bedeckt München 13°

Gastronomie in der Corona-Krise:Ein Prosit der Gemütlichkeit

Gauting, Viktor's Bar Restaurant Café

Andreas Tolle in seiner Cocktail-Bar: Anfangs hat er in diesem Raum Eis in der Waffel verkauft.

(Foto: Georgine Treybal)

Der Gautinger Wirt Andreas Tolle vom "Victors" erweitert ständig sein Angebot - nun veranstaltet er eine Party mit Oktoberfestmusikern.

Von Michael Berzl

Gerry und Gary werden jetzt wohl öfter nach Gauting kommen. Die beiden Musiker machen sonst mit ihrer Band Stimmung im Käfer-Zelt auf dem Oktoberfest, an diesem Freitag treten sie bei einer "Wiesn-Gaudi" vor "Victors Restaurant" an der Münchner Straße auf. Das Live-Konzert ist eine Premiere, der Wirt Andreas Tolle plant aber schon weitere Termine. Damit erweitert er erneut sein Angebot. "Wir werden jetzt ein bisschen sichtbarer werden", sagt der 55-jährige Restaurantbetreiber, der die Gastronomie in der Ortsmitte vor gut zwei Jahren übernommen hat. Mehrere Wirte vor ihm waren dort gescheitert, Tolle hingegen expandiert, entwickelt ständig neue Ideen und investiert eine Menge Geld.

Angefangen hat Tolles gastronomisches Engagement vor zehn Jahren mit den "Schlemmer-Kids", einem Catering-Service für Schulen und Kindergärten, der täglich bis zu 500 Essen ausliefert; unter anderem nach Nymphenburg, Neuried und Herrsching. Unter dem Namen "Victors" ist in den Räumen des früheren Wienerwald nach einem umfangreichen Umbau nach und nach einiges hinzugekommen: zunächst eine Eisdiele mit Café, dann ein Restaurant mit etwa 80 Sitzplätzen in edlem Ambiente mit Bar und weiß gedeckten Tischen, teuren Textiltapeten und indirekter Beleuchtung; außerdem ein Mittagsmenü zum Business-Lunch, nun ein Café im Pavillon und zuletzt eine Cocktail-Bar mit gelerntem Barkeeper. Insgesamt etwa 15 Mitarbeiter beschäftigt er mittlerweile. In den Ferien haben auch seine beiden 13 und 16 Jahre alten Söhne Victor und Laurence schon mitgeholfen.

"Nach Corona sind wir gestärkt aus der Krise hervorgegangen", sagt Tolle. "Das wird respektiert, wenn jemand in der Zeit noch Geld in die Hand nimmt." Zum Beispiel, um den Pavillon innen und außen neu zu streichen und etwas ansehnlicher zu gestalten. Etwa eine halbe Million habe er insgesamt zusammen mit seinem Vermieter investiert.

Tolle ist auf Einnahmen aus dem Lokal nicht angewiesen. Nach vielen Jahren im Management verschiedener multinationaler Firmen verdient er jetzt sein Geld mit Immobiliengeschäften im hochpreisigen Segment, gerne in Toplagen; Wirt ist er eher aus Leidenschaft. Und mit Begeisterung. Tolle ist morgens oft der erste im Restaurant, schaltet schon einmal die Kaffeemaschine an, ehe die ersten Mitarbeiter kommen, stellt Stühle und Tische raus, füllt die Frigomat-Eismaschine nach und räumt auch mal den Müll weg. Ehe er Zeit hat für ein Gespräch, serviert er noch schnell Kaffee. Langsam füllen sich zur Mittagszeit hin die Tische im Freien.

Tolle hat viele Kontakte in die Münchner Gastronomie, Michael Käfer nennt er den "Michi". Ob sich die erste Wiesn-Gaudi finanziell rentiert, muss sich erst herausstellen. Genug Platz ist jedenfalls vor dem "Victors"; auf Abstand werde geachtet, versichert der Betreiber. Rund um einen Brunnen werden Biertische und Bänke aufgestellt. Pflanzkübel sollen verhindern, dass diese näher zusammen gerückt werden. Zum Bier gibt es Würstchen und Grillfleisch in der Semmel. Mit etwa 200 Besuchern rechnet der Wirt, die Stimmungskapelle habe selbst eine große Fangemeinde. Weitere vier Auftritte mit den Wiesn-Musikern sind schon geplant.

© SZ vom 11.09.2020

SZ PlusReden wir über München
:Der Kleine mit dem großen Glück

Richard Süßmeier, eine Münchner Wirte-Legende, wird 90 Jahre alt. Was ihm dabei half, bekannt zu werden, weshalb er Peter Gauweiler so gerne ärgerte und wie er die Zukunft des Oktoberfests sieht.

Interview von Franz Kotteder

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite