Starnbergs Landrat über die Corona-Impfung"Diese Blöße gebe ich mir nicht"

Lesezeit: 4 Min.

Stefan Frey erklärt, wann er mehr Impfdosen erwartet, wie Termine vergeben werden, wer den Wirkstoff von Astra Zeneca erhält - und ob er selbst schon geimpft ist.

Interview von David Costanzo, Starnberg

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Immer noch warten viele Menschen im Landkreis auf einen Termin für die Impfung gegen das Coronavirus. Immer noch stellen sich Fragen - etwa zur Verteilung oder der Reihenfolge. Landrat Stefan Frey (CSU) erklärt im Interview, wann zumindest die über 80-Jährigen geschützt sein könnten, wann er mehr Impfdosen erwartet und ob er schon selbst eine Spritze erhalten hat.

SZ: Herr Frey, sie haben kürzlich gesagt, dass es bis in den März hinein dauern wird, bis die über 80-Jährigen im Landkreis geimpft sein werden. Was erwarten Sie mittlerweile?

Stefan Frey: Ich denke, dass wir im Laufe des März einigermaßen gut durch diese Gruppe durchkommen. Weil sich auch nach und nach die Impfdosen erhöhen und sich die Liefermengen stabilisieren.

4375 Menschen im Landkreis haben die erste Spritze erhalten, darunter viele Heimbewohner, Pflegepersonal und Mediziner. Wie viele Termine gab es für über 80-Jährige im Impfzentrum bislang?

Dort wurden seit 16. Januar knapp 1700 Impfungen durchgeführt. Da sind aber auch die Termine für Ärzte und die Berufsgruppen mit sehr hohem Expositionsrisiko dabei. Wir bekommen bislang wöchentlich unterschiedlich viele Impfdosen. Jeweils im Laufe der Woche wissen wir, wie viele Impfdosen wir für die darauffolgende Woche konkret erhalten. Jetzt kommt seit dieser Woche noch der Impfstoff von Astra Zeneca dazu. Das arbeiten wir von Woche zu Woche ab. Mit den mobilen Impfteams haben wir bislang mehr Menschen geimpft als im Impfzentrum. Das Klinikpersonal ist nun erstgeimpft. Ebenso sind wir in Alten- und Pflegeheimen mit der Erstimpfung durch. Jetzt sind wir mit den mobilen Impfteams in den ambulanten Einrichtungen und haben begleitend auch mit den über 80-Jährigen im Impfzentrum angefangen.

Landrat Stefan Frey (CSU) hat sein Amt vor nicht einmal zehn Monaten mitten in der Corona-Krise übernommen. Der 45-Jährige organisiert den Kampf gegen die Pandemie und bittet die Bevölkerung um Geduld.
Landrat Stefan Frey (CSU) hat sein Amt vor nicht einmal zehn Monaten mitten in der Corona-Krise übernommen. Der 45-Jährige organisiert den Kampf gegen die Pandemie und bittet die Bevölkerung um Geduld. Nila Thiel

Also sind noch nicht allzu viele über 80-Jährige dort geimpft worden.

Generell sind über ein Viertel aller bislang Geimpften dort geimpft worden. Die meisten Menschen über 80 haben wir bislang über die mobilen Teams in den Pflegeeinrichtungen versorgt.

Von insgesamt 11 000 in dieser Gruppe.

Davon haben wir bereits viele mit den mobilen Teams geimpft. Wie viele sich aus dieser Gruppe tatsächlich impfen lassen wollen, dazu haben wir keine Zahl. Ob jeder von diesen 11 000 wirklich eine Impfung haben will, wird man sehen.

Warum entsteht bei manchen Senioren der Eindruck, dass es im Landkreis Starnberg langsamer läuft als in anderen ?

Es läuft bei uns nicht langsamer als anderswo. Im Gegenteil, ich bekomme aus anderen Landkreisen die Rückmeldung, dass es bei uns recht zügig läuft. Wir sind im Soll. Wir haben alles verimpft, was wir bekommen haben. Wir sind auf einem guten Weg, und Schritt für Schritt geht's voran.

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Aber in anderen Landkreisen gab es früher Termine in den Impfzentren.

Das kann sein, das liegt daran, dass wir außergewöhnlich viele Altenheime und Kliniken im Landkreis haben. Da ist kaum jemand so gut aufgestellt wie wir. Die anderen Landkreise gehen im Prinzip genauso vor, machen das also genauso mit den mobilen Teams in den Kliniken und in den Heimen. So lauten auch die Vorgaben. Je nach Struktur des Landkreises hat man früher oder später mit dem Impfen stationär vor Ort begonnen.

Nach welcher Rangfolge werden die Termine im Impfzentrum vergeben?

Wir stellen einen wöchentlichen Impfplan auf. Danach verimpfen wir aktuell den verfügbaren Impfstoff in den ambulanten Pflege- und Behinderteneinrichtungen. Außerdem werden im Impfzentrum Menschen über 80 und bestimmte Berufsgruppen mit sehr hohem Expositionsrisiko geimpft. Für die Menschen über 80 melden wir dem staatlichen Registrierungssystem freie Termine, dieses vergibt dann die Termine automatisiert. Das wird algorithmisch festgelegt, im Wesentlichen nach dem Alter.

Da spielt dann aber auch der Zufall eine gewisse Rolle.

Da steht ein Algorithmus dahinter. Das Alter spielt eine maßgebliche Rolle. Und dann werden aber auch Leute aus Rettungsdiensten oder etwa die Zahnarzthelferinnen berücksichtigt, also Leute, die einem sehr hohen Expositionsrisiko ausgesetzt sind. Es ist deshalb so, dass auch einige Leute unter 80 in der höchsten Priorität einen Impftermin erhalten, entsprechend den staatlichen Vorgaben.

Piksen für die Konjunktur: Das Wirtschaftswachstum hängt vor allem vom Impfen ab.
Piksen für die Konjunktur: Das Wirtschaftswachstum hängt vor allem vom Impfen ab. Jochen Eckel/Imago

Nun erhält der Landkreis erstmals 600 Einheiten des Impfstoffs von Astra Zeneca für unter 65-Jährige. Bundesweit heißt es, vor allem Pflegepersonal und Mediziner sollen ihn bekommen. Da diese Gruppen im Landkreis bereits durchgeimpft sind: Was geschieht damit? Hätte nicht mehr Biontech-Impfstoff an die über 80-Jährigen gehen können?

Wir verimpfen allen Impfstoff, den wir erhalten, genau nach den staatlichen Vorgaben. Der Astra-Zeneca-Impfstoff wird nach staatlichen Vorgaben nur für unter 65-Jährige eingesetzt. Jeder, der unter 65 ist und zur höchsten Priorität gehört, wird also damit geimpft. So sind die Vorgaben des Gesundheitsministeriums. Bislang hatten wir ja nur Biontech und ein paar Dosen Moderna. Da gibt's derzeit auch keine Wahlmöglichkeit, sondern wir setzen ihn genau für die Zielgruppe ein, für die er bestimmt ist. Das sind etwa Hausärzte, Zahnärzte, deren Personal und sonstige Berufsgruppen mit sehr hohem Expositionsrisiko.

Sie weisen darauf hin, dass es im Landkreis vergleichsweise viele Heime und Kliniken gebe, dass aber der Impfstoff strikt nach Einwohnerzahl zugewiesen werde. Sie hatten einen Vorstoß gestartet, dies zu ändern. Was ist daraus geworden?

Dieser Vorstoß wurde für den Klinikbereich sehr wohl gehört. Nun hat sich das Thema ein Stück weit dadurch erledigt, dass wir in den kommenden Wochen endlich mehr Impfstoff bekommen.

Wie viele Chargen erwarten Sie?

Wir haben bislang noch keine feste Charge, die wir pro Woche zugeteilt bekommen. Wir bekommen wöchentlich unterschiedliche Lieferungen, es waren bislang in der Regel mehrere Hundert pro Woche, jedoch mal mehr, mal weniger. Aber es ist angekündigt, dass wir ab dem zweiten Quartal hohe Impfdosenzahlen erhalten.

Wenn feine Kanülen verwendet werden, lassen sich aus dem Biontech-Impfstoff sechs statt fünf Dosen aus einer Ampulle ziehen. Wie viele sind es im Landkreis?

Sechs Dosen.

Was passiert, wenn in einer Ampulle ein Rest übrig bleibt? Der kann nicht aufgehoben werden. Wer bekommt den dann?

Es kann immer passieren, dass Leute im Zentrum einen Termin haben, aber nicht auftauchen. Für den Fall versuchen wir, dass wir Leuten aus der ersten Priorität einen Termin ermöglichen, dass wir also Leute aus dieser Gruppe anrufen, ob sie spontan Zeit haben, oder dass wir den Rest im Rettungsdienst verimpfen. Die haben ja auch teilweise eine sehr hohe Exposition. So bringen wir auch Ersatzimpflinge an den Start. Das funktioniert ganz gut. Es sind aber nur wenige, die bislang auf diese Weise eine Impfung erhalten haben.

Sind Sie denn schon geimpft worden?

Nein (lacht). Ich schaue, dass die Leute geimpft werden, und reihe mich ans Ende ein. Diese Blöße gebe ich mir nicht. Ich kann es auch noch gut aushalten, ich habe die Geduld. Insoweit bin ich auch Vorbild für diejenigen, die noch Geduld haben müssen und sollten. Jetzt sind wirklich erst mal die alten Menschen dran und die gefährdeten Menschen.

Wann hoffen Sie, selbst dranzukommen?

Ich richte mich da ganz nach der Impfverordnung, für mich hat das keine Eile und keine Priorität.

© SZ vom 17.02.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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