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Starnberg:Bezaubernde Installation im Schlossgarten

Der inklusive Verein "Die FotoWilden" zeigt Bilder, die mit einfachen Lochkameras über Tage oder sogar Wochen im Freien entstanden.

Von Katja Sebald

Not macht erfinderisch, könnte man angesichts dieser Ausstellung denken, für die Fotografien an den Obstbäumen im Starnberger Schlossgarten aufgehängt wurden. Aber die Mitglieder des Vereins "Die FotoWilden" hatten schon vor der Corona-Pandemie die Idee, ihre Arbeiten im Freien zu zeigen. Dass allerdings die bezaubernde Installation, die an diesem Mittwoch um 15 Uhr offiziell eröffnet wird, die einzige Ausstellung sein würde, die sich im Jahr ihres zehnjährigen Bestehens realisieren lässt, damit hatten sie nicht gerechnet.

Starnberg: Schloßgarten Ausstellung Die Foto Wilden

Die Bilder bestechen durch ein surreal anmutendes Farbspiel, das viel Raum für Assoziationen lässt.

(Foto: Nila Thiel)

"Die FotoWilden" gehen auf ein Projekt der Oberbayerischen Kulturtage im Jahr 2009 zurück. Damals trafen sich erstmals Menschen aus der Kontaktgruppe der Starnberger Caritas und dem "Club 80" des BRK zu einem von der Physiotherapeutin Marlen Peix initiierten Workshop: Alle waren begeistert vom Fotografieren. Mit dabei waren Anfänger und Fortgeschrittene, Profis und Amateure, Junge und Alte, Menschen mit und ohne Behinderung. Die Gruppe begab sich gemeinsam auf Motivsuche und präsentierte das Ergebnis ihrer Fotoexkursionen im Foyer der Schlossberghalle.

Starnberg: Schloßgarten Ausstellung Die Foto Wilden

Die Bilder der "FotoWilden" wurden auf transparente Acrylscheiben gedruckt und mit Nylonschnüren fixiert.

(Foto: Nila Thiel)

Danach waren alle "wild" entschlossen, sich weiter zu treffen. Im Jahr darauf gründeten sie den Verein "Die FotoWilden". Bis heute treffen sich die Mitglieder einmal im Monat zu Exkursionen und Bildbesprechungen. Der Umgang miteinander und das Lernen voneinander sollen dabei genauso wichtig sein wie die fotografischen Ergebnisse, sagt Marlen Peix, die Herz und Motor des Vereins ist.

Nachdem sie ihre Praxis aufgegeben hatte, entdeckte auch sie für sich die Fotografie neu. Die integrative Ausrichtung der Kulturtage war für sie eine Gelegenheit, ihre Erfahrungen einzubringen. Durch ihren Beruf hatte sie keine Berührungsängste und konnte viele wertvolle Hilfestellungen und praktische Tipps bieten. Sie war es auch, die nach dem ersten Projekt in engem Kontakt mit den geistig oder körperlich Behinderten blieb. "Aber natürlich konnte ich als Einzelperson eine solche Gruppe auf Dauer nicht betreuen", sagt sie. Deshalb gründete sie zusammen mit Freundinnen und Bekannten einen Verein, der mittlerweile dreißig Mitglieder hat: "Manche waren schon bei den Kulturtagen dabei, viele sind im Lauf der Jahre dazugekommen." Höhepunkt der Vereinstätigkeit war 2012 die Teilnahme an einem Ausstellungsprojekt in China, ebenfalls von Marlen Peix vermittelt.

Starnberg: Schloßgarten Ausstellung Die Foto Wilden

Die Installation geht auf ein Projekt der Physiotherapeutin Marlen Peix zurück.

(Foto: Nila Thiel)

"Unsere Gruppe wächst mit ihren Vorhaben", schreibt sie im Ausstellungskatalog zu dem Projekt "Camera Obscura". Jedes Mitglied könne sich auf seine Weise einbringen: "Und das ist oft mehr, als sich der eine oder andere anfangs zutraut." Auf die Frage, wie viel Zeit sie selbst in die Vereinsarbeit steckt, antwortet sie mit einem Lächeln: "Darüber darf ich gar nicht nachdenken", sagt sie schließlich. In den zurückliegenden Monaten hat sie selbst zwei Kataloge gestaltet und das Ausstellungsprojekt "Camera Obscura" betreut. Auch wenn es "nur" die kleinere der beiden geplanten Ausstellung ist und die große Jubiläumsschau im Landratsamt auf nächstes Jahr verschoben werden musste: Die ausnahmslos mit einer einfachen Lochbildkamera entstandenen Fotos können sich sehen lassen und die ungewöhnliche Art der Präsentation macht sie besonders reizvoll.

Jeder der 24 Teilnehmer erwarb eine Lochbildkamera, wie sie im Rahmen des Kunst- und Mitmachprojekts "The 7th Day" von Patrick Zajfert vertrieben wird. Die aus alten Filmdosen gebauten Kameras wurden über mehrere Tage oder sogar Wochen im Freien platziert. Der Anteil des Fotografen am Bildergebnis besteht in der Wahl dieses Platzes, der Rest hängt vom verwendeten Fotopapier, vom Wetter und vom Zufall ab. Auf sehr vielen der im Schlossgarten gezeigten Bilder ist der Sonnenlauf als geschwungener Lichtstreifen zu sehen, manche zeigen konkrete Motive wie etwa die Ulrichskirche in Söcking oder das Schloss Eurasburg, das einer der Teilnehmer von seinem Küchenfenster aus sieht. Die meisten bestechen jedoch durch ein surreal anmutendes Farbspiel, das viel Raum für Assoziationen lässt. Die Bilder wurden auf dünne, transparente Acrylscheiben gedruckt und mit Nylonschnüren zwischen den Ästen der Bäume und der Wiese fixiert. Fast scheint es, als wären sie im Schlossgarten gewachsen. Durch Schatten, Licht und die Perspektive des Betrachters verändern sie sich ständig weiter.

Die Ausstellung "Camera Obscura" ist bis zum 7. Oktober täglich von 8 bis 18 Uhr im Starnberger Schlossgarten zu besichtigen.

© SZ vom 23.09.2020

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