Kultur Shakespeare im Hippielook

Die Starnberger Theatergruppe "Tragaudion" hat den Klassiker "Wie es euch gefällt" in die bewegende Ära der späten 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts verlegt. Für das Jubiläum 2018 dürfen die Zuschauer entscheiden, was als nächstes Stück aufgeführt wird

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

Ein Schäfer liebt eine Schäferin. Diese erwidert seine Liebe aber nicht, ihr Herz schlägt stattdessen für Ganymed. Ganymed wiederum liebt Orlando, und dieser liebt Rosalinde. Als wären das noch nicht genug Irrungen und Wirrungen, kommen noch die Liebespaare Oliver und Celia sowie Probstein und Käthe hinzu: Wie bei vielen Komödien von William Shakespeare geht es auch in "Wie es Euch gefällt" nicht allein nur um vorgetäuschte, unerwiderte und echte Liebe, sondern auch um die Möglichkeiten eines alternativen Lebens in freier Natur.

Für die Theatergruppe Tragaudion hat es sich daher angeboten, das rasante und tiefsinnige Stück in die bewegende Hippie-Ära der Sechzigerjahre zu verlegen. Bei der Premiere am Donnerstag im Schlossgarten in Starnberg zeigte sich das Publikum von der Umsetzung dieser fröhlichen Komödie begeistert. Die Rollen stellten höchste Ansprüche an die Spieler, nicht zuletzt, weil sie ein umfangreiches Textpensum lernen mussten. Zwar schlichen sich mitunter kleine Premierenhänger ein, doch das machten die Laiendarsteller mit Spielleidenschaft wieder wett. Unter der Regie von Tobias Malangre agierten sie abwechslungsreich und es gelang ihnen durchaus Akzente zu setzen.

Im kommenden Jahr will die Theatergruppe wieder ein Shakespeare-Stück aufführen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Theatergruppe Tragaudion hat sich im Jahr 1993 aus den damaligen Abiturienten des Starnberger Gymnasiums heraus gegründet. Ihre erste Aufführung war mit "Der Widerspenstigen Zähmung" ebenfalls ein Shakespeare-Stück, mit dem sie im Schlossgarten auftraten. Später scheiterten allerdings vorerst alle Versuche, ein weiteres Sommertheater im Starnberger Schlossgarten zu installieren. Erst bei Bürgermeisterin Eva John und Kulturamtschefin Annette Kienzle hatte die Theatergruppe Erfolg. Zwar gibt es jedes Jahr hohe Auflagen: So dürfen beispielsweise die Pflanzen im Park nicht beschädigt werden und die Anzahl der Besucher ist auf maximal 70 Personen begrenzt. Zudem muss die Bühne vor jeder Vorstellung kurzfristig auf- und noch am gleichen Abend auch wieder abgebaut werden. Aber das nimmt die Theatergruppe gern in Kauf, um in dieser besonderen Atmosphäre spielen zu können.

Nach "Macbeth", "Viel Lärm um Nichts" und dem "Sommernachtstraum" bildete dieses Jahr die Parkanlage die Kulisse für "Wie es Euch gefällt". Bei einzelnen Szenen wurden nicht, wie sonst üblich, die Kulissen gewechselt, sondern der Standort. Die Zuschauer mussten daher jedes Mal - begleitet von der Musik - ein Stück weit laufen. Bei jedem Standort wurde den Besuchern ein dramatisches Spektakel geboten, und sie hatten sichtlich Spaß an diesem Werk.

Hingebungsvoll, bewegend und an wechselnden Standorten im Schlossgarten geben die Schauspieler der Theatergruppe Tragaudion "Wie es Euch gefällt".

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der verbannte Herzog (Jan Björn Potthast), der sich im Shakespeare-Stück mit seinen Vertrauten in den Wald von Arden zurückzieht, gründet in dieser Inszenierung eine Aussteiger-Kommune in der freien Natur. Seine Tochter Rosalinde (Amara Palacios) bleibt auf dem Hof von Herzog Frederick (Andreas Berner). Dort trifft sie auf Orlando (Jannis Hain) und beide verlieben sich unsterblich ineinander. Als Herzog Frederick seine Tochter Rosalinde schließlich von seinem Hof verweist, geht ihre Schwester Celia (Pauline Winkler) mit ihr. Als junger Mann Ganymed verkleidet trifft Rosalinde im Wald auf Orlando, der von seinem Bruder Oliver (Jörg Potthast) um sein Erbe gebracht wurde. Natürlich kommt es im Finale des Stücks zu einer wundersamen Auflösung aller Probleme.

Nicht nur bei den Kostümen (Brigitte Günczler) wurde der bunte Flower-Power-Stil der späten 60er Jahre konsequent umgesetzt, sondern auch bei der Musik. Hervorragend interpretieren Dana Niemann die Soul-Sängerin Aretha Franklin und Melanie Scheytt die Stimme von Janis Joplin. Als die Brüder Jan Björn und Jörg Potthast (Gitarre) sowie Urte Müller (Querflöte) alte Beatles- und Santana-Songs wieder aufleben ließen oder "San Francisco" von Scott McKenzie erklang, kam sicherlich etwas Wehmut auf unter den älteren Besuchern. Wenngleich das Ensemble erst in den vergangenen drei Wochen vor Ort proben konnte, ist die Geschichte einfühlsam, engagiert und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt worden.

Durch die Aufführung dürfen die Pflanzen im Park nicht beschädigt werden.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Auch im kommenden Jahr ist zum 25-jährigen Bestehen erneut Shakespeare geplant. Welches Stück gespielt werden soll, dürfen jedoch die Zuschauer entscheiden. Vor jeder Aufführung liegen Fragezettel aus. Weitere Aufführungen sind vom 20. bis 23. Juli und vom 27. bis 29. Juli, jeweils um 20 Uhr; bei schlechtem Wetter fällt die Vorstellung aus. Kartenreservierung per E-Mail: info@tragaudion.de.