Landkreis Starnberg Alle wollen die Bienen retten

In Bayerischen Hof in Starnberg gründen 50 Vertreter das Aktionsbündnis für das Volksbegehren "Artenvielfalt": Kerstin Täubner-Benicke (re.), Kreissprecherin der Grünen, erklärt den Mitstreitern das Vorgehen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Eine Aktionsgruppe will das Volksbegehren unterstützen. Zur Gründung in Starnberg kamen doppelt so viele Interessenten, wie die Organisatoren erwartet hatten

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen!" hat im Landkreis viele Unterstützer. Am Mittwoch ist in Starnberg ein Aktionskreis gegründet worden, um das Engagement zu bündeln. Zur Versammlung sind mit etwa 50 Personen doppelt so viele Interessenten gekommen, wie die Veranstalter erwartet hatten. "Der erste Schritt ist gemacht. Jetzt gilt es die Menschen in die Rathäuser zu bringen", erklärte Grünen-Kreischefin Kerstin Täubner-Benicke.

54 Prozent aller Bienen seien bedroht oder bereits ausgestorben, erklärte sie, 73 Prozent aller Tagfalter und mehr als 75 Prozent aller Fluginsekten verschwunden. In den vergangenen 30 Jahren habe sich die Anzahl der Vögel in Bayern halbiert. Laut den Forderungen des Volksbegehrens sollten Hecken, Bäume und kleinere Gewässer samt Uferstreifen von fünf Metern erhalten werden. Bis 2030 sollten 30 Prozent der Landwirtschaftsflächen ökologisch betrieben werden. Zudem sollten mindestens zehn Prozent aller Wiesen in Blühwiesen umgewandelt werden, die nicht vor dem 15. Juni gemäht werden dürfen. Der Einsatz von Pestiziden sollten außerhalb von intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen verboten werden.

Rund 20 Ortsverbände von Parteien und Vereinen wie etwa Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, Wasserwachten, Imker- oder Fischereivereine hatten bereits ihr Interesse angemeldet. Zwölf der 14 Gemeinden im Landkreis machen mit und einige Rathauschefs, beispielsweise aus Starnberg, Tutzing oder Pöcking unterstützen die Initiative ebenfalls. Einige Kirchengemeinden sind auch dabei. Der Raum im Bayerische Hof platzte aus allen Nähten; denn von den Unterstützern waren viele Vertreter persönlich anwesend, darunter Starnbergs Bürgermeisterin Eva John und Stadtpfarrer Andreas Jall.

Bereits im Herbst 2018 sind die knapp 100 000 erforderlichen Unterschriften zusammengekommen und das Volksbegehren wurde genehmigt. Doch jetzt stehe man vor der zweiten und größten Herausforderung, sagte Täubner-Benicke. Nun müssen die Bürger motiviert werden, damit sie sich zwischen 31. Januar und 13. Februar in die Listen eintragen, die in den Rathäusern aufliegen. Damit das Volksbegehren angenommen wird, muss es von etwa einer Million Bayern unterstützt werden. In der kommenden Woche sollen in einigen Gemeinden wie Tutzing, Gauting oder Feldafing eigene Aktionskreise gegründet werden, die "Flagge zeigen", wie Täubner-Benicke betonte. In manchen Gemeinden wurden auch schon Initiativen angestoßen, damit an den Grünstreifen der Straßen Wiesenblumensamen gesät werden. Diese sollen ausgeweitet werden. Im Aktionskreis für den Landkreis sollen alle Kräfte gebündelt und Veranstaltungen wie Diskussionsabende, Filme, Infostände, Plakate oder die Verteilung von Prospekten abgestimmt werden. Die Gruppen sollen Landwirte ansprechen oder Golfclubs, aber auch Jugendliche, um die "Stimmung hochzuhalten", wie der BN-Kreisvorsitzende Günther Schorn vorschlug. Die Koordination und Organisation der Initiativen wurde einer Sprechergruppe übertragen. Neben dem Kreisvorsitzenden der ÖDP, Ernst Sporer, der die Initiative initiiert hatte, gehören dem Gremium Täubner-Benicke, Sissi Fuchsenberger (SPD) und Katrin Stefferl aus Berg, der Vorsitzende des Kreisjugendrings Claus Pietsch aus Tutzing und Stefan Schilling vom LBV an.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.volksbegehren-artenvielfalt.de. In Tutzing steht das erste Treffen des Aktionskreises innerhalb der Gemeinde bevor - am Montag, 14. Januar, 19 Uhr, im Tutzinger Keller. Um besser planen zu können, bittet Organisator und ÖDP-Ortschef Willi Neuner um Anmeldung per E-Mail an RettetDieBienen@willineuner.de.