Büroräume, Arztpraxen, Privaträume - Kunstwerke finden an vielen Wänden ihren Platz. Einst zu hohen Preisen erworben, hängen sie oft jahrelang an derselben Stelle. Nicht so bei den Bildern von Yvonne Schneider: Seit etwa fünf Jahren vermietet die Künstlerin und Kunstpädagogin ihre Werke an Menschen aus dem ganzen Landkreis. In einem Atelier in der Gautinger Reismühle entstehen ihre Werke. Interessierte können sie dort "mit den Augen anfassen", wie Schneider sagt. Zur Weihnachtszeit kam ihr zudem eine kreative Geschenkidee.
SZ: Frau Schneider, wie kamen Sie auf die Idee, Ihre Kunstwerke zu vermieten, statt sie nur zum Kauf anzubieten?
Yvonne Schneider: Die Idee ist nicht neu. Es gibt sogenannte Artotheken, die Bilder für drei oder sechs Monate, ein Jahr oder länger vermieten. Da dachte ich, ich versuche es selbst auch. Ein Werk zu kaufen ist für die Kunden immer schwieriger. Die Leute wissen heute gar nicht mehr, wie lange sie in ihren Räumlichkeiten bleiben. Deswegen kaufen sie kein riesiges Bild, mit dem sie ständig umziehen müssen.
Sie mieten die Bilder lieber?
Es ist schon ein Phänomen der Zeit, dass man sich immer wieder mit etwas Neuem auseinandersetzen will. Der Hauptgedanke: Die Kunden müssen sich nicht festlegen. Sie können sich über einen gewissen Zeitraum an einer Arbeit erfreuen. Es ist ja alles viel flüchtiger heute: Das Arbeitsleben, die Leute ziehen öfter um. In Firmen gibt es den Ansatz, dass die Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk für Austausch und Diskussion sorgt, auch wenn das Bild nur im Flur hängt. Für Unternehmen ist es natürlich gut, wenn diese kreativen Impulse wechseln.
Wer nutzt konkret die Möglichkeit eines Bilderverleihs?
Wenn ich direkt verleihe, sind es vor allem Privatleute, aber auch Freiberufler und Selbstständige. Was dabei interessant war: Manche leihen sich ein Bild, weil sie ein anderes Hintergrundbild haben wollen, wenn sie im Homeoffice Videokonferenzen machen. Die heruntergeladenen Bilder aus dem Internet sehen ja immer so merkwürdig aus. Ich arbeite aber auch mit einem Unternehmen zusammen, das meine Werke verleiht. Die vermieten nur an Firmen. Es ist aber nicht so, dass das Geschäft im Moment wahnsinnig brummt. Deswegen forciere ich das jetzt noch mal.
Durch eine Geschenkidee zu Weihnachten, richtig?
Ja, weil ich schon überrascht war, dass das gar nicht so bekannt ist. Ich habe in meinem Atelier Schilder hängen, auf denen steht, dass ich Bilder vermiete. Mich haben Leute angesprochen: "Ja, das wollen wir machen." Da kam mir die Idee: Ein Jahr Bildermiete als Geschenkgutschein. Das ist eine günstige Möglichkeit, sich so ein hochwertiges Bild aufhängen zu können. Für ein größeres Bild hat man etwa 150 Euro Kosten im Jahr.
Kann ich die Bilder bei Ihnen im Atelier anschauen, bevor ich sie ausleihe?
Ja. Das ist kein Muss, man kann das auch online machen. Aber ich als Malerin sage natürlich: Ein Bild muss man gesehen haben, es mit den Augen berühren. Jeder kann das in meinem Atelier tun. Meist schauen die Menschen vorher im Internet, welche Richtungen und Größen es gibt. Ich bereite dann eine Auswahl vor. Bei Transport und Aufhängung berate ich natürlich auch.
