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Einkaufen und Coronavirus:Erst testen, dann shoppen

Die Geschäfte im Landkreis Starnberg dürfen trotz der hohen Inzidenz offen bleiben. Doch der Anfang läuft schleppend. So funktioniert's.

Von Sophia Linnenbrink, Gauting

Ein Tisch in der Eingangstür blockiert den Durchgang. Darauf stehen eine große Sprühflasche Desinfektionsmittel und ein Block, in dem die Kontaktdaten festgehalten werden. "Am Vormittag hatte ich die erste Kundin mit einem negativen Test", sagt Irma Fahle, die Inhaberin des Spielzeuggeschäfts "Moppelfritz" in Gauting. Das war am Dienstag, am Montag war gar kein Kunde mit Test zum spontanen Shoppen gekommen - nur solche, die vorbestellte Waren abholten. Fahle sagt: "Es muss sich erst bei den Kunden manifestieren, wie unkompliziert es ist, einen Schnelltest zu machen."

Die Inzidenz ist Anfang der Woche im Landkreis über den Grenzwert von 100 gestiegen, trotzdem dürfen die Menschen weiter einkaufen - wenn sie einen Termin im Geschäft buchen und einen aktuellen, negativen Corona-Test vorlegen können. Sogar ein Selbsttest an Ort und Stelle ist möglich. Der Freistaat hatte die Regeln gelockert. Aber das muss sich im Landkreis offenbar erst noch herumsprechen.

Die Inhaberin vom "Moppelfritz" bleibt optimistisch. Ihr Lachen ist auch noch unter ihrer FFP-2-Maske erkennbar. "Wir versuchen, fröhlich zu bleiben. Hilft ja nichts", sagt Irma Fahle. Der Laden lebe von Stammkundschaft. Da die Kindergeburtstage derzeit ausfallen, sei der Umsatz "kein Vergleich", vor allem Anfang des Jahres. "Richtig schlecht lief es da", erinnert sich Fahle. Der März sei dagegen schon besser gewesen. Nun bietet der April eine neue Einkaufsmöglichkeit.

"Kein einziger" lautet die Antwort von Marc Schürhoff auf die Frage, wie viele Kundinnen und Kunden seine Buchhandlung Kirchheim in Gauting bisher mit einem negativen Test aufsuchten. "Theoretisch ist das eine gute neue Möglichkeit. Das Hauptproblem ist das Hin und Her", sagt Schürhoff. Zurzeit kauften die meisten Leserinnen und Leser "Click & Collect" ein und holen bestellte Bücher ab. "Die Leute sind das jetzt gewohnt", sagt Mitarbeiterin Arlette Eichhorn.

Auch in der Buchhandlung Held in Tutzing laufe der Verkauf vorwiegend über Onlineshop und Sofortabholung. Am Dienstag habe die erste Kundin mit einem negativem Test den Laden besucht, berichtet Martin Held.

Die Regeln fürs Einkaufen

Der Freistaat hat die Vorschriften für den Einzelhandel gelockert. Nun dürfen Geschäfte auch bei einer Inzidenz von mehr als 100 öffnen - dies ist seit Montag im Landkreis Starnberg der Fall. Bedingung: Kunden brauchen einen Termin ("Click & Meet") und einen negativen Corona-Test. Auch deswegen bemühen sich viele Gemeinden wie Gauting oder Herrsching um Schnelltestzentren.

Die Ergebnisse dürfen nicht älter als 24 Stunden sein, PCR-Tests sind 48 Stunden gültig. Möglich ist auch, im Laden unter Aufsicht des Personals einen Selbsttest vorzunehmen. Allerdings berechtigt dieser nur zum Besuch dieses einen Geschäfts, da digitale Nachweise über die Ergebnisse von Selbsttests noch in Arbeit sind. Ob diese Tests von den Läden gestellt werden oder von Kunden mitgebracht werden müssen, entscheiden die Inhaber.

Die Testpflicht für Kunden entfällt bei einer Inzidenz von weniger als 100. Bei einer Inzidenz unter 50 muss man sich zudem nicht vorher anmelden. Bei einer Inzidenz über 200 bleibt die Abholung vorbestellter Waren ("Click & Collect") auch ohne Test zulässig.

Geschäfte des täglichen Bedarfs dürfen nach wie vor ohne Termin- und Testpflicht öffnen - etwa Supermärkte, Drogerien und Bäckereien. Neu: Buchhandlungen, Schuhgeschäfte, Gärtnereien, Blumenläden, Bau- und Gartenmärkte gelten nicht mehr als Geschäfte des täglichen Bedarfs. Dort sind jetzt die strengeren Regeln wie bei allen anderen Einzelhändlern zu beachten.

Im Gautinger Geschäft "Schuh Linse" begrüßte Inhaberin Sabine Linse zwei Kunden mit negativem Testergebnis. "Normalerweise ist der Laden um die Jahreszeit rappelvoll", merkt sie an. In diesen Zeiten mache ihr Laden nach ihrer Einschätzung 30 Prozent vom üblichen Umsatz. Demnächst wolle sie die Öffnungszeiten aufgrund der geringen Kundenzahlen nochmals kürzen. "Die Möglichkeit, mit Tests einzukaufen", sagt Linse, "muss sich erst einmal rumsprechen."

Gut 30 Kilometer nordwestlich befindet sich in Utting am Ammersee die "Munich Coffee Company". Wer dort im Landkreis Landsberg einkaufen möchte, braucht freilich auch ein negatives Testergebnis. "Das kommt bei den Kunden okay an, fünf bis sieben kommen am Tag mit Testergebnis vorbei", berichtet Peter Gerighausen. Wer ohne Test erscheint, habe die Möglichkeit, diesen für fünf Euro vor dem Laden nachzuholen.

© SZ vom 21.04.2021
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