Starnberg:Frischer Wind für die Wirtschaft

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Starnberg: Katja Lindo ist seit Herbst Vorsitzende im Regionalausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK), im Hauptberuf ist sie Geschäftsführerin des Tagungshotels La Villa in Niederpöcking.

Katja Lindo ist seit Herbst Vorsitzende im Regionalausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK), im Hauptberuf ist sie Geschäftsführerin des Tagungshotels La Villa in Niederpöcking.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Katja Lindo hat nun auch offiziell den Vorsitz im IHK-Regional-Ausschuss übernommen. Wer ist die Frau, die Probleme eher als Herausforderungen sieht?

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Katja Lindo ist auf die Minute genau pünktlich. Mit Vorgeplänkel und Smalltalk hält sich die Wirtschaftswissenschaftlerin, die auch Sportmanagement studiert hat, nicht auf. Die 46-Jährige wirkt extrem diszipliniert und steigt sofort ins Thema ein. Als Geschäftsführerin des Niederpöckinger Tagungs- und Seminarhotels "La Villa" hat sie eigentlich einen Fulltime-Job. Zumal sie sich dem Haus sehr verbunden fühlt, da es ihrem verstorbenen Vater gehört hat. Doch damit gibt sich die Power-Frau, die 20 Jahre in den USA gelebt und gearbeitet hat, nicht zufrieden. Privat vertritt sie ihre zwei Kinder in verschiedenen Elternbeiratsgremien, bietet Coaching-Kurse für alleinerziehende Frauen an und kümmert sich um ihre pflegebedürftige Mutter. Als aktives FDP-Mitglied in ihrer Heimatgemeinde Grünwald mischt sie zudem ehrenamtlich in der Kommunalpolitik und im Vorstand des regionalen Unternehmerverbands mit. Jetzt hat sie auch noch den Vorsitz im IHK-Regionalausschuss übernommen. Auf die Frage, wie sie das alles schafft, antwortet sie leichthin: "Ich bin extrem effizient. Ich hasse Zeitverschwendung" Sie fühle sich zwar ausgelastet, aber auch ausgewogen. Zum Ausgleich treibe sie sehr viel Sport.

Ihrer Meinung nach kommt es immer auf die richtige Balance an. Wichtig sei es, sich Auszeiten zu nehmen, Grenzen zu setzen auch mal Nein sagen zu können. Das hört sich leicht an, ist es aber nicht: Auch ihr Tag hat nur 24 Stunden. Doch nicht nur in ihrem Unternehmen, sondern auch bei ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten will sie etwas verändern. "Das finde ich spannend", sagt sie. Probleme, beispielsweise Corona, betrachte sie als Herausforderung. Es komme nicht allein darauf an, Feuer zu löschen, man könne auch daraus lernen. In ihrem neuen Job als IHK-Vorsitzende will sie nicht nur den Status quo erhalten. "Alle reden davon, dass wir frischen Wind brauchen. Dann braucht man auch jemanden, der den Umschwung verkörpert", betont Lindo. Wenn die anderen mitziehen, werde sie gerne die "Vorprescherin" geben. Lindo hofft, dass sie die Ausschussmitglieder motivieren kann, sie dabei zu unterstützen. Die Unternehmerin will störrische, unflexible Grenzen aufbrechen und "ertasten", was möglich ist.

Kommunikation, Digitalisierung und Bildung müssen optimiert werden

Nach dem Rücktritt ihres Vorgängers Martin Eickelschulte im Herbst vergangenen Jahres hatte Lindo den Vorsitz kommissarisch übernommen und die Erfahrung gemacht, dass die IHK sehr gute Arbeit leistet. Manches allerdings sei veraltet. Jetzt gelte es zu nutzen, dass sich viele Unternehmen um einen Standort in der Region bemühen. Daher will sie beispielsweise in den Bereichen Kommunikation, Digitalisierung und Bildung Optimierungen erreichen. Zunächst müsse die Digitalisierung vorangetrieben werden, ist Lindo überzeugt. Die gehe nicht so schnell voran, wie sie sollte. Das treffe auch auf Schule und Ausbildung zu. "Wir haben noch Kupferkabel, da bin ich sehr enttäuscht." Zwar müsse die Digitalisierung auf Bundesebene erfolgen, aber regional könne man die IHK-Angebote nutzen und die Unternehmer mit entsprechenden Informationen ausstatten, beispielsweise zur Cyber-Security. Großen Handlungsbedarf sieht die Geschäftsführerin auch beim Thema Fachkräftemangel. Wichtig ist ihrer Ansicht nach, dass es nicht genügt, Mitarbeiter anzuwerben, sie müssten auch bleiben. "Da ist Einfühlungsvermögen, Psychologie und Kommunikation gefragt", aber auch die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Lindo freut sich auf ihre neue Aufgabe. Falls ihr die Arbeit einmal zu viel werden sollte, könne sie ja das eine oder andere Ehrenamt wieder abgeben, "aber natürlich nicht die IHK", erklärt sie.

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