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Kultur:Maskenmenschen und Märchenmonster

Deutlich kleiner als in den Vorjahren will die neue GEDOK-Ausstellung in der Akademie für politische Bildung in Tutzing diesmal Werte vermitteln: Unter dem Motto "Are you real?" sind Toleranz, Aufgeschlossenheit und Ehrfurcht vor Mensch und Natur die Themen der 16 Künstlerinnen

Von Katja Sebald, Tutzing

Alles wie immer und alles anders: Auch in diesem Sommer gab es in der Akademie für politische Bildung in Tutzing eine Vernissage mit Münchner Künstlerinnen, die in der GEDOK organisiert sind. Die GEDOK, 1926 gegründet als "Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine", ist europaweit das älteste und größte Netzwerk für Künstlerinnen. Nicht ganz so alt ist die Tradition der Tutzinger Ausstellungen, doch es gibt sie seit mehr als drei Jahrzehnten. In diesem besonderen Jahr nun musste die Eröffnung von Mai auf Juli verschoben werden, die Ausstellung wurde deutlich verkleinert und hat erstmals ein Motto: "Are your real?" steht als Frage über den Arbeiten der insgesamt 16 Künstlerinnen.

Seit 2016 wählen Inge Kurtz und Penelope Richardson als Kuratorinnen und Mitausstellerinnen die Künstlerinnen aus, deren "virtuelle Welten", so der Untertitel, sie präsentieren wollen. Fotografien, Zeichnungen, Collagen, Mixed Media, Textilarbeiten oder Bilder in Acryl und Öl können ein Jahr lang während der Öffnungszeiten der Akademie besichtigt werden. Die ausstellenden Künstlerinnen beziehen Position zu gesellschaftspolitischen Themen - als explizit politische Botschaften aber wollen ihre Arbeiten nicht gelesen werden. Dennoch ist der Anspruch hoch. Die Kuratorinnen schreiben dazu, die Ausstellung solle "bilden, indem sie Werte vermittelt: Toleranz, Aufgeschlossenheit und Ehrfurcht vor Mensch und Natur".

Tutzing: Akkademie für polit. Bildung: GEDOK Vernissage

Die Frage nach "Are you real?" stellt sich zwangsläufig in der digitalen Realität.

(Foto: Nila Thiel)

Wie sieht das nun konkret aus? Die Bandbreite der gezeigten Arbeiten reicht von Kirsten Lillis Serie "Leben - work in progress", die an Mikroskopbilder erinnert, über Heidruns Eskens quadratische Leinwand, die unter dem Titel "Shakin' all over" mit einem regelmäßigen Karomuster bedeckt ist, über zahlreiche Collagen und Fotomontagen bis hin zu surrealen Traumbildern in Öl auf Leinwand von Silke Bachmann: Das Gemälde "Traum vom Traum" zeigt ein embryonenartiges Weltwesen, das in einer Art Rettungsboot durchs All reist. Martina Singer inszeniert in ihren theatralen Fotografien eine "Heldinnenreise". Abgründig surreale Bildwelten sind die in geheimnisvolles grünes Licht getauchten Fotografien von Susanne Wagner. Auch Penelope Richardsen lässt in ihren gespiegelten Landschaftsaufnahmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.

Die dekorativen Bilder von Ulrike Prusseit entstehen in einer Mischung aus Malerei und Collage. Die sich daraus ergebende "Verschiebung der Wahrnehmungsebenen" will sie als "sehr persönliches Echo auf die Schlagzeilen unserer Zeit" verstanden wissen. Ursula Steglich-Schaupp zeigt eine Serie von Zeichnungen, in denen sich Maskenmenschen und Märchenmonster, kryptische Zeichen und Versatzstücke von Landschaften zu einer dystopischen Welt fügen. Eva Kollmar spielt in ihren plakativen Objektcollagen mit den Begriffen "Dada" und "Data": Sie zeigt fragmentierte Selbstbildnisse und hält dem Betrachter selbst einen Spiegel vor. Renate Gehrcke zeigt ihre großformatigen figürlichen Kohlezeichnungen, in denen sie tänzerische Bewegungen eingefangen hat - und die sie diesmal mit der Frage "Are you real?" überschrieben hat.

Titelgebend für diese sparsam gehängte, dafür aber umso eindrücklichere Ausstellung war eine gleichnamige Arbeit von Inge Kurtz: Die Künstlerin hinterfragt in ihren Bildern schon seit vielen Jahren unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit. In den aktuellen Arbeiten kombiniert sie Versatzstücke aus der "Virtual Reality" und einer scheinbar "guten alten Zeit" zu einer verwirrenden Bildwelt zwischen Computerspiel-Ästhetik und Retro-Look. Auch Annegret Bleisteiner, Ruth Effer, Monika Humm, Anneliese Neumann, Anne Pincus und Martina Singer sind mit ihren Arbeiten vertreten.

Die Ausstellung "Are you real?" ist bis Mai 2021 zu den Öffnungszeiten der Akademie (Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr) für Besucher zu sehen.

© SZ vom 06.07.2020

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