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Landkreis Starnberg:So lief die Woche im Homeschooling

Homeschooling in der Corona-Krise, 2020

Mit Tablet und Lateinbuch: Die meisten Schüler im Landkreis lernen derzeit zu Hause und kommen mit der Technik gut zurecht. Trotzdem belastet Homeschooling Kinder und Eltern.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Schulen setzen Konferenzsysteme wie "Big Blue Button" und "Teams" ein, um Kinder und Jugendliche daheim zu unterrichten. Trotzdem vermissen die meisten ihre Klassenkameraden.

Von Sabine Bader

Wer den Begriff "Big Blue Button" kennt, der ist ziemlich sicher Mutter oder Vater eines Grundschulkindes, das gerade Homeschooling macht. Der Landkreis Starnberg hat die Lizenzen für dieses Videokonferenztool speziell für die Grundschüler angeschafft, erklärt die Söckinger Rektorin Petra Fromm-Preischl. Nach einer Woche Homeschooling in der Corona-Pandemie zieht sie Bilanz: "Es läuft ganz gut." Denn das Tool sei leicht zu bedienen, auch die Kleinen kämen damit zurecht. Es gibt aber auch eine schlechte Nachricht: In Spitzenzeit, wenn viele Schüler gleichzeitig auf das Programm zugreifen, bricht es gern zusammen. Es ist nicht besonders stabil, was Kinder wie Eltern nervt.

In Söcking nutzen die Lehrer daher verschiedene Plattformen, um mit den Schülern zu kommunizieren. Es gibt eine virtuelle Pinnwand, Padlet genannt, die die Schüler von der ersten Klasse an auf den Computern ihrer Eltern bedienen könnten. Hier lassen sich, wie auch per E-Mail, Fragen stellen und beantworten. Ein- bis zweimal täglich tritt jede Klasse dann mit ihrem Lehrer in eine Videokonferenz über den "Big Blue Button" ein. Kommunikationsportale wie "Teams" werden erst in weiterführenden Schulen genutzt.

Da die Lehrer wissen, dass derzeit den Eltern besonders viel abverlangt wird, sind sie auch dazu übergegangen, für jedes Kind einmal wöchentlich eine Arbeitsmappe zusammenzustellen, in der die Arbeitsblätter und Aufgaben für die ganze Woche enthalten sind. So müssen sich die Eltern nicht mit dem Kopieren von Arbeitsblättern abmühen. Die Eltern oder Kinder holen die Mappen zu einem festen Zeitpunkt an der Schule ab und bringen die bearbeiteten Blätter und Einträge zur vereinbarten Zeit zurück zur Korrektur. Eine Aktion, die sich leicht mit einem kleinen Spaziergang verbinden lässt.

18 der 21 Lehrer in Söcking arbeiten derzeit von zu Hause aus. Etwa zehn Prozent der 234 Schüler besuchen die Notbetreuung. "Viele Eltern unserer Schüler sind Ärzte oder Pfleger, sie müssen zwangsläufig arbeiten und ihre Kinder in die Notbetreuung geben", sagt die Rektorin. "Nicht nur für Eltern und Lehrer ist die derzeitige Situation eine große Belastung - auch für die Kinder. "Sie vermissen ihre Mitschüler." Die Erfahrung der Rektorin: "Den Kindern ist alles lieber als Distanzunterricht - Maske tragen, Abstand halten und frieren beim Lüften." Fromm-Preischl: "Und wir vermissen die Kinder sehr."

Reinhard Schlamp wirkt einigermaßen entspannt, obwohl er gerade selbst im Home-Office arbeitet und von seinen vier Kindern drei ebenfalls zu Hause die Schulbank drücken. "Das ist der Spagat, den auch ich zu machen habe", sagt er. "Ich kann mich also sehr gut in die Eltern hineinversetzen." Mit dem bisherigen Verlauf des Homeschoolings ist der Konrektor der Realschule Gauting vielleicht schon deshalb so zufrieden, weil 26 der 34 Klassen an seiner Schule schon jetzt reine iPad-Klassen sind und den Schülern darum der Umgang mit dem Medium bestens vertraut ist. Die Jugendlichen in den restlichen Klassen können sich aus dem Leihgeräte-Pool der Schule mit iPads ausstatten, sodass jetzt alle 1000 Schüler in Gauting homeofficetaugliche Geräte vor sich haben müssten. Gearbeitet wird mit der Onlineplattform "Teams". Die Schule hat einen eigenen Server. Das System ist laut Schlamp stabil. Man fliege also nicht ständig raus. "Das klappt gut, weil wir seit acht Jahren diesen Weg gehen", sagt er. Schlamp ist neben Englisch- und Sport- auch IT-Lehrer.

Aus dem ersten Lockdown hat das Lehrerteam in Gauting gelernt, dass es wichtig ist, den Schülern einen klar strukturierten Schulalltag zu bieten. "Das wissen auch die Eltern zu schätzen", weiß Schlamp. Das bedeutet: Um 7.45 Uhr beginnt jeder Tag mit einer Anwesenheitskontrolle. Jeder Lehrer entscheidet dann selbst, ob er die nächsten 45 Minuten per Videokonferenz unterrichtet oder den Schülern Lernaufträge gibt, die es im Verlauf der Stunde zu bewältigen gilt. Wichtig sei, dass der Online-Unterricht klar vor- und nachbereitet werde.

Unterrichtet im Home-Office: Heike Zellner.

(Foto: Arlet Ulfers)

So hält man es auch am Landschulheim Kempfenhausen. Heike Zellner unterrichtet seit mehr als 30 Jahren am Gymnasium Mathematik und Physik - derzeit im Home-Office. Bereits im ersten Corona-Lockdown hat sie viel Erfahrung gesammelt. Neu ist jetzt, dass auch an ihrer Schule mit der Plattform "Teams" gearbeitet wird. Kein Wunder, dass es da am ersten Tage einige Probleme zu lösen galt; die letzten Technikfragen hat Zellner an diesem Abend um 20 Uhr beantwortet. Aber jetzt laufe das Ganze rund. "Wir versuchen auch, die Eltern möglichst zu entlasten und alle Fragen mit den Jugendlichen direkt zu klären", sagt die 58-jährige Studiendirektorin. Wer zu Hause kein iPad hat, könne sich eines an der Schule leihen. Generell hat Zellner die Erfahrung gemacht: Kinder, die im normalen Schulalltag engagiert dabei sind, die sind es auch im Homeschooling. Für Letzteres gilt: Jeden Morgen gibt es in der ersten Stunde eine Anwesenheitskontrolle. Zumindest jede zweite Stunde sollte in jedem Fach ein Videomeeting stattfinden. Zellner arbeitet auch viel mit dem digitalen Klassennotizbuch. Es dient ihr als Speicher, in den sie die Aufgaben einstellen kann und in dem sie jederzeit bei jedem Schüler Einsicht nehmen kann. Die Schüler wiederum können die Aufgaben darin auch bearbeiten.

Natürlich ist es derzeit für Heike Zellner problematischer, den Schülern etwa in der Geometriestunde im Homeschooling das Zeichnen von Winkeln beizubringen als im Präsenzunterricht, wo man schnell mal durch die Reihen gehen und kontrollieren kann, ob es alle verstanden haben. Per Videoschalte ist das eben aufwendiger.

© SZ vom 16.01.2021
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