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Kinos im Landkreis Starnberg:Film ab!

Wiedereröffnung der Kinos

Zwar nur mit Maske und Test, aber immerhin: Diese Woche gibt es im Landkreis Starnberg wieder die ersten Kinovorstellungen nach sechs Monaten Corona-Pause.

(Foto: Robert Michael/dpa)

So lautet das Motto nach einem halben Jahr Zwangspause in den ersten beiden Kinos. Weil aktuelle Streifen fehlen, stehen Klassiker auf dem Programm.

Von Blanche Mamer

"Endlich wieder Kino!", schreibt der Gautinger Kinochef Matthias Helwig in einer E-Mail. Nach sechs Monaten Lockdown wird er seine Säle im Gautinger Breitwand schon an Christi Himmelfahrt, 13. Mai, wieder öffnen. Helwigs Filmtheater in Starnberg und Seefeld bleiben aber noch zu. Einen Tag nach ihm startet im Landkreis nur das Kurtheater Tutzing. Die Filmstation Gilching wartet noch ab, vor Mitte Juni wird sie wohl keinen Neustart wagen. Auch in der Kinowelt am Ammersee in Dießen bleibt die Leinwand vorerst dunkel: Ihre Homepage weist immer noch auf den Lockdown hin. Gleiches gilt für das Kino in der Alten Brauerei Stegen.

Bei der derzeitigen Inzidenz im Landkreis von knapp über 50 sind die Auflagen, die von der Bayerischen Staatsregierung für den Kinobesuch vorgegeben werden, noch sehr hoch. Auf jeden Fall ist ein Test nötig. "Dieser kann - wenn noch nicht geschehen - in der Bienen-Apotheke direkt neben dem Kino Breitwand Gauting vor dem Kinobesuch schnell gemacht werden", so Helwig. Denn dort gibt es einen besonderen Service: Von Donnerstag bis Sonntag steht ein mobiles Testzentrum jeweils von 14 bis 20 Uhr bereit.

"Ich bin noch etwas skeptisch, ob die Besucher die Auflagen auf sich nehmen, um wieder ins Kino gehen zu können", sagt Michael Teubig, Betreiber des Kurtheaters. Die Tutzinger seien seit Wochen "heiß" auf Kino und hätten ihn immer wieder ermuntert durchzuhalten. Das habe ihn ermutigt, die Öffnung zu wagen, in der Hoffnung, dass die niedrigen Inzidenzzahlen bleiben und den Spielbetrieb dauerhaft ermöglichen. An diesem Freitag, 14. Mai, ist es so weit, dann macht das Tutzinger Kino wieder auf. Unter Einhaltung der von der Staatsregierung aktuell verfügten Hygieneregel. So muss man auch während der Vorstellung eine FFP 2- Maske tragen und auf Getränke, Popcorn oder andere Süßigkeiten verzichten.

"An der Kasse muss ein tagesaktueller Corona-Negativ-Test vorgelegt und der neu eingerichtete QR-Code des Kurtheaters gescannt werden, um eine eventuelle Nachverfolgung durch das Gesundheitsamt zu ermöglichen. Komplett geimpfte Personen müssen einen Impfpass vorlegen, an Covid Genesene brauchen eine schriftliche Bestätigung", erklärt Teubig das Prozedere. Die Möglichkeiten, sich testen zu lassen, seien gut. "Wir sind nur zirka 150 Meter vom Krankenhaus entfernt, dort wird von 7 bis 12.30 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr getestet. Der Test kostet nichts, eine Anmeldung wird nicht benötigt. Auch das Ärztehaus, das über eine Teststation verfügt, ist in unmittelbarer Nähe", so der Kinobetreiber.

Matthias Helwig, Eigentümer des Kinos in Gauting.

(Foto: Kino Gauting)

"Bei mir fiel als erstes die Entscheidung, die Terrasse des Restaurants 'Tati' wieder aufzumachen und damit wieder mit der Gastronomie zu starten", sagt Helwig. Daraus ergab sich, auch den Kinobetrieb wieder zu öffnen. Leider gebe es bis Mitte Juni keine aktuellen Filme, doch es sei dem Team gelungen, ein gutes Programm zusammen zu stellen, sagt Helwig. So steht der Publikumsliebling des letzten Fünfseen-Filmfestivals, "Vor mir der Süden" von Pepe Danquart, der noch einmal Pasolinis Italienrundfahrt von damals unternimmt, auf dem Programm.

Ferner läuft der Gewinner des vergangenen Festivals in der Sektion Perspektive Junges Kino, "Acasa my home". Und es gibt zwei Filme mit Martina Gedeck, die soeben mit dem Bayrischen Filmpreis geehrt wurde. Helwig sagt: "Gerettet hat uns die Bereitschaft von mehr als hundert Filmliebhaber und Liebhaberinnen, eine Patenschaft zu übernehmen. Aus der Liste ihrer Lieblingsfilme zeigen wir in den nächsten Wochen mehrere Kino-Klassiker, wie 'Cinema Paradiso' am Pfingstsonntag."

Tutzing: Kurtheater: Kichael Teubig in der Coronakrise

Michael Teubig, Chef im Kurtheater Tutzing.

(Foto: Nila Thiel)

Für Teubig spielt es keine Rolle, dass die großen Verleiher ihre fertigen Filme noch nicht freigeben. "Das Kurtheater ist nicht auf die noch zögerlichen Film-Neustarts angewiesen, sondern kann aus dem großen Angebot kleinerer Verleiher Filme zeigen, die bisher in Tutzing noch nicht zu sehen waren. Wir werden mit Filmen wie 'Die Stimme des Regenwaldes', 'Tonsüchtig' oder der bayerischen Komödie 'Mit dem Rückwärtsgang nach vorn' eröffnen."

"Wir machen noch nicht auf", sagt dagegen Ulf Manewal, einer der beiden Chefs der Filmstation Gilching. "Wir warten ab, bis sich die Situation stabilisiert hat und die Verleiher ihre großen Produktionen auf den Markt bringen." Er finde zudem, dass die Restriktionen zu hart seien. "Wer will schon am Platz eine Maske tragen?" Hinzu komme noch die Verpflichtung zum aktuellen Test - "wie soll das am Wochenende funktionieren?", fragt er. Sein Resümee: "Alles in allem ist das kein schönes Kinoerlebnis!"

Was das finanzielle Überleben betrifft, komme es nach sechs Monaten Zwangspause auf ein paar Tage mehr auch nicht mehr an, findet Manewal. Für die Pfingstferien wird nun überlegt, beliebte Kinderfilme erneut zu zeigen oder das Kino für besondere Events zu vermieten. Vor Mitte Juni rechne er nicht mit einem Neustart. Bis dahin würden die Hürden eventuell wegfallen, hofft der Kinochef.

© SZ vom 12.05.2021/van
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:Starnberger Kino auf der Kippe

Matthias Helwig kämpft um die Existenz seiner drei Kinos und kündigt schon dem zweiten Mitarbeiter. Im Interview erzählt er, dass er kurz davor war, das Filmtheater in Starnberg zu schließen.

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