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Homejacking:Wieder schlagen die Autodiebe im Fünfseenland zu

Diesmal haben Einbrecher einen Luxuswagen in Pentenried gestohlen. Die Kriminalpolizei hat bereits 18 Fälle in der Region registriert.

Von David Costanzo und Christian Deussing, Weßling

Die Einbrecher kommen, wenn die Bewohner schlafen, suchen den Autoschlüssel und fahren mit dem teuren Wagen davon. Nun gibt es zwei weitere Fälle in Weßling und in dem Kraillinger Ortsteil Pentenried, die laut Kriminalpolizei der "Homejacking"-Serie im Fünfseenland zuzuordnen sind. Dabei haben es die Täter meist auf Autos der Luxusklasse abgesehen. In Weßling erbeutete die Autobande am frühen Montagmorgen einen blauen Audi S7 Sportback. Bereits vor drei Monaten hatten Einbrecher in der Nähe zugeschlagen und einen 100 000 Euro teuren Mercedes 230 AMG gestohlen. In Pentenried wurde in der Nacht zum Donnerstag ein grauer Mercedes C 300 T im Wert von etwa 50 000 Euro entwendet, der auf einem Anwesen in der Birkenallee abgestellt war, wie die Polizei berichtet.

Im aktuellen Weßlinger Fall müssen die Täter zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens in das Einfamilienhaus nahe des Kulturzentrums eingestiegen sein. Sie nutzten eine Terrassentür, die nur zugezogen, aber nicht versperrt war. Laut Polizei durchsuchten sie das Erdgeschoss nach dem Schlüssel zum Auto, das im Hof geparkt war. Außerdem nahmen sie eine silberne Rolex und eine Geldbörse mit. Dann fuhren sie mit dem Auto weg. Der Schaden beträgt mindestens 40 000 Euro. Die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck ermittelt. Die sofortige Fahndung etwa an der Lindauer Autobahn A96 habe nicht zum Erfolg geführt, sagte eine Polizeisprecherin. Ein GPS-Ortungssystem sei nicht eingebaut gewesen. Es gibt aber diesmal eine Spur, die Hoffnung macht. Denn der gestohlene Wagen ist auffällig: Nach Angaben des Besitzers war das Auto kürzlich in einen Unfall verwickelt und hat einen Schaden an der Fahrertür und am vorderen linken Kotflügel. Die Kripo bittet um Hinweise unter der Telefonnummer 08141/6120.

Auch in Pentenried erbeuteten die Täter nicht nur Fahrzeugschlüssel und das Auto, sondern auch Gegenstände aus dem Haus - nämlich einen Laptop und eine Kaffeemaschine der Marke "Jura". Die Diebe waren nach ersten Erkenntnissen über eine Terrassentür in das Haus eingedrungen. Die Ermittler vermuten, dass die Siedlung ausgespäht worden ist und fragt die Einwohner, ob sie in den vergangenen Tagen verdächtige Personen und Autos in Pentenried bemerkt oder sonstige Wahrnehmungen gemacht haben.

Seit dem vergangenen Herbst brechen Unbekannte nach ähnlichem Muster in Anwesen ein, um an die Zündschlüssel zu gelangen. Zuletzt wurden auf diese Weise auch in Holzkirchen, nördlich von Gilching, und in Kottgeisering drei Luxusautos gestohlen. Insgesamt verzeichnet die Kripo Fürstenfeldbruck seither für das Fünfseenland und die Region 18 Fälle der "Homejacking-Fälle", bei denen aber auch Fahrzeuge wieder aufgetaucht sind. Den Gesamtschaden beziffert Kripochef Manfred Frei auf etwa 1,2 Millionen Euro. Er geht von einem "bandenmäßig organisierten Vorgehen" aus. Seine Fahnder vermuten, dass die Fahrzeuge im osteuropäischen Ausland bestellt und dorthin verschoben werden. Die Diebstähle sollten sofort der Polizei gemeldet werden, denn "jede Viertelstunde" zähle, betont Frei. Es sei zudem auffallend, dass die Täter wieder im Münchner Umland aktiver geworden sind und die Serie somit weitergeht.

Aber auch die "keyless-go"-Methode einer wohl anderen Autobande beschäftigt die Kripo. Dabei loggen sich vor der Haustür die Täter in den Code von Pkw-Schlüsseln ein, öffnen das Auto und fahren mit dem noblen Wagen des Hausbesitzers davon - wie es zum Beispiel einem Schondorfer Manager passiert ist.

© SZ vom 27.04.2018
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