"In den letzten drei Wochen wurde ich jeden Tag wütender", sagt Christina Steck. Die 50-Jährige aus Seefeld ist chronisch krank, schwerbehindert und gehört in der Impfreihenfolge der Priorität drei an - auf einen Termin aber wartet sie noch immer. Während in ihrem Bekanntenkreis bereits gesunde 30-Jährige vom Orthopäden die ersehnte Spritze gegen Covid-19 erhielten, fragt sie sich: Was passiert mit mir und all den anderen, die noch in der Schlange stehen, wenn vom 7. Juni an bundesweit auch in den Impfzentren die Priorisierung aufgehoben werden soll?

Sie alle sollen nicht umsonst gewartet haben, heißt es aus dem Landratsamt. Der Landkreis werde die Priorisierung in den Impfzentren solange aufrechterhalten, bis alle Personen in der Gruppe drei geimpft sind. Man folge damit einer Empfehlung des Gesundheitsministeriums, wonach weiterhin Bürger aus Risikogruppen vorzuziehen seien. Über die genaue Zahl, um wie viele Personen es sich dabei im Landkreis noch handelt, verfüge man nicht, sagt Landratsamtssprecher Christian Kröck. Doch man gehe davon aus, dass es über den 7. Juni hinaus dauern wird, bis diese Gruppe geimpft ist. Schließlich sind in der Priorität drei nicht nur die über 60-Jährigen, sondern auch Personen mit Vorerkrankungen, Verwaltungsangestellte und Polizisten erfasst.
Christina Steck ist erleichtert. "Ich möchte endlich geschützt werden", sagt die Biologin, die seit sechs Jahren am Chronischen Fatigue-Syndrom leidet und regelmäßig Atemnot erlebt. Ihre Ärzte haben ihr von Astra Zeneca abgeraten - verbunden mit der Hoffnung, ihr bald eine Dosis Biontech anbieten zu können. "Doch das dauert", wie Steck enttäuscht feststellen musste. Weil sie das Warten auf einen Impftermin und die Angst vor einer Ansteckung nicht länger aushält, hat sie sich kurz entschlossen um eine der 1500 Astra-Zeneca-Impfdosen bemüht, die der Landkreis seit Montag als Sonder-Kontingent ohne Priorisierung anbietet.
Die Impfdosen sind übrig, weil sich bei den Zweitimpfungen mit dem Wirkstoff herausgestellt hat, dass viele Impflinge diese bereits bei den Hausärzten erhalten haben. Die Termine werden über die Telefonnummer 08151/26022602 ausschließlich an Bürger aus dem Landkreis vergeben. Der Bedarf ist groß: Noch am Vormittag waren innerhalb weniger Stunden 120 Termine vergeben, so Landratsamtssprecher Kröck.
Für kommenden Donnerstag konnte Christina Steck einen Termin ergattern, "auch wenn es lange gedauert hat, bis ich mal durchkam", wie sie sagt. Sie freut sich, dann wieder ohne Angst einkaufen zu gehen. Abends ausgehen, Freunde treffen oder Reisen unternehmen könne sie ohnehin nicht, das strenge sie viel zu sehr an. "Ich lebe in einer fortwährenden Pandemie."
