Umkämpfter BiermarktKrombacher schluckt Starnberger Brauerei

Lesezeit: 3 Min.

Hier wird noch kräftig angestoßen, doch der Bierkonsum ist seit Jahren rückläufig. Die Absatzeinbrüche bereiten der Brauereiwirtschaft erhebliche Probleme. Dagegen werden alkoholfreie Getränke stärker nachgefragt, was wohl auch mit einem Trend zu einem gesünderen Lebensstil zu tun hat.
Hier wird noch kräftig angestoßen, doch der Bierkonsum ist seit Jahren rückläufig. Die Absatzeinbrüche bereiten der Brauereiwirtschaft erhebliche Probleme. Dagegen werden alkoholfreie Getränke stärker nachgefragt, was wohl auch mit einem Trend zu einem gesünderen Lebensstil zu tun hat.
Matthias Balk/dpa

Die Großbrauerei aus Nordrhein-Westfalen ist jetzt Mehrheitseigner des Starnberger Brauhauses und übernimmt das Kommando in Wieling. Der Getränkemarkt Fristo befürchtet höhere Preise und sortiert das Starnberger Hell aus.

Von Christian Deussing, Feldafing

SZ bei Google bevorzugen

Im hart umkämpften Biermarkt muss sich auch die Starnberger Brauhaus GmbH behaupten, die erst vor zehn Jahren gegründet worden ist. Denn während immer weniger alkoholhaltiges Bier getrunken wird, steigen in der Branche die Kosten bei Rohstoffen, Energie und Personal. Jetzt ist der Gigant Krombacher aus Nordrhein-Westfalen noch größer beim Brauhaus eingestiegen und dort nun Mehrheitsgesellschafter.

Krombacher ist bereits Vertriebspartner des Starnberger Brauhauses, das im Feldafinger Ortsteil Wieling ansässig ist. Der Bierriese hat sich vor einigen Jahren mit zunächst zehn Prozent der Gesellschafteranteile in das mittelständische Unternehmen eingekauft, um diese später auf 40 Prozent zu erhöhen. Doch nun ist die Privatbrauerei Krombacher als einer der größten Bierhersteller Deutschlands mit 65 Prozent auch der Mehrheitseigner. Die restlichen 35 Prozent der Anteile hält noch Brauhaus-Gründer Florian Schuh, der seit zwei Jahren nicht mehr Geschäftsführer, sondern in der Firma nur noch für den Immobilienbereich zuständig ist.

Über ihre „GL Verwaltungs GmbH“  will die Familie Schadeberg, der die Krombacher Brauerei gehört, offenbar noch mehr Einfluss auf das Brauhaus nehmen und das Hellbier-Geschäft intensivieren. Das Starnberger Brauhaus mit seinen Beschäftigten sei „operativ ein wichtiger Teil der Krombacher Gruppe“, auch bereits voll integriert und es gebe für die Kolleginnen und Kollegen vor Ort keine Veränderungen, sagt Krombacher-Sprecher Peter Lemm auf Anfrage. Und: Man sehe für das Brauhaus auch künftig weiteres Wachstumspotenzial und durch die Integration in die Krombacher Gruppe „mehr Möglichkeiten, sich wirtschaftlich und operativ weiterhin positiv zu entwickeln“.

Lemm räumt aber ein, dass die Preise auch für die Starnberger Biere aufgrund deutlich gestiegener Kosten zum 1. Oktober dieses Jahres angepasst werden müssten. Doch aus wettbewerbsrechtlichen Gründen will der Unternehmenssprecher dazu keine weiterführenden Angaben machen. Er versichert jedoch, dass die Brauerei mit allen ihren Kunden permanent im Gespräch sei.

Dazu dürfte auch die Getränkemarktkette Fristo zählen, die in acht Bundesländern 240 Filialen betreibt. Nun hat der Getränkehändler in 40 seiner Geschäfte in Südbayern sämtliche Marken des Starnberger Brauhauses aus dem Sortiment entfernt – nur Restverkäufe laufen noch. Man habe schon seit einiger Zeit beobachtet, dass die Nachfrage beim Starnberger Hell wie auch bei anderen Biersorten stetig gesunken sei, erläutert Einkaufsleiter Vahid Gugac.

