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Corona-Lockdown:Brandbrief an Parteifreund Markus Söder

Manfred Herz, Gewerbereferent und CSU-Kreisrat, sieht Existenzen mit schwerwiegenden Folgen bedroht.

(Foto: Privat)

Der Starnberger Kreischef der Mittelstandsunion und Unternehmer Manfred Herz aus Gilching warnt vor einer Pleitewelle im Einzelhandel und sieht den Wettbewerb extrem verzerrt.

Von Christian Deussing

Der Unternehmer und CSU-Gewerbereferent Manfred Herz aus Gilching ist erzürnt und hat kein Verständnis mehr für die Corona-Politik mit den weiter fehlenden Öffnungsperspektiven. In einem Brandbrief an seinen Parteifreund, Ministerpräsident Markus Söder, warnt der Kreisrat vor einer "Corona-Pleitewelle im Einzelhandel" und bedrohten Existenzen auch im Landkreis Starnberg - selbst bei Firmen, die vor der Pandemie solide und nachhaltig aufgestellt gewesen und nun durch den erneut verlängerten Lockdown in "Schieflage" geraten seien.

Der monatelang angestrebten Inzidenzwert 50, bei dem es endlich Lockerungen hätte geben sollen, sei auf 35 herabgesetzt worden, schreibt Herz, der auch Vorsitzender der CSU-Mittelstandsunion im Landkreis ist. Damit habe die "Politik ohne Rücksicht auf breite Berufsgruppen ein Versprechen gebrochen", was nicht die Spur von Verlässlichkeit zeige. Herz betont, dass die Hygieneauflagen natürlich zu beachten seien und soziale Kontakte reduziert werden müssten. Aber man könne "doch nicht Zehntausenden von Einzelhändlern, Gastwirten und anderen Selbständigen ihre Existenzgrundlagen und Perspektiven nehmen".

Zudem trifft es nach Ansicht von Herz nicht zu, dass die ohnehin verspäteten Corona-Hilfen die Verluste ersetzen würden. Denn dies geschehe im besten Fall nur teilweise bei den Miet- und Nebenkosten, führt der Diplom-Betriebswirt im Brief an Söder an, den er schon aus gemeinsamen Zeiten in der Jungen Union kennt. Man dürfe nicht dauerhaft die Wirtschaft herunterfahren, so Herz. Der 59-Jährige verweist darauf, dass Mitarbeiter im Nonfood-Einzelhandel mit dem Kurzarbeitergeld nur gut die Hälfte ihres Nettogehaltes erhielten und darüberhinaus Beschäftigte über Monate zu einem "deprimierenden und erniedrigenden Nichtstun verurteilt" seien.

Der Geschäftsmann verlangt, verhältnismäßig und nach Grundsätzen der Gleichbehandlung zu handeln. In seinen Heimwerkermärkten, die derzeit geschlossen sind, würden sich üblicherweise zehn bis 20 Kunden gleichzeitig auf etwa 800 Quadratmetern Fläche aufhalten. Doch im Supermarkt nebenan reiche es aus, wenn ein Kunde nur zehn Quadratmeter zur Verfügung habe. Zudem sei es "extrem wettbewerbsverzerrend", wenn Discounter und Drogeriemärkte seit Monaten schon Sortimente wie Blumensträuße, Spiel- und Haushaltswaren anbieten dürften und den Fachgeschäften das nicht erlaubt sei. Dies ergebe "doch keinen Sinn", schreibt Herz. Der Unternehmer fordert Söder auf, zu erlauben, dass spätestens von Mitte März an die Gastronomie, kulturelle Einrichtungen und der Einzelhandel mit bewährtem Hygienekonzept wieder öffnen dürfen, damit eine Verödung und beispiellose Pleitewelle in der mittelständischen Wirtschaft verhindert werde.

Auch Christoph Winkelkötter von der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (GWT) Starnberg spricht von einer dramatischen Situation und einem weiteren "Nackenschlag" für die Fachhändler, was der Service "Click and Collect" nicht kompensieren könne. "Wir müssen es schaffen, ein Öffnungsszenario und einen Lockerungsplan zu entwickeln", so Winkelkötter.

© SZ vom 18.02.2021
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