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Gastronomie:Die Krimiwirtin vom Schatzberg

Dießen: Inga Persson Schatzbergalmwirtin und Kriminalautorin

Mit allen Wassern gewaschen: die Wirtin und Krimiautorin Inga Persson.

(Foto: Nila Thiel)

Inga Persson hat schon viel ausprobiert in ihrem Leben. Sie arbeitete in der Landwirtschaft, studierte Literaturwissenschaften und war Ghostwriterin für Politiker. Seit sieben Jahren führt sie das Lokal hoch über dem Ammersee - und hat zwei Bücher veröffentlicht.

Ausprobieren. Dieses Wort verwendet Inga Persson recht häufig. Vielleicht, weil es fast so eine Art Lebensmotto für die 55-jährige Wahldießenerin ist. Die blonde, schlanke Frau lebt hoch über dem Ammersee. Dort droben betreibt sie die Schatzbergalm, ein beliebtes Ausflugsziel, das ihr Mann von seiner Großmutter geerbt hat. Seit diesem Sommer kocht die Wirtin hier auch selbst. An diesem etwa regnerischen Tag ist sie aber hinter der Schänke anzutreffen. Auf dem Tresen stehen zwei Bücher: "Tod am Ammersee" und "Rache am Ammersee". Die Krimis hat Persson geschrieben. Weil sie mal wieder etwas ausprobieren wollte.

Tatsächlich hat sie das schon oft in ihrem Leben gemacht, sich zigfach neu erfunden. Zum Beispiel damals in ihrer Jugend in Schleswig-Holstein. Dort, zwischen Steinburg und Nordfriesland, ist sie aufgewachsen, genauer gesagt in Dithmarschen, berühmt für flaches Land, für das Wasser, das es von allen Seiten umgibt, als größtes Kohlanbaugebiet Deutschlands und als einstige Bauernrepublik: "Ja, bei uns gibt es viel Landwirtschaft, viele Milchkühe", sagt Persson. Deshalb hält sie sich auch von klein auf viel in Ställen auf. Und obwohl ihr Deutschlehrer sie immer wieder darauf hinweist, doch bitte Germanistik zu studieren, schlägt sie zunächst eine ganz andere Richtung ein: Sie will Bäuerin werden und absolviert dafür eine Lehre in der Landwirtschaft. "Worüber ich nicht nachgedacht habe, war, dass ich dann auch einen Hof brauche."

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Unterstützung bekommt sie von ihrem Lehrherrn, der ihr allerlei Männer im heiratsfähigen Alter vorstellt: "Ich habe gesagt, aber bitte nur welche, die mehr als 100 Hektar Fläche besitzen." Daraus wird aber nichts, denn irgendwann wird ihr etwas ganz anderes bewusst: die Rolle der Frau in der Landwirtschaft. "Da wäre ich wahrscheinlich nicht auf dem Traktor oder im Stall gelandet, sondern in der Küche."

Dort ist sie zwar jetzt auch gelandet, aber für sie ist das etwas anderes: "Es ist mein eigener Betrieb." Unabhängig zu sein, das ist schnell zu spüren, ist ihr wichtig. Immer schon. Und weil das mit der Landwirtschaft für sie dann doch nicht recht funktioniert, geht sie nach Bonn und studiert Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte und Philosophie: "Ich wollte mal wieder was ausprobieren, wissen, ob ich das kann."

Und schon ist da wieder der Satz mit dem "Ausprobieren". Sie scheint mit dieser Haltung Glück zu haben. Denn die Stadt Bonn gefällt ihr, sie liebt den Rhein und die Nähe zur Bundespolitik, deren Zentrum Bonn damals noch war. Sie arbeitet an der Universität als studentische Hilfskraft, leitet die Bibliothek ihres Instituts, lernt und legt ihre Magisterprüfung ab. Eine gute Freundin vermittelt ihr einen Job in einem Abgeordnetenbüro.