Eine direkte Lieferung vom Brauhaus aus, zumindest in die Filialen der Starnberger Kernregion, habe Krombacher „leider kategorisch abgelehnt“, sagt Gugac. Ein sensibles Thema sei auch der künftige Preis. Der Fristo-Einkaufsleiter umschreibt es so: „Wenn Großkonzerne bei Brauereien einsteigen, wird dies die Handelsspanne nicht verbessern.“

Braumeister Sven Leindl (links) und sein Stellvertreter Benedikt Hutter freuten sich beim Start des neuen Brauhauses vor vier Jahren im Feldafinger Ortsteil Wieling. Leindl ist inzwischen auch technischer Geschäftsführer.
Braumeister Sven Leindl (links) und sein Stellvertreter Benedikt Hutter freuten sich beim Start des neuen Brauhauses vor vier Jahren im Feldafinger Ortsteil Wieling. Leindl ist inzwischen auch technischer Geschäftsführer.
Franz Xaver Fuchs

Krombacher werde die Preise so erhöhen, „dass ich keine Marge mehr habe und es sich für mich nicht mehr lohnt“, sagt einer der Fristo-Filialleiter. Er bietet wie die anderen Filialen auch stattdessen den Newcomer „Starnberg Bräu“ aus Tutzing an, der aber nichts mit dem Brauhaus zu tun hat. Dieses alternative Angebot aus der Region habe sich bereits bewährt, sagt der Händler. 

Und was sagt Sven Leindl, technischer Geschäftsführer und erster Braumeister des Starnberger Brauhauses, zum Ausstieg von Fristo als Großkunden? „Wir werden deshalb nicht panisch und das verkraften“, erklärt er. Man werde zudem versuchen, bei diesen Getränkemärkten wieder „einen Fuß in die Tür zu bekommen“.

Auch im Gastronomie-Sektor ist man laut Leindl wieder gut unterwegs, nachdem das Apeiron-Lokal „Starnberger Alm“ mit Gerstensaft aus dem hiesigen Brauhaus am Kölner Heumarkt wegen fehlender Resonanz schon nach zwei Jahren schließen musste. Das Konzept sei dort nicht aufgegangen, es habe die „bayerische Gemütlichkeit“ gefehlt, sagt Leindl.

Daraus habe man gelernt, denn ein im April neu eröffnetes „Starnberger Wirtshaus“ mit rustikalem Tresen, Biertank und Holzvertäfelung im westfälischen Olpe sei deutlich authentischer und freundlicher eingerichtet. Weitere Gastro-Ableger wie etwa in Lemgo (ebenfalls Nordrhein-Westfalen) seien geplant, so der Brauhaus-Geschäftsführer.

Die Brauhaus-Pläne im Gewerbegebiet Schorn mit eigener Abfüllanlage werden weiter verfolgt

Leindl verweist auch darauf, dass das Starnberger Hell nach wie vor auch gut in den Bordbistros von Intercity-Zügen nachgefragt werde. „Wir sind derzeit zufrieden“, betont er. Das neue Brauhaus in Wieling war vor vier Jahren in Betrieb gegangen und hatte rund zehn Millionen Euro gekostet. Es verfügt über eine Produktionskapazität von 80 000 Hektolitern – zehnmal so viel, wie zuvor an der ersten Braustätte in Höhenrain (Gemeinde Berg) hergestellt worden war.

Weil jedoch die Wasserversorgung in Wieling auf Dauer wohl zu knapp würde, nahm der damalige Geschäftsführer Schuh ein 41 000 Quadratmeter großes Areal im Starnberger Gewerbegebiet Schorn ins Visier. Dort sollte eine weitere Produktionsstätte in den ehemaligen Posthallen samt eigener Abfüllanlage errichtet werden – ohne indes den Standort in Wieling mit seinen 15 Mitarbeitern aufzugeben.

Doch behördliche Bedenken wegen zu geringer Kapazitäten für das Abwasser in Schorn bremsten die Expansionspläne seinerzeit aus. Aber auch in dieser Sache äußert sich Brauhaus-Geschäftsführer Leindl optimistisch: „Wir verfolgen das Projekt weiterhin und sind im Kontakt mit den zuständigen Ämtern.“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Hilfe für überlastete Eltern
:„Familienpaten sind keine Babysitter und Nachhilfelehrer“

Der Kinderschutzbund Starnberg vermittelt auf Wunsch ausgebildete Ehrenamtliche, die Eltern in herausfordernden Situationen unterstützen. Claudia Ernestus schult diese Helfer und erklärt, was sie leisten können – und wo sie Grenzen setzen müssen.

SZ PlusInterview von Sabine Bader

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: