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Landkreis Starnberg:Glückliches Gegacker

Täglich frische Eier bei rund 300 Hühnerhaltern im Landkreis Starnberg: Das Interesse an Bio-Produkten wächst.

"Ein Ei ist ein vollkommenes Produkt. Ich bin immer wieder ganz begeistert und lobe meine Hennen dafür, dass sie uns so schöne Eier liefern." Kreisbäuerin Anita Painhofer aus Geisenbrunn gerät richtig ins Schwärmen, wenn sie von ihrem kleinen Hühnerhaufen spricht. Es sind acht frei laufende Hennen, die von früh morgens bis zur Abenddämmerung durch den Obstgarten trippeln, umherschauen, scharren, picken und fast jeden Tag ein Ei legen und dies dann mit lautem Gegacker kund tun. "Sie sind schon sehr verwöhnt", meint ihre Besitzerin. Ihre eigene Familie sei auch sehr verwöhnt, denn wo sonst gebe es so frische Eier zum Frühstück. Die Hennen landen auch nicht nach eineinhalb Jahren im Kochtopf, sondern haben das große Privileg, dass sie eines natürlichen Todes sterben dürfen. Sie sind demnach wohl glückliche Hühner.

Preise fuer Eier entwickeln sich unterschiedlich

Der Eier-Konsum steigt stetig: Nach der jüngsten Statistik liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 214 Eiern im Jahr. 2005 waren es noch 205 Eier pro Mensch und Jahr.

(Foto: ddp)

Auch die zehn Hennen und der alte Hahn von Josef Keller aus Buchendorf dürfen noch so leben wie schon ihre Urururahnen. Sie spazieren rund um das Haus, über die angrenzende Pferdekoppel, über die Dorfstraße, scharren im Pferdemist und im Unkraut an der Mariensäule. Und zwingen die Autofahrer zum langsam fahren.

Insgesamt 304 Hühnerhalter zählt die Statistik des Landratsamts im Landkreis Starnberg. Zu den Haltern zählen auch Privatleute, die sich eins, zwei oder drei Hühner als Haustiere im Garten halten. Auch sie müssen ihren Bestand beim Veterinäramt melden. Seit dem Auftreten der Vogelgrippe 2006 wird verstärkt auf diese Verordnung geachtet. 261 Halter haben laut Amt bis zu 50 Hühner, 29 besitzen 50 bis 250, neun haben 250 bis 1000 und in fünf größeren Betrieben werden 1000 bis 2500 Hennen gehalten. Im Vergleich: In ganz Bayern wurden im vergangenen Jahr 131 Betriebe mit mindestens 3000 Legehennen gezählt.

Der Eier-Konsum steigt stetig: Nach der jüngsten Statistik liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 214 Eiern im Jahr. 2005 waren es noch 205 Eier pro Mensch und Jahr. Auch die Nachfrage nach Eiern aus Freilandhaltung und nach Bio-Eiern steigt. Das liege nicht nur an den Futterskandalen, sondern allgemein am steigenden Gesundheitsbewusstsein, meint Mathilde Grünfelder, Marktleiterin im Edeka in Stockdorf. 60 Prozent der Kunden verlangen mittlerweile Bio-Eier oder Eier der Regionalvermarktung "Unser Land", sagt sie. Die Kunden beachten genau, woher die Eier kommen.

Eier von der Vermarktungsgemeinschaft Starnberg Land stammen vom Hof von Franz Haas aus Unering, der seit 2009 liefert und garantiert, dass das Futter ohne Einsatz von Gentechnik hergestellt wurde. Das garantieren indes auch andere Hühnerhalter aus der Region, die hauptsächlich ab Hof verkaufen.

Zum Beispiel Petra Heidrich vom gleichnamigen Eierhof in Frohnloh, die von den rund 1200 Hennen aus Bodenhaltung mit überdachtem Auslauf im Schnitt täglich rund 1100 Eier einsammelt. Grünfutter, Getreide und Mais stammten von den eigenen Feldern berichtet sie; mit dem eigenen Anbau von Sojabohnen soll jetzt begonnen werden.

Die Kunden würden durch Nachrichten über Futtermittelskandale und mit Bildern von Hühnern aus Legebatterien total verunsichert, klagt Bernd Adleff aus Olching, Vorsitzender des Landesverbandes der Bayerischen Geflügelwirtschaft. Er plädiert dafür, den Kunden selbst entscheiden zu lassen. Selbst die Kleingruppenhaltung in Käfigen, die auch nach dem strikten Käfigverbot noch erlaubt ist, werde abgelehnt, moniert er. Obwohl das einer artgerechten Haltung entspreche und die gesündesten Eier ergebe. Die Hühner hätten Sitzstangen, Torfmatten zum Scharren und zum Eierlegen einen Staubboden.

Ein gesundes Huhn brauche Auslauf. In 20 Minuten lege es eine Distanz von bis zu 140 Metern zurück: Das hatte der Gautinger Kollegiat Max von Aulock vor einigen Jahren in seiner Biologie-Facharbeit herausgefunden und war dafür mit einem Sonderpreis bei "Jugend forscht" ausgezeichnet worden.