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Landkreis Starnberg:Kommunen investieren 74 Millionen Euro in 251 bezahlbare Wohnungen

Der Verband Wohnen steckt diese Rekordsumme in Neubauten in acht Gemeinden und modernisiert zwei Anlagen. Die Mieten in den Sozialwohnungen liegen bei 6,20 Euro.

Von Otto Fritscher

Es bleibt bei der Zahl der Neubauprojekte, doch nun ist auch die Finanzierung klar: Der Verband Wohnen, dem alle Landkreis-Gemeinden außer der Stadt Starnberg angehören, plant 251 neue, günstige Wohnungen bis 2022. Für diese Neubauprojekte in acht Orten werden nach der am Montag in der Verbandsversammlung beschlossenen Vorkalkulation 74,2 Millionen Euro investiert. "Das ist die größte Summe, die der Verband je für Neubauten ausgegeben hat", sagt Geschäftsführer Michael Vossen.

Nicht alles muss der Verband allerdings aus Eigenmitteln aufbringen oder über Kredite finanzieren. Rund 58 der 74 Millionen kommen als Zuschuss oder zinsgünstiges Darlehen aus einem kommunalen Wohnförderprogramm des Freistaats, 13 Millionen bringt der Verband aus Eigenmitteln auf, drei Millionen steuert der Landkreis bei. Die Kreisstadt gehört dem Verband Wohnen deshalb nicht an, weil es hier eine eigene Wohnbaugenossenschaft gibt.

Die Projekte sind bekannt, eines ist bereits fertiggestellt, und zwar in Krailling an der Lohfeldstraße mit 15 Wohnungen. 22 Wohnungen werden in Krailling an der Margaretenstraße gebaut. Seefeld kommt mit zwölf Wohneinheiten am Jahnweg zum Zug, in Inning werden 24 Wohneinheiten an der Gartenstraße errichtet. Größter Brocken in der Kalkulation sind die 70 geplanten Wohnungen am Kallerbach in Tutzing. In Weßling sind bereits zwölf Wohnungen am Narzissenweg im Bau, für weitere 18 an der Gartenstraße soll im April 2020 Baubeginn sein. In Wörthsee sind 30 Wohnungen an der Kuckuckstraße vorgesehen, Baubeginn im Mai 2019 - hier waren bislang 25 Wohnungen geplant. Die gleiche Zahl soll an der Osterfeldstraße in Berg gebaut werden, und in Gilching werden 18 Wohnungen am alten Rathaus errichtet. Insgesamt entsteht so eine Wohnfläche von 17 100 Quadratmetern in Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen.

Die Wohnungen werden von den Gemeinden vergeben, nach dem Kriterium der Dringlichkeit. Es sollen nicht nur Menschen mit einem sogenannten Wohnberechtigungsschein zum Zug kommen, in den Wohnungen können auch Menschen mit höherem Einkommen berücksichtigt werden, wenn die Gemeinden dies so wollen. Die Durchschnittsmiete in den Objekten des Verbandes beträgt zurzeit etwa 6,20 Euro pro Quadratmeter kalt, für Wohnungen, die an Mieter ohne Berechtigungsschein vergeben werden, verlangt der Verband rund zehn Euro pro Quadratmeter.

Der Verband würde gerne noch mehr bauen, doch es fehlen Grundstücke. "Wir müssen kostengünstig an Grundstücke herankommen", erklärt Vossen. Die marktüblichen Preise könne und wolle der Verband nicht zahlen, "denn das würde zwangsläufig zu höheren Mieten führen", so Vossen. Er würde eine großzügigere Ausweisung von Bauland durch die Kommunen begrüßen, kennt aber auch die Widerstände in den Gremien. "Wenn die Gemeinden mehr ausweisen könnten, wäre das günstig", sagt Vossen. Denn wirklich ausreichend günstigen Wohnraum zu schaffen, ist eine Herkulesaufgabe im hochpreisigen Landkreis Starnberg, der wie viele Gebiete im Großraum München unter enormem Zuzugsdruck steht.

Neben dem Neubauprogramm modernisiert der Verband jedes Jahr ein oder zwei Wohnanlagen und bringt sie auch energetisch auf den neuesten Stand. Nächstes Jahr ist die Anlage am Schönmoosweg 7 und 9 in Tutzing an der Reihe. Sie wurde 1959 errichtet und hat zwölf Wohnungen. Die Elektroinstallation entspricht zum Teil noch dem Originalzustand, auch eine Zentralheizung wird erstmals eingebaut. 1,1 Millionen Euro sind für diese "Großmodernisierung" vorgesehen, auch diese Summe billigte die Verbandsversammlung einmütig.

© SZ vom 09.10.2018

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