Lästige Insekten Angst vor dem Stich

Bettina Führer aus Herrsching holt mit einer Schöpfkelle Stichproben aus dem Wasser.

(Foto: Mückenplage? Nein, danke! e.V.)

Bürger befürchten eine Mückenplage am Ammersee, weil Felder und Wiesen wegen der andauernden Regenfälle noch immer unter Wasser stehen und ideale Brutgebiete darstellen. Gegner der Insekten werden wieder aktiv

Von Michael Berzl, Schondorf

Die Aufnahmen verheißen nichts Gutes: Im Wasser wimmelt es nur so, lauter kleine Würmchen schwimmen darin, krümmen sich und zucken. Der Videofilm zeigt Larven, aus denen bald Stechmücken werden, und dann kann es wieder ungemütlich werden an einigen Stellen am Ammersee. Wegen der starken Regenfälle, die zur Folge haben, dass viele Wiesen und Äcker überschwemmt sind, herrschen derzeit ideale Brutbedingungen. Daher warnt Rainer Jürgen aus Schondorf vor einer drohenden Mückenplage in den nächsten Wochen. Er ist Vorsitzender des Vereins mit dem programmatischen Namen "Mückenplage? Nein Danke" fordert wissenschaftliche Untersuchungen.

Vor zwei Jahren, als schon einmal die Stechmücken zu einer echten Plage wurden, haben sich Anwohner des Ammersees zusammengeschlossen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Nun befürchten sie erneut eine Invasion der Insekten. Und das nicht ohne Grund. Der Diplom-Biologe Mathias Galm von der kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) mit Sitz in Speyer hat sich am See umgesehen und alarmierende Beobachtungen gemacht. Bei einer Zählung in der Nähe des Beobachtungsturms in Dießen hat er 250 Larven pro Liter Wasser festgestellt. "Das ist ein enormer Besatz an Stechmückenlarven", lautet sein Fazit. Auch in Herrsching und Eching hat sich der Fachmann bei einem Rundgang umgesehen. Dabei ist auch der Film mit den Mückenlarven entstanden.

"Wir wollen keine Panik machen", beteuert der Vereinsvorsitzende Jünger, der auch für die CSU im Schondorfer Gemeinderat sitzt. Ihm ist durchaus bewusst, dass es sich um ein "Minderheitenproblem" handle. Schließlich seien es nur einige Stellen, an denen die Mücken zu einem echten Problem werden. Aber er erinnert an einen besonders drastischen Fall vor zwei Jahren in Eching. Die Wirtin des dortigen "Strandhauses" musste ihr Lokal an einem Wochenende schließen, weil Mitarbeiter und Gäste so oft gestochen wurden. Daraufhin wurde der Verein gegen die Mückenplage gegründet, es gab Anträge an Gemeinderäte, eine Unterschriftensammlung und sogar eine Demonstration. Den Einsatz eines speziellen Bakteriums hat Herrsching schließlich abgelehnt.

Angesichts der großen Larvenmengen wird der Verein nun wieder aktiv und plädiert für eine wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens. "Wir brauchen hierfür Spezialisten mit Erfahrung, die ihr Wissen über die ökologischen Zusammenhänge einbringen", erklärt der Vereinsvorsitzende Jünger. Er denkt zum Beispiel an eine Kartierung von Brutgebieten und besonders großen Vorkommen von Mückenlarven. Er bedauert, dass der Herrschinger Gemeinderat so eine Untersuchung nach einer langen und intensiven Debatte letztlich mit großer Mehrheitlich abgelehnt habe. "Das stellt sich jetzt als grosser Fehler heraus", meint Jünger. Der Herrschinger Rathauschef Christian Schiller hat selbst schon Anrufe bekommen, in denen er gefragt wurde: "Herr Bürgermeister, was unternehmen Sie gegen die Mücken?" Doch er macht auch deutlich, dass es ohnehin keinen Sinn habe, wenn nur eine Gemeinde aktiv würde. Eine biologische Bekämpfung, die vor zwei Jahren zur Debatte stand, sieht er weiterhin kritisch. Wenn man sich nicht für eine Bekämpfung der Mücken entscheiden würde, sei aber auch eine wissenschaftliche Untersuchung wie eine Kartierung sinnlos.

Mücken-Gegner Jünger ist sich bewusst, dass sich die Rahmenbedingungen angesichts des Insektensterbens und des erfolgreichen Volksbegehrens zum Schutz der Artenvielfalt mittlerweile geändert haben. "Zeitgleich haben wir es mit einer immer wieder völlig überschießenden Stechmückenvermehrung zu tun und auf der anderen Seite mit dem drohenden Aussterben anderer Insektenarten", erklärt er.

Währenddessen entwickeln sich die Larven in den Überschwemmungsgebieten rund um den Ammersee weiter. Innerhalb der nächsten Wochen werden daraus Mücken, die auf Nahrungssuche gehen. "Da kommt schon ganz schön was in die Luft", befürchtet Jünger.