstand. Ein Freund von Schwarz übernahm den Schnitt, eine Freundin sprach die Texte ein, alle arbeiteten ohne Honorar. Neun, beziehungsweise sieben Minuten lang sind die professionell produzierten Beiträge geworden, die Krailling in den Wochen strenger Ausgangsbeschränkungen zeigen. Zwei weitere Teile folgen demnächst. "Immer wieder wurden wir während unserer Arbeit gebeten, die Situation der Schulkinder zu beleuchten", erzählt Johanna Schwarz. Die Gemeinde gab die Produktion schließlich in Auftrag, und das Team um Schwarz besuchte Kraillinger Familien, Grundschule und Hort sowie eine Künstlerin.

Ob es darüber hinaus weitere "Kraillinger Gschichten" geben wird, ist noch offen. "Wir haben ein- bis zweiminütige Clips von den Bauarbeiten in der Ortsmitte geplant", sagt Haux. Er ist froh, dass bei Youtube unter dem Stichwort "Krailling" nun nicht mehr allein die Polizei-Pressekonferenzen zum Mord an zwei Kraillinger Mädchen 2010 auftauchen sowie Berichte über die Insolvenz früherer Tanklager-Eigentümer. Johanna Schwarz hat bereits neue Ideen, sie könnte sich zum Beispiel einen Beitrag über die Geschichte Kraillings und die historischen Gebäude im Ort vorstellen.

© SZ vom 06.06.2020

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