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Coronavirus im Landkreis Starnberg:Kostenlose FFP2-Masken: Ansturm auf Apotheken

Starnberg: Stadtapotheke - FP2 Masken

Der Olympia-Apotheke in der Maximilianstraße gehen schon mittags die FFP2-Masken aus.

(Foto: Nila Thiel)

Vielerorts warten Senioren und Angehörige von Risikogruppen in langen Schlangen. Manche Pharmazeuten versuchen, "Masken-Hopping" zu unterbinden.

Von Christian Deussing

Die Apotheken sind am Dienstag regelrecht überrannt worden, die älteren Kunden haben nur eines gewollt: den kostenlosen Dreierpack der FFP2-Masken zum Schutz vor dem Coronavirus. Geduldig warten sie vor den Eingängen, wie Ulla Endres in der Schlange vor der Stadt-Apotheke in Starnberg. Die 77-jährige Rentnerin ist erleichtert. "Diese Masken geben mir mehr Sicherheit, denn ich bin vorsichtig." Hinter ihr steht die 61-jährige Verkäuferin Pia Jeschke mit modischer "Wild"- Stoffmaske, die sie sogleich gegen eine weiße Maske tauscht. Die Frauen sind älter als 60 Jahre und damit berechtigte Empfänger. Das ist aber auch eine erst 56- jährige Starnbergerin, die als Diabetikerin zu den Corona-Risikogruppen gehört, die ebenso FFP2-Masken mit Ausweis und Selbstauskunft in den Apotheken abholen dürfen.

Nach nur 90 Minuten und etwa 550 ausgegebenen Masken muss schon am Mittag der Inhaber der St.-Raphael-Apotheke in der Kreisstadt den ersten Nachschub über einen Lieferanten aus Dachau ordern. "Der Andrang ist enorm", sagt Inhaber Raphael Felber. Der Bedarf sei künftig nur noch über eine Einkaufsgemeinschaft von 50 Apotheken im Großraum München zu decken, zu denen auch er gehöre. Für die speziellen Masken hat Felber nach eigenen Angaben bereits mehr als 10 000 Euro als Vorleistung investiert. Die Vergütung sei zwar noch unklar, aber wichtig sei es, nun mit den Masken besonders den älteren und kranken Menschen zu helfen, betont der 43-jährige Apotheker, der alle Hände voll zu tun hat.

Starnberg: Stadtapotheke - FP2 Masken

Apothekerin Constanze Hechtl hat wie am Fließband zu tun.

(Foto: Nila Thiel)

Um den Ansturm zu bewältigen, hat der Gilchinger Apotheker Stefan Hartmann kurzfristig Buden des ausgefallenen Christkindlmarktes vor dem Rathaus zu Ausgabestellen umfunktioniert, genehmigt vom Bürgermeister. Bis zu 25 Meter lang sind die Schlangen, in wenigen Stunden sind 2000 FFP2-Masken vergeben - aber nur an Gilchinger und Allinger, um ein "Masken-Hopping" zu verhindern, wie Hartmann erläutert. Er ist Präsident des Bundesverbandes Deutscher Apothekenkooperation und steuert die Einkaufsgemeinschaft in der Region.

Unter Druck steht auch Helen Brugger, Inhaberin der See-Apotheke und St.-Nikolaus-Apotheke in Herrsching. "Bei mir standen die ersten Leute schon vor Geschäftsöffnung an der Tür", berichtet sie. In beiden Apotheken wurden bis 15 Uhr bereits 2300 Schutzmasken überreicht, die Kunden wollten laut Brugger "zu 90 Prozent" nur eines: FFP2-Masken. Man habe schon per Express nachbestellt, sagt Brugger, die zudem Landkreis-Sprecherin des Bayerischen Apothekerverbandes ist und von einer "logistischen Herausforderung" ihrer Branche spricht.

Starnberg: Stadtapotheke - FP2 Masken

Bis auf den Bürgersteig stehen die Kunden vor der Stadt-Apotheke in Starnberg, um die kostenlosen Schutzmasken abzuholen.

(Foto: Nila Thiel)

Das würde auch Birgit Ohm, Chefin der Seefelder Schloss-Apotheke, unterstreichen. Sie habe bereits am Vormittag 120 Kunden in ihrer Apotheke Masken ausgehändigt, eine Weßlingerin jedoch abweisen müssen. Denn es seien auch die vielen, sehr alten Stammkunden zu bedenken, die noch Masken bräuchten, sagte Ohm.

© SZ vom 16.12.2020
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