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Kunst aus Gauting:Als Mark Spitz auf Medaillenkurs ging

Der Fotograf Michael Nguyen hat das Gautinger Sommerbad, in dem der legendäre Schwimmer für die Olympischen Spiele 1972 in München trainierte, im Winterschlaf festgehalten

Von Blanche Mamer, Gauting

Es ist lange her, dass das Gautinger Freibad im Fokus internationalen Interesses stand. Es war im Sommer 1972, wenige Jahre nach Eröffnung des 50-Meter-Sportbeckens, als internationale Spitzenschwimmer hier trainierten und sich auf die Wettkämpfe der Olympischen Spiele von München vorbereiteten. Einer von ihnen war der inzwischen legendäre Amerikaner Mark Spitz, der bei den Spielen sieben Goldmedaillen, alle mit Weltrekord, gewann (über 100 und 200 Meter Schmetterling, 100 und 200 Meter Freistil sowie als Staffel-Schwimmer). Er wurde damit zum Gesicht der Olympiade von München.

Nun ist das Sommerbad an der Würm Thema in einer englischsprachigen Architekturzeitschrift und in einem französischen Foto-Magazin. Der Gautinger Fotokünstler Michael Nguyen hat es als Objekt seiner fortlaufenden Serie "By the roadside" ausgewählt. Im Dezember, kurz vor dem ersten Schnee, gelangen Nguyen faszinierende Aufnahmen. Selbst wenn man meint, das Schwimmbad gut zu kennen, überraschen die Ansichten der Gebäude, Treppen, Wiesen und Bäume, die sich durch die Reflexionen verdoppeln und zu fantastischen Gebilden werden. Unter dem Titel "Waiting for the summer" ist die Serie am 3. Januar in ArchEyes veröffentlicht worden, am 9. Januar in Paris im L'oiel de la Photographie.

"Ich lebe zwar schon seit 2015 in Gauting, kannte das Sommerbad bisher aber nicht. Doch es hat mich in Zusammenhang mit meiner Serie 'Heimat Gauting: Am Straßenrand' interessiert. Ich habe bei der Gemeinde nachgefragt und die Erlaubnis bekommen, das Gelände zu besuchen und zu fotografieren", erzählt Nguyen.

Wie er sagt, sei er ganz begeistert von der Anlage und finde das Gelände und die ganze Einrichtung, die ja nun weit über 50 Jahre alt ist, sehr beeindruckend und immer noch sehr modern. Die Archivarin der Gemeinde, Regine Hilpert-Greger, habe ihm die Geschichte des Sommerbads erläutert und den Text für die Zeitschriften geschrieben, berichtet der mit Preisen prämierte Fotograf.

Während die Fotos Visionen einer quasi fantastischen Welt spiegeln, berichtet Hilpert-Greger in dem Artikel von der langen Geschichte des Badens in der Würm und verknüpft sie mit der Historie des Ortes. Schon während der Bronzezeit haben sich Menschen an der Würm angesiedelt und das Wasser für den täglichen Gebrauch genutzt. Nicht weit entfernt vom heutigen Freibad hatten die Römer im zweiten Jahrhundert ein Thermalbad errichtet, dessen Spuren bei Ausgrabungen im Jahr 1936 gefunden wurden. Vom 15. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre wurde direkt in der Würm gebadet, in der Ortsmitte, in der Nähe der Brücke. Es gab Stege, Umkleidekabinen und ein Wirtshaus. Bis die Wasserverschmutzung zu stark wurde und das Baden im Fluss verboten wurde.

1964 wurde mit dem Bau eines neuen Schwimmbades begonnen, immer noch an der Würm, aber am südlichen Ortsrand. Der damalige Bürgermeister Josef Cischeck bewies mit der Planung des 50-Meter- und Tauch-Beckens mit Sprungturm Weitsicht.

Auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele 1972 in München. Denn das Olympische Komitee suchte nach Trainingsmöglichkeiten für die Schwimmteams und wurde, wie erhofft, in der Gemeinde Gauting mit einem der wenigen großen Becken im Süden Münchens fündig. Um höchste Trainingsstandards bemüht, finanzierte das Komitee die damals technisch innovative Beheizung der Becken und der Umkleideräume, wovon die Gautinger Badbesucher noch heute profitieren. Zudem schwimmen sie über geschichtsträchtigen Kacheln, wie der Gautinger Sportclub in einem Jahresbericht feststellt. Womöglich hat ja Mark Spitz vor 50 Jahren genau diese Kacheln berührt?

Für das Gautinger Freibad, das Corona bedingt einen sehr traurigen Sommer 2020 hinter sich hat, ist die Fotoserie eine schöne Werbung. Denn es gibt mit Sicherheit etliche Neubürger, die bisher nicht im Freibad waren, es aber nun möglicherweise für kommenden Sommer auf der Agenda haben. Die Fotoserie plus englischem Text ist online zu sehen unter https://archeyes.com/gauting.

© SZ vom 15.01.2021
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