Vorsichtig nimmt Siegfried Kuhnke den kupfernen Milcheimer vom Tisch. „So einen schönen habe ich noch nirgendwo anders gesehen“, sagt er. Der Eimer ist ein Kunstwerk, verziert mit fein ziselierten Bordüren und Ornamenten. Das rot-goldene Metall und die dunkle Patina harmonieren perfekt. Das Prunkstück aus dem 17. Jahrhundert erwarb der Sammler und Gründer des Kupfermuseums im Pähler Ortsteil Fischen im Landkreis Weilheim-Schongau, als Ende der Neunzigerjahre das Benediktinerinnen-Klostergut in Kerschlach verkauft wurde. Eigentlich hatte er sich mehrere Kupfergegenstände aus der Klosterküche ausgesucht. Der Käufer des Ensembles übernahm jedoch das gesamte Inventar. „Nur den Eimer nicht, den hatte ich zum Glück damals gleich mitgenommen“, erzählt Kuhnke bei seiner Führung durch das Kupfermuseum, das seit 20 Jahren besteht.
2006 gründete der Kunst- und Antiquitätenhändler mit seiner Frau Evelyn die Stiftung Kupfermuseum Kuhnke, um seine Sammlung von fast 2000 Exponaten im denkmalgeschützten Gutshof unterzubringen. Jahrzehntelang hat der mittlerweile 91-Jährige sie aus aller Welt zusammengetragen. Kuhnke fasziniert das „rote Gold“, das im Vergleich zu Silberarbeiten oft stiefmütterlich behandelt wird. Seine Geschichten, wie die Gegenstände ihren Weg ins Museum fanden, hören sich wie Krimis an.

Zum 20-jährigen Bestehen hat Kuhnke einen langen Tisch mit seinen 20 Lieblingsstücken gedeckt. Darunter ist seine jüngste Neuerwerbung: eine Bettwärmepfanne. Die Besitzer von Schloss Mühlfeld in der Gemeinde Herrsching hatten sie ihm vor ein paar Wochen angeboten und er griff sofort zu. Auf dem Deckel prangt ein in Kupfer gehämmertes Reh, das von zwei Jagdhunden gestellt wird. „Ein extrem seltenes Motiv, sehr verspielt, fast schon Rokoko“, analysiert er.
Dann greift er zu einer Gugelhupfform mit ausladenden, üppigen Aufsätzen. „Einzigartig. Sie ist aus einem Stück getrieben. Man sieht jeden Hammerschlag“, schwärmt er und erzählt, wie ihn die Witwe des 2010 verstorbenen Wiener Museumsgründers Rudolf Leopold anrief und dessen Kupfersammlung anbot. Für Leopold waren die Formen Kunstwerke. Er hängte sie sogar neben ein Millionen-Euro-Gemälde von Egon Schiele. Besucher hätten die Nase gerümpft. Kuhnke konnte den Sammlerfreund verstehen. Auch für ihn sind die Formen Kunst. Aus dem Nachlass sicherte er sich gleich 120 Formen.

Während Kuhnkes Lieblingsstücke durch ihre hervorragende Handwerksarbeit überzeugen, sind für die Besucher ausgerechnet zwei schlichte Objekte die Highlights: das Kupfertöpfchen, in dem der Brei für die kleine Sisi auf Schloss Possenhofen zubereitet worden sein soll, und eine Wasserkanne aus der Hofküche von König Ludwig II. Kuhnke dreht den Topf so, dass man den Schlagstempel sieht: S.P., darüber eine Krone. „Schloss Possenhofen“, übersetzt der Sammler die Initialen.
Ein Notar hatte das Stück als Honorar bekommen. Es lag dann lange im Speicher, bevor er es dem Sammler anbot. Nun steht es im Museum neben anderem Kochgeschirr. Bei der Kupferkanne des „Kini“ erkannte der Verkäufer wohl nicht ihren eigentlichen Wert. Kuhnke zeigt auf das Emblem mit den verschlungenen Buchstaben und der Königskrone. Für den Experten sind sie ein Zeichen für die edle Provenienz. Auch wenn das Gefäß schlicht ist, so sei es doch einzigartig, meint Kuhnke. Er kennt keine weitere Kupferkanne des Bayernkönigs. „Diese sind normalerweise aus Silber.“
Dann gibt es noch die Geschichte von Siegfried Genz. Für die Mörser-Sammlung seines Vaters Ernst ließ der steinreiche Unternehmer aus Berg am Starnberger See ein Mörserturm-Museum auf seinem Grundstück errichten. Ein Schwarzbau, der 2011 abgerissen werden musste. Kuhnke erzählt jedoch eine andere Geschichte. Er sei einmal vom Sohn beauftragt worden, 75 Mörser zum 75. Geburtstag des Vaters zusammenzutragen. „„Ich habe überall gesucht – in London, in Paris“, erinnert sich Kuhnke, der den Auftrag mit Ach und Krach erfüllen konnte. In einer großen Kiste flog das Präsent zum Geburtstagskind in den Odenwald. Teile der Sammlung wurden später versteigert. Bei den Auktionen bot Kuhnke mit. „So sind die Mörser wieder zu mir zurückgekommen.“

In seiner Familie sind die Kupferformen nicht nur Dekoration, sie werden regelmäßig genutzt. „Sonntags gibt es bei uns den Kuchen immer aus den Formen.“ Seine Leidenschaft für Kupfer hat den Kunsthändler seit seiner Jugend nicht mehr losgelassen. Wegen seiner Expertise auf dem Gebiet der Metallkunst des 16. bis 18. Jahrhunderts beschäftigte ihn die IHK München und Oberbayern als vereidigten Sachverständigen für unedle Metalle. Dazu zählt auch Zinn. Die prächtigen Zinnobjekte im Museum liegen Kuhnke besonders am Herzen. Heutzutage hat das Material an Wert verloren. „Die Leute bringen ihr Zinn zum Einschmelzen, ohne zu schauen, wie alt es ist. Schlimm, dass Geschichte so achtlos weggeworfen wird.“
Unterstützt wird der 91-Jährige von seiner Tochter Madlon von Kern. Die Kunsthistorikerin ist zwischen Kupferkesseln, Gugelhupfformen und Sammlergeschichten aufgewachsen, sitzt im Vorstand der Stiftung und kümmert sich heute bereits um das Museum. Sie hat mit dem Vater und der Schwägerin Heike Herzog-Kuhnke den Bildband „Das Rote Gold – Kunstwerke der Kupferschmiede“ geschrieben. Zum Jubiläum wird es im Museum verkauft.
Das Kupfermuseum befindet sich in der Herrschinger Straße 1 in Pähl-Fischen. Öffnungszeiten sind mittwochs bis samstags von 11 bis 16 Uhr oder nach Voranmeldung.